Das aktuelle Wetter NRW 1°C

Interview zur...

Handwerker hoffen auf öffentliche Aufträge

29.01.2009 | 23:08 Uhr
Handwerker hoffen auf öffentliche Aufträge

Brüssel. Noch sind die Betriebe ausgelastet und keine Kreditklemme in Sicht. Doch das deutsche Handwerk bekommt die Krise langsam aber sicher zu spüren. Handwerkspräsident Otto Kentzler über die Lage der Betriebe, die Aussichten fürs laufende Jahr und die Bedeutung staatlicher Aufträge.

Herr Kentzler, leidet das Handwerk unter einer Kreditklemme?

Handwerkspräsident Otto Kentzler. Foto: Ralf Rottmann/WR

Kentzler: Nein. Viele Betriebe machen allerdings die Erfahrung, dass sich Konditionen verschlechtern und Zinsen steigen – allerdings in kleinen Schritten. Besser wäre es, wenn die Zinssenkungen der Europäischen Zentralbank deutlicher weitergegeben würden. Problematisch ist vor allem, dass mehr Sicherheiten verlangt werden. Aber eine Kreditklemme ist derzeit nicht zu erkennen.

Also geht den Betrieben das Geld nicht aus?

Kentzler: Die Bauvorhaben unserer Betriebe betreffen Investitionen bis zu vier oder fünf Millionen Euro Obergrenze. Dafür ist Geld vorhanden. Denn Volksbanken und Sparkassen haben ja in jüngster Zeit einen Zufluss bei den Einlagen privater Sparer erlebt. Und der wird zu großen Teilen in der jeweiligen Region wieder in Form von Krediten ausgereicht.

An welchen Stellen trifft die Krise das Handwerk?

Kentzler: Es gibt Nachfrageausfälle. Es werden Leistungen storniert. Ein Kunde sagt: Bis hier und erst einmal nicht weiter. Oder er lässt sich kein neues Dach mehr machen, sondern nur eine Abdichtung. Neubauaufträge aus der Wirtschaft werden seltener. Zudem müssen wir uns im Klaren darüber sein, dass manche Auftraggeber nicht mehr bezahlen können. Das stellt einen Handwerksbetrieb vor große Probleme, wenn plötzlich größere Summen ausfallen.

Welche Unterstützung erwarten Sie vom Staat?

Kentzler: Es ist wichtig, dass jetzt rasch die vorgesehenen Entlastungen und Investitionen kommen. Der öffentliche Auftraggeber muss Gas geben, Schulen und Kindergärten sanieren. Hier sind neben den Kommunen auch die Länder in der Verantwortung, z.B. im Hochschulbereich.

Drängt die Zeit?

Kentzler: Noch sind unsere Betriebe relativ gut ausgelastet. Die Maßnahmen der Konjunkturpakete müssen Mitte des zweiten Quartals beginnen, damit sie auch wirken und dann muss auch die private Nachfrage steigen – allein schon wegen der günstigen Kredite für die energiesparende Nachrüstung von Gebäuden.

Was erwarten Sie für dieses Jahr?

Kentzler: Im Handwerk sind in Deutschland knapp fünf Millionen Männer und Frauen beschäftigt. Wir hoffen, dass wir die Beschäftigtenzahlen halten können. Und wenn die staatlichen Maßnahmen wie erhofft greifen, dann dürften die Umsätze zumindest nominal auf dem Stand des Vorjahres bleiben.

Und was erwarten Sie von den Handwerksbetrieben?

Kentzler: Dass sie mit in die Hände spucken und zur Wiederbelebung der Wirtschaft beitragen. Das Handwerk muss auf der einen Seite aktiv um Kundenaufträge werben, auf der anderen Seite auch selbst Aufträge erteilen und wenn möglich sogar Investitionen gerade jetzt vorziehen.

Zur Person:

Für sein eigenes Unternehmen in Dortmund hat der gelernte Gas-Wasser-Installateur und Klempner seit gut vier Jahren weniger Zeit als früher. Denn seither vertritt der 67-jährige Westfale als Präsident des Zentralverbands des deutschen Handwerks die Interessen der fast fünf Millionen Beschäftigten in den mehr als 900000 deutschen Handwerksbetrieben.

Mehr zum Thema:

Detlef Fechtner

Facebook
 
Kommentare
29.01.2009
17:48
Handwerker hoffen auf öffentliche Aufträge
von mitarbeiter | #3

Man sieht es ja wenn der Öffentliche Dienst Aufträge Vergibt an Private es einmal wird kräftig auf die Preise gehauen.

und zweites wenn was nach gebessert werden muss weil Pfusch gemacht wurde dann dauert das eine ganze Zeit bis dieses Passiert.

Der ÖD hat genügend Fachkräfte die auch selber diese Aufgaben erfühlen können.

29.01.2009
17:43
Handwerker hoffen auf öffentliche Aufträge
von Wahnsinniger | #2

Dem ist mal so garnix mehr hinzuzufügen.

29.01.2009
16:53
Handwerker hoffen auf öffentliche Aufträge
von septum69 | #1

Auf öffenliche Aufträge können die Betriebe lange warten.Wo doch die meisten arbeiten mittlerweile von 1 € Jobbern ausgeführt werden.Ob Garten-Landschaftsbau,Maler,Schlosser,Schreiner und Tischlerarbeiten.

Trackbacks

Die Trackback URL zu diesem Artikel ist: http://www.derwesten.de/services/trackbacks/article/711524/create

Umfrage
Mehrere Städte in NRW haben eine Bettensteuer eingeführt. In Bochum klagen Hoteliers über Buchungs-Rückgänge. Was halten Sie davon?

Mehrere Städte in NRW haben eine Bettensteuer eingeführt. In Bochum klagen Hoteliers über Buchungs-Rückgänge. Was halten Sie davon?

 
Neueste Aktivität
Aktuelle Fotos und Videos
Made in Duisburg
Bildgalerie
Motel One in Essen
Bildgalerie
Piraterie: Original und Fälschung
Bildgalerie
2 Kommentare 2
Aus dem Ressort
Gewerkschaften warnen vor neuer Niedriglohn-Welle
Werkverträge
Die Gewerkschaften und die Zeitarbeitsbranche schlagen Alarm: Sie warnen vor einer neuen Welle von Dumpinglöhnen durch sogenannte Werkverträge. Mit ihnen werde in vielen Fällen der Leiharbeits-Mindestlohn in Westdeutschland gedrückt.
10 Kommentare 10
Bankkunden müssen sich bald längere Kontonummern merken
Banken
Überweisungen und Lastschriften werden bis 2014 europaweit vereinheitlicht – das soll Geldtransfers einfacher machen und Gebühren senken. Dazu müssen sich die Bürger in spätestens zwei Jahren eine neue, deutlich längere Kontonummer merken. In Deutschland besteht sie aus 22 Zeichen.
5 Kommentare 5