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Handykonzern Nokia schlittert tiefer in die Existenzkrise

19.07.2012 | 16:55 Uhr
Handykonzern Nokia schlittert tiefer in die Existenzkrise
Handy-Hersteller Nokia schlittert tiefer in die Existenzkrise.

Espoo.  Der finnische Handybauer Nokia rutscht immer tiefer in die Krise. Im zweiten Quartal von April bis Juni machte der Konzern einen Verlust von 1,41 Milliarden Euro, wie Nokia am Donnerstag mitteilte. Das ist deutlich mehr als die knapp eine Milliarde Euro Verlust im ersten Quartal und viermal so viel wie im zweiten Quartal des Vorjahres.

Der Mobilfunkkonzern Nokia rutscht immer tiefer in die Existenzkrise. Allein von April bis Juni häufte der ehemalige Handy-Weltmarktführer unter dem Strich ein Minus von 1,4 Milliarden Euro und damit fast viermal soviel Verlust wie im Vorjahresquartal an, wie der Konzern am Donnerstag im finnischen Espoo mitteilte. Vor allem wegen des schwer angeschlagenen Handygeschäfts brach der Gesamtumsatz des Konzerns im zweiten Quartal im Jahresvergleich um 19 Prozent auf gut 7,5 Milliarden Euro ein.

Gerade im entscheidenden Geschäft mit Smartphones schaffen die Finnen den Anschluss an die Konkurrenz von Apple und Samsung einfach nicht. Zwar verkauften sich Nokias Flaggschiff-Modelle der Lumia-Serie, auf denen Microsofts Betriebssystem Windows Phone 7 läuft, besser, wie Konzernchef Stephen Elop sagte. Weil aber Geräte auf Basis der älteren Symbian-Plattform zugleich immer schlechter liefen, brach der Smartphone-Absatz dennoch dramatisch ein.

Insgesamt erlöste die Handy-Sparte ein Viertel weniger

So verkaufte Nokia im zweiten Quartal nur noch 10,2 Millionen Oberklasse-Handys und damit 39 Prozent weniger als im Vorjahr. Der Umsatz mit den prestige- und gewinnträchtigen Geräten sank um 43 Prozent auf 1,5 Milliarden Euro. Insgesamt erlöste die Handy-Sparte mit 4 Milliarden Euro mehr als ein Viertel weniger als noch im Vorjahresquartal. Im laufenden Geschäft verlor sie 365 Millionen Euro, die operative Marge lag damit bei minus 9,1 Prozent.

Im April hatte Elop noch angekündigt, dass er lediglich mit minus drei Prozent rechne. Am Donnerstag hieß es nun, Nokia erwarte eine ähnliche Marge auch für das dritte Quartal - mit Ausschlägen von bis zu vier Prozentpunkten nach oben oder unten.

Elop hofft auf Rückenwind durch neue Microsoft-Systeme

Zugleich hält Nokia an seinem rigiden Sparprogramm fest, um die Kosten in den Griff zu bekommen. So streichen die Finnen derzeit in einer zweiten großen Welle weltweit 10.000 Stellen, nachdem zuvor bereits 14.000 Jobs weggefallen waren. "Wir führen das Sparprogramm unter Hochdruck aus", sagte Elop. "Wir stecken Mitten in unserer Umwandlung. Und wir haben keine Angst, harte Entscheidungen zu fällen."

Zugleich hoffe er auf Rückenwind durch die angekündigten neuen Betriebssysteme Windows 8 für Computer und Tablets sowie Windows Phone 8 für Smartphones, sagte der Nokia-Chef. Dabei würden etwa die Werbekampagnen des Partners Microsoft für seine neuen Systeme auch auf Nokias Lumia-Reihe abstrahlen. Allerdings erwarte er vor der Einführung auch einen negativen Einfluss auf den Absatz der alten Lumia-Modelle, räumte Elop ein.

Anleger klammern sich an wenige gute Nachrichten

Trotz der hohen Verluste verfügt Nokia aber mit Reserven von 4,2 Milliarden Euro über mehr Bargeld als von Analysten zuvor erwartet worden war. Auch der Konzernumsatz war mit einem Plus von drei Prozent gegenüber dem ersten Quartal etwas stabiler als angenommen.

