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Höhere Stromrechnung gefährdet die deutsche Stahlindustrie

10.07.2013 | 18:39 Uhr
Höhere Stromrechnung gefährdet die deutsche Stahlindustrie
Die deutsche Stahlindustrie sieht Arbeitsplätze in der Branche in Gefahr.Foto: dpa

Bochum.   Das Edelstahl-Werk des Konzerns Outokumpu in Bochum muss deutlich mehr für Strom zahlen als bisher. Betriebsräte schlagen Alarm. Hintergrund sind neue Belastungen durch das Erneuerbare-Energien-Gesetz (EEG). Es geht übers Jahr gerechnet um 30 Millionen Euro. Sorgen gibt es auch bei Thyssen-Krupp.

Aufregung am Stahlstandort Bochum: Der finnische Edelstahlkonzern Outokumpu bekommt plötzlich eine höhere Stromrechnung präsentiert als in der Vergangenheit. Das Unternehmen hat bereits Kurzarbeit für rund 500 Beschäftigte beantragen müssen. Der Betriebsrat warnt nun vor weitreichenden Folgen. Es gehe für das Werk, das lange Zeit zum Traditionskonzern Thyssen-Krupp gehört hat, um eine „existenzielle Frage“, sagt Bernd Kalwa, der Betriebsratschef von Outokumpu in Deutschland.

Hintergrund: Anders als über viele Jahre hinweg soll Outokumpu jetzt in voller Höhe die Umlage nach dem Erneuerbare-Energien-Gesetz (EEG) zahlen. Seit Anfang des Jahres überweise Outokumpu monatlich rund 2,5 Millionen Euro mehr an EEG-Umlage als in den Vorjahren, sagte Wolfgang Hesse, Chef der Outokumpu Nirosta GmbH. Auf das Jahr gerechnet geht es also um 30 Millionen Euro.

Energiewende
BDI-Chef fordert rasche Umsetzung der Strompreisbremse

Die Regionalkonferenz der NRW-CDU diskutierte mit Gästen in Oberhausen über die Folgen der Energiewende. BDI-Präsident Grillo forderte die NRW-CDU zu einer wirtschaftsfreundlichen Ausgestaltung der Energiewende auf. Bundesumweltminister Peter Altmaier pries den Umweltschutz als Innovationstreiber.

Konkurrenten jenseits der Grenzen, zum Beispiel in Frankreich, müssen diese Zusatzkosten nicht schultern . Konzernintern konkurriert das Bochumer Werk auch mit Standorten in Finnland. „Wenn es eine weitere Belastung des Bochumer Stahlwerks durch die EEG-Umlage gibt, ist die Weiterführung des Werks stark in Gefahr“, warnt Betriebsratschef Kalwa.

Ungewisse Zukunft für das Edelstahl-Werk in Bochum

Die Finnen hatten im vergangenen Jahr die Edelstahlsparte von Thyssen-Krupp übernommen. Dabei hat Outokumpu zugesagt, mindestens bis Ende 2016 in Bochum Stahl zu kochen. Danach droht die Schließung des Werks. Die endgültige Entscheidung soll 2015 fallen – bei einer Wirtschaftlichkeitsprüfung. Nach dem Aus für den Schmelzofen in Krefeld befindet sich in Bochum das letzte deutsche Werk mit einer Flüssigphase zur Edelstahlproduktion.

Die Entscheidung, welche Betriebe bei der EEG-Umlage entlastet werden, fällt im Bundesamt für Wirtschaft und Ausfuhrkontrolle (Bafa). Die Behörde verteidigt ihre Entscheidung gegen Outokumpu. „Die Prüfung hat ergeben, dass die Voraussetzungen für die Antragsbefugnis nicht erfüllt sind“, hieß es. Begründung: Bei dem Betrieb handele es sich nicht um einen „selbstständigen Unternehmensteil“. Insofern sei es unerheblich, wie viel Strom das Bochumer Stahlwerk verbrauche. Die Bafa beruft sich auf eine Gesetzesverschärfung, die Anfang 2012 in Kraft getreten ist.

