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Hannoveraner meldet Patent für Supermarkt ohne Verpackung an

10.03.2016 | 16:04 Uhr
Hannoveraner meldet Patent für Supermarkt ohne Verpackung an
Sandra Michel betreibt in Hannover einen Laden, der auf Kunststoffverpackungen verzichten. Ein Kollege von ihr verzichtet sogar auf Kunststoff bei den Spendern.Foto: imago/epd

Hannover.  Wer sich über unnötige Verpackungen ärgert, ist in „Unverpackt-Läden“ richtig. Nun sollen die Supermärkte systematisch gebaut werden.

Bio- und Supermärkte, in denen Lebensmittel ohne Verpackung angeboten werden, liegen in deutschen Großstädten im Trend. Damit weitere Läden systematisch und wirklich umweltfreundlich aufgebaut werden können, will sich ein Betreiber nun ein Patent sichern lassen

Für Michael Albert ist der Gebrauch von Plastik „absoluter Wahnsinn“. In zehn Tagen eröffnet der gelernte Tischler einen Unverpackt-Laden in Hannover. In seinem „Loseladen“ (LoLa) wird es alles geben, „was man zum täglichen Leben so braucht“, sagt er. Nur keine Verpackung aus Plastik. Die Kunden können Nudeln, Nüsse, Gewürze und Gummibärchen aus Lebensmittelspendern selbst abfüllen. Außerdem gibt es umweltfreundliche Hygieneartikel wie Zahnbürsten aus Holz oder Zahnpasta als Tabletten zu kaufen.

Auch beim Ladenbau setzt Betreiber auf Umweltschutz

Unverpackt-Läden wie der von Michael Albert sind nichts Neues. Seit vor zwei Jahren in Kiel der erste Laden seiner Art eröffnete, ziehen viele Städte wie Berlin, Leipzig oder Heidelberg nach. Weltweit einzigartig aber sind die Lebensmittel-Spender im „LoLa“. Die fertigt der Tischler selbst an, und zwar aus Holz, Edelstahl und Glas. „Die auf dem Markt befindlichen Spender sind alle aus Plastik, und das ist natürlich ein Widerspruch.“ Seine Spender, für die Albert das Patent angemeldet hat, gingen nicht so schnell kaputt wie Kunststoff. „Theoretisch funktionieren die Dinger in 150 Jahren immer noch.“

Vor allem aber sind die Materialien natürlich und abbaubar – anders als Plastik. Die Folgen des Plastikmülls seien verheerend, sagt Ursula Sass vom Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND). „In den Weltmeeren treiben mittlerweile bis zu 18.000 Plastikteile pro Quadratkilometer.“ Der Müll werde entweder direkt ins Meer geschmissen oder von Mülldeponien in die Flüsse geweht, die in die Meere münden. Darunter litten vor allem die Tiere, die die kleinen Plastikteilchen versehentlich fressen. „Jedes Jahr sterben mehr als eine Million Seevögel sowie 100.000 Meeressäuger.“

Neuer Laden hat „Veganer-Tankstelle“

Aber ist ein Leben ohne Plastik wirklich möglich? Ganz klar ja, sagt Michael Albert. „Wenn man genug Energie reinsteckt, findet man immer einen Weg.“ Auch Sandra Michel möchte ihren Kunden ermöglichen, ohne Plastik einzukaufen. Vor gut zwei Wochen eröffnete sie in Hannover den ersten niedersächsischen Unverpackt-Laden. „Ich konnte Plastikmüll einfach nicht mehr sehen“, sagt die 41-Jährige. Ihr Laden bietet nicht nur ungewohnte Ersatzlösungen wie die waschbare Damenbinde an. Es gibt außerdem eine „Veganer-Tankstelle“ mit Lebensmitteln zur Nahrungsergänzung, eine alte Kaffeemühle und eine Mühle für Getreide.

Neugierig betrachtet Gesa K. die großen Lebensmittelspender mit Getreide, auf denen Namen wie Quinoa, Kamut und Hirse stehen. Die 24-Jährige ist zum ersten Mal im Unverpackt-Laden und vom Konzept begeistert. „Das ist richtig nachhaltig.“ Beim Einkauf sei ihr Bio-Qualität wichtig. „Ich muss schon aufs Geld achten, aber manches hier scheint günstiger zu sein als in anderen Läden.“ Immerhin könne sie die Mengen ja selbst bestimmen – und damit auch den Preis.

Käufer müssen sich noch umgewöhnen

Wer wie Gesa zum ersten Mal da ist und keine eigenen Gefäße zum Abfüllen mitgebracht hat, kann bei Sandra Michel Stoffbeutel und Dosen kaufen. „Beim zweiten Besuch sind dann fast alle Kunden vorbereitet“, erzählt die Ladeninhaberin. Anders als Kritiker behaupten, sei das Prinzip der Selbstbedienung mit Schäufelchen und Handschuhen nicht unhygienisch, sondern werde vorab streng überprüft. „Wenn das Gesundheitsamt das in Ordnung findet, weiß ich nicht, wer da noch was zu meckern hat.“

Auch Michael Albert hat seine Spender so entworfen, dass „der Kunde keine Chance hat, die Ware zu berühren“. Er stehe im Kontakt mit einigen der rund 15 Initiativen, die in diesem Jahr einen Unverpackt-Laden gründen und sich für seine Erfindung interessieren, erzählt der Tischler. (epd)

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2016-03-10 16:04
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