Das reichte den Märkten für eine fast schon euphorische Reaktion. An der Börse in Helsinki schoss der Kurs der Nokia-Aktie nach Vorlage der Quartalsbilanz um knapp 17 Prozent nach oben und pendelte dort bis gegen 16.00 Uhr (Ortszeit) um die Marke von 1,60 Euro. (dapd)


Kommentare
24.07.2012
13:34
In Afrika werden Handys zum Entwicklungsmotor
von s.maier75 | #8

Die Verbreitung von Kommunikationstechnologien insbesondere der Mobilfunk eröffnet den Menschen in Entwicklungsländern ganz neue Möglichkeiten. Neben der Verbreitung von Informationen hat die Digitalisierung Auswirkung auf das Gesundheitssystem, die Landwirtschaft und den Zahlungsverkehr. Ein interessanter Artikel dazu auf http://www.theeuropean.de/dagmar-woehrl/11653-zunehmende-vernetzung

20.07.2012
08:06
Handykonzern Nokia schlittert tiefer in die Existenzkrise
von Ruhrius | #7

Ich würde mir eher wünschen, dass Nokia wieder auf die Beine kommt und nach vorne schießt. Sicher kann ich den Frust von Bochumern verstehen, die den Weggang der Firma aus der Stadt und die Subventionsangelegenheit (Wurde die eigentlich abschließend geklärt?) im Hinterkopf haben. Ich mag mein Nokia-Smartphone. Es hatte ein vernünftiges Preis-Leistungsverhältnis, auch wenn es zeitweise etwas nervige Softwareprobleme beim Überspielen vom PC gab, nicht so überteuert wie die Platzhirsche auf dem Markt. Nokia ist immer noch eine, um nicht zu sagen die letzte, europäische Firma in diesem Geschäft, und Europa ist meine weitere Heimat und mir im Zweifel näher vor allem als das Amiland.

1 Antwort
Handykonzern Nokia schlittert tiefer in die Existenzkrise
von shahzad | #7-1

Europa? - gehen die nicht anch Asien mit ihrer Produktion?

20.07.2012
07:16
Handykonzern Nokia schlittert tiefer in die Existenzkrise
von Deepyello | #6

Wenn ich ehrlich bin, verspüre ich ein wenig Genugtuung. Nokia wollte zu Lasten der Beschäftigten die Gewinne steigern. Millionen an Steuergeldern (Subventionen) haben sie in Bochum kassiert. Weil die Gier kein Ende nahm, verlegte man die Produktion nach Ungarn. Seit dem habe ich kein Nokia Handy mehr und werde mir auch keines mehr kaufen. Das es jetzt abwärts geht mit Nokia freut mich ein wenig, obwohl mir die Beschäftigten in Ungarn schon leid tun, sollten sie jetzt auch ihren Arbeitsplatz verlieren.

1 Antwort
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Name von Moderation entfernt | #6-1

Dieser Kommentar wurde von einem Moderator blockiert.

20.07.2012
00:35
NOkia
von darkblu2006 | #5

Seid Bochum kommt mir kein Nokia mehr ins Haus und der Satz
"Wir stecken Mitten in unserer Umwandlung. Und wir haben keine Angst, harte Entscheidungen zu fällen." läßt für mich auch kein Umdenken in meiner Entscheidung zu ,den die harten Entscheidungen werden wie immer den kleinen Mann treffen ,der für die Fehlentscheidungen und Entwicklungen der Bosse nichts kann.

20.07.2012
00:32
Handykonzern Nokia schlittert tiefer in die Existenzkrise
von drengler2 | #4

Erst hat NOKIA das Werk Bochum geschlossen und nun werden wir NOKIA schliessen. Der einst europäische Hersteller von Mobiltelefonen aus Finnland ist längst eine gefrässige Heuschrecke der internationalen Hochfinanz und produziert nur dort, wo die höchsten Gewinne winken. Dumm nur, wenn es Probleme mit den Proukten gibt und wenn in Europa immer weniger NOKIA verkauft wird.

19.07.2012
21:00
Handykonzern Nokia schlittert tiefer in die Existenzkrise
von Klausg49 | #3

Bei dieser Firma hält sich mein Mitleid in Grenzen, sollen sie Ihre Produkte doch
da verkaufen, wo sie sie herstellen!

19.07.2012
20:56
Handykonzern Nokia schlittert tiefer in die Existenzkrise
von Klausg49 | #2

Bei dieser Firma hält sich mein Mitleid in Grenzen

19.07.2012
18:54
Handykonzern Nokia schlittert tiefer in die Existenzkrise
von fettluemmel | #1

NOKIA ist fertig!
Die haben technische Entwicklungen komplett verschlafen!
Eine Frage der Zeit, bis es keine NOKIA Handys mehr gibt!

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