Der Outokumpu-Manager Hesse bezeichnete die Begründung als „inhaltlich nicht nachvollziehbar“. Es sei unstrittig, dass „Stahlwerke in Deutschland als energieintensive Unternehmen in scharfem internationalen Wettbewerb stehen“.

Klage von Outokumpu möglich

Der Fall dürfte nun Juristen beschäftigen. Outokumpu kann Widerspruch gegen die Bafa-Entscheidung einlegen, danach hat erneut die Behörde das Wort. Bleibt es bei dem Konflikt, kann der Konzern vor dem Verwaltungsgericht Frankfurt klagen.

Strompreis
Billigstrom fürs Ausland, in Deutschland steigen die Preise

Die Energiewende hat erstaunliche Folgen. Manchmal müssen die Versorger ihren Strom praktisch verschenken. Doch für Millionen Verbraucher steigen die Preise. „Die Energiewende wird als Sündenbock für weitere Preissteigerungen missbraucht“, sagt DIW-Expertin Kemfert.

Die Branche zeigt sich alarmiert. „Die Energiewende geht jetzt an die Substanz industrieller Wertschöpfungsketten und darf nicht zur Vernichtung von Arbeitsplätzen führen“, warnt Stahlpräsident Hans Jürgen Kerkhoff. „Um nicht ihre internationale Konkurrenzfähigkeit zu verlieren, ist die Stahlindustrie dringend auf Entlastungen von den wettbewerbsverzerrenden energiepolitischen Strompreisaufschlägen wie der deutschen EEG-Umlage angewiesen.“

Auch Thyssen-Krupp von restriktiverem Vorgehen der Behörde betroffen

Nach Informationen dieser Zeitung ist auch Thyssen-Krupp von einem restriktiveren Vorgehen der Behörde betroffen. Bisher sei über Anträge von rund zehn Standorten nicht entschieden worden, die früher zügig bearbeitet wurden. Damit steht eine Zusatzbelastung für den Essener Konzern in Höhe von 53 Millionen Euro in diesem Jahr im Raum.

Ulf Meinke, Thomas Wels



Kommentare
13.07.2013
15:18
Höhere Stromrechnung gefährdet die deutsche Stahlindustrie
von Herbert57 | #13

Strom müßte doch eigentlich immer billiger werden.
Ist jedenfalls an der Strompreisbörse so.Strom wird sogar an das Ausland verschenkt.
Wind und Sonne schicken keine Rechnung.
Aber die Kunden,insbesondere Familien mit Kinder,werden immer skrupelloser,
immer unverschähmter belastet.
Das ganze System ist PERVERS !!!

12.07.2013
20:12
@Ismet
von d0m0 | #12

Schließungskosten werden nicht unter 100mio € sein.

Die Bude könnte für 1 € gekauft werden, natürlich ohne Edelstahl-Lizenzen.

Da Rohstoffe immer knapper werden und der CO² Austoss eine immer mehr größere Rolle spielt, könnte Stahlerzeugung mit einem UHP-/Lichtbogenofen spätestens 2020 große Vorteile zur Hochofen-Route haben.
Simpel gesagt: Einfach nur Schrott rein, Elektroden rein und lass es krachen!

12.07.2013
12:10
Höhere Stromrechnung gefährdet die deutsche Stahlindustrie
von dooplex | #11

Dadurch wird die Armut in Deutschland weiter fortgesetzt. Die Ökostromumlage ist
ein völlig unausgegorene Sache. Merkel hat da total versagt und der Dicke schleimt
nur daher und macht natürlich wie alle vorab, auch nichts. Alle kriechen vor der
Lobby, die regiert mitlerweile Deutschland. Wenn Merkel sich mal mehr um
Deutschland kümmern würde als um Griechenland und Ausspähung, dann
müßte eigentlich einiges besser passen.

12.07.2013
09:58
Höhere Stromrechnung gefährdet die deutsche Stahlindustrie
von AuroraBorealis | #10

Die deutschen Bürger gefährdet die höhere Stromrechnung ebenfalls.
Hunderttausenden deutschen Bürgern wird jährlich deshalb sogar der Strom komplett abgestellt. Kümmert das jemanden? Nein! Weder Politik noch die Medien nehmen sich dieses schweren Problems an. Da jammert man lieber über Multikonzerne, deren Manager so viel Geld abkassieren, dass die schon nicht mehr wissen, wohin mit dem vielen Geld.
Jeder der Strom verbraucht soll den gleichen Preis bezahlen.
Oder gibt es schon einen echten (!) Sozialtarif für finanziell schwache deutsche Bürger?

12.07.2013
00:47
Höhere Stromrechnung gefährdet die deutsche Stahlindustrie
von d0m0 | #9

Theoretisch wird Deutschland 2020 ein attraktiver Industriestandort werden. So günstigen Strom hat niemand auf der Welt. Bezahlt wird die Verwaltung, und die Wartung, die Rohstoffe fallen weg!
Aber unsere Energieunternehmen sind an der Börse.Ein Manager arbeitet im Sinne der Aktionäre!!! Woher sollen denn sonst die Gewinne kommen. Die Regierung kassiert auch durch die Mehrwertsteuer kräftig mit.

Noch mal zu den Grünen: Die schwärmen von dem Ruhrgebiet, dass es vor 200 Jahren gab. Unberührte Natur und Sümpfe.
Die denken ja wirklich noch das Deutschland mitten im Demographischen-Wandel steckt...! Der D-Wandel fing mit dem Zechensterben und hörte mit derschließung von
Hoesch auf.

Aber in Bochum schließt nicht irgendein Edelstahl-Werk, Es schließt DAS NIROSTA-WERK!
Mit einer eigenen Stahlmarke: Borobest (Bochumer rostbeständiger Stahl)
Was die Qualität an geht, war man DIE NUMMER 1.Jakob Mayer hat hier den Stahlformguss erfunden und mit der letzten Schmelze 2016 stirbt diese tradition

11.07.2013
22:49
Höhere Stromrechnung gefährdet die deutsche Stahlindustrie
von Herby52 | #8

#a01mue
Nun wir können ja weiter auf den "billigen" Atomstrom setzen. Kein Problem, nur wer trägt denn die Folgekosten?
Und wohin mit dem Müll? Ist vielleicht in Ihrem Vorgarten noch etwas Platz?
Alle wollen billigen Strom, nur den gibt es nicht. Wenn die Kosten für die Atommüllbeseitigung (was ja garnicht geht),somit für die sichere Lagerung für tausenden von Jahren direkt umgelegt würden, nehmen wir den grünen Strom gerne.

11.07.2013
22:00
Höhere Stromrechnung gefährdet die deutsche Stahlindustrie
von grauen | #7

Das ist ja ein Ding, höhere Stromrechnungen gefährden die deutsche Stahlindustrie, wo die Industrie doch günstigere Tarife bekommt als der Normalbürger. Dieser fällt von einer Stromkostenerhöhung in die nächste. Ist hier schon jemand auf die Idee gekommen, dass der Bürger für alles her halten muss?
Ich kann das Jammern der Industrie nicht mehr hören. Falls der Staat nicht wieder eingreift, droht man mit Arbeitsplatzverlust. Meiner Meinung nach handelt es sich alles um selbständige Unternehmen. Nur beim Gewinn geht dieser in die eigene Tasche, bei Verlusten sollen sich andere (Mitarbeiter, Staat) beteiligen.
Das Mgmt. in den Unternehmen scheint auch nicht mehr das zu sein, was es einmal war.

1 Antwort
Höhere Stromrechnung gefährdet die deutsche Stahlindustrie
von Pit01 | #7-1

#7

Sehr guter Kommentar, den ich zu 100 % teile.

11.07.2013
21:40
Höhere Stromrechnung gefährdet die deutsche Stahlindustrie
von a01mue | #6

Da sieht man wohin es führt, wenn unreflektiert grünem Gedankengut gefolgt wird. Grüner Sachverstand ist direkt veranwortlich für die Endindustiealisierung unseres Bundeslandes. Dabei handelt es sich hier um wertvolle Industriearbeitsplätze, die, gerade in der Stahlindustrie, noch meistens regulär bezahlt werden und nicht in den Bereich der prekären Beschäftigungsverhältnisse fallen. Grüne Arbeits- und Sozialpoliitk hat schon zusammen mit der SPD auf Bundesebene zur Zerstörung des Normalarbeitsverhältnisses geführt. Aber das kann grünen Politkern egal sein, rekrutieren sich diese doch in der Regel aus Angestellten oder Beamten des öfftenlichen Diensets und der wird bekanntlich mit Seuergeldern bezahlt. Wie lange der Steuerzahler das allerdings noch kann, sei dahingestellt.
Im übrigen ist dieses Werk in Bochum das letze Edelstahlwerk von Otukumpu, jedoch mitnichten das letze Edelstahlwerk in NRW, in Witten und Siegen gibt es noch zwei, sozusagen die letzten Mohikaner!

1 Antwort
Höhere Stromrechnung gefährdet die deutsche Stahlindustrie
von HarryCane_0 | #6-1

Dieses Grünen-Bashing nervt inzwischen wirklich. Natürlich, alle Grünen-Wähler sind natürlich Beamte bzw. im öffentlichen Dienst.
Wenn Ihr Denkrahmen wirklich so eingeschränkt ist, dann wundert es natürlich nicht, dass die Industrie mit ihrem ewigen Gejammer über hohe Energiepreise bei Ihnen voll Punkten kann.

Fragen Sie sich mal, warum Deutschland so unfassbar gigantische Handelsüberschüsse erzielt? Mit Sicherheit nicht, weil wir nicht wettbewerbsfähig sind - ganz im Gegenteil. Der Fetisch des Exports (genau so eine eingeschränkte Sichtweise) zeigt doch genau, woher die dramatischen Ungleichgewichte in Europa herkommen. Deutschland hat nun schon mehrere male gegen die Stabilitätskriterien verstoßen. Es gibt nämlich nicht nur Kriterien für max. HandelsbilanzDEFIZITE, sondern auch für max. HandelsbilanzÜBERSCHÜSSE!
Was ja auch logisch ist, des einen Defizit ist des anderen Überschuss.
Von daher ist die BRD i.P. ZU STARK für ein Europa MIT Euro.
Soviel zur jammernden Industrie!

11.07.2013
20:10
Höhere Stromrechnung gefährdet die deutsche Stahlindustrie
von siebert2 | #5

was hat kurzarbeit mit der stromrechnung zu tun?entweder sind aufträge da oder nicht.

1 Antwort
Höhere Stromrechnung gefährdet die deutsche Stahlindustrie
von Ismet | #5-1

Ohne "Schmiermittel und Preisabsprachen" läuft es eben nicht gut. Da muss eben etwas anderes als Ausrede herhalten, damit Kapazitäten in D abgebaut aber im Ausland aufgebaut werden soll.

Gut gemacht ThyssenKrupp. Tausenden Menschen die Perspektive wegzunehmen. Aber wieso schimpfe ich auch, es waren doch die Stahlkocher schuld, die mal eben 12Milliarden € in USA und vorallendingen in Brasilien verbrannt haben und nicht die Konzernlenker ala Cromme und Konsorten!

11.07.2013
14:29
Höhere Stromrechnung gefährdet die deutsche Stahlindustrie
von HarryCane_0 | #4

Mit höheren Energiepreisen werden wir uns in diesem Jahrhundert mit zunehmender Dauer immer intensiver gefasst machen. Da dürfte bereits die kommende Dekade äußerst spannend werden.
Wie Professor Dennis Meadows schon sagte: "in den kommenden 20 Jahren werden wir größe Veränderungen erleben als in den vergangenen 100 Jahren."
Der Meinung schließe ich mich an.

Was nutzt also das jammern?

Die Kohle, das Öl und Gas, dass wir heute verbrennen, ist morgen dann eben nicht mehr da. Probleme werden nur noch aufgeschoben...

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