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Nach der Krise

Handwerk will schnell wieder auf Wachstumskurs kommen

06.10.2009 | 16:45 Uhr

Brüssel. Das Handwerk will schnell wieder auf Wachstumskurs kommen. Handwerkspräsident Otto Kentzler spricht im Interview über seine Erwartungen an Brüssel und Berlin, die Lage der Betriebe und die Versorgung mit Krediten.

Die Wirtschaft, so sagen viele mit Blick auf die Finanzkrise, habe das Schlimmste hinter sich. Gilt das auch für das Handwerk?

Bundeskanzlerin Angela Merkel und Otto Kentzler. Foto: ap

Kentzler: Trotz großer Probleme bei den Zulieferern und Dienstleistern der Industrie und im Kfz-Bereich: Das Handwerk hatte keinen Einbruch wie die Gesamtwirtschaft. Damit konnten wir in den Krisenmonaten wesentlich zur Stabilität in Deutschland beitragen. Möglich wurde dies auch durch die gezielte Stärkung des Mittelstands durch die Große Koalition, zuletzt in den beiden Konjunkturpaketen. Wir setzen jetzt alles daran, schnell wieder auf Wachstumskurs zu kommen.

Wie lautet Ihre aktuelle Prognose für das Handwerk in diesem Jahr?

Für 2009 gehen wir von einem Umsatzrückgang von 2 Prozent aus. Auch die Beschäftigungsquote werden wir weitgehend halten können: Wir rechnen mit einem Verlust von 25.000 bis 40.000 Stellen.

Und nächstes Jahr?

Wie sich die Entwicklung im kommenden Jahr gestaltet, hängt vor allem davon ab, wie sich die weltwirtschaftliche Lage entwickelt und wie die politischen Weichen nach der Wahl gestellt werden. Bei der Koalitionsvereinbarung müssen Entscheidungen ganz oben stehen, die zusätzliches Wachstum anstoßen und Beschäftigung kurzfristig sichern und mittelfristig aufbauen.

Was heißt das konkret?

Priorität haben dabei Entlastungen – etwa durch eine gestufte Steuerreform, die gerade auch den „Mittelstandbug“ beim Einkommensteuertarif abflacht, der vor allem niedrige und mittlere Einkommen überproportional trifft. Wichtig sind auch Reformen bei der Arbeitsmarktpolitik, um die drohende Beitragsexplosion bei der Arbeitslosenversicherung zu vermeiden. Ein weiterer Schwerpunkt muss die Bildungspolitik sein.

Stellen die Banken den Betrieben noch ausreichend Kredite zu Verfügung – oder droht eine Klemme?

Info
Zur Person

Der gelernte Klempner und studierte Diplom-Ingenieur ist bereits seit fast fünf Jahren deutscher Handwerkspräsident. Der 67-jährige Dortmunder führt in seiner Heimatstadt in vierter Generation einen Handwerksbetrieb für Dach, Wand und Sanitär. Bundespräsident Horst Köhler hat Kentzler gerade erst mit dem Bundesverdienstkreuz ausgezeichnet und sein Engagement für die schulische und handwerkliche Ausbildung junger Menschen ein.

Eine flächendeckende Kreditklemme können wir im Handwerk bislang nicht feststellen. Schwierigkeiten bereiten unseren Betrieben aber die deutlich gestiegenen Anforderungen an Kreditsicherheiten. Angesichts einer häufig sehr knappen Eigenkapitaldecke ist es ein richtiger Ansatz, die Möglichkeiten der Bürgschaftsbanken auszuweiten. Die Bundesländer müssen jetzt mit entsprechenden Rückbürgschaftserklärungen nachziehen. Die Banken fordern wir zudem auf, die günstigen Leitzinsen an die Kreditnehmer weiterzugeben.

Was tut die EU?

Die Kommission hat zum Beispiel die Vereinfachung der Bilanzierungspflichten für Kleinstunternehmen vorgeschlagen und damit eine langjährige Forderung des Handwerks aufgegriffen. Die Umsetzung wird vielen unserer Betriebe helfen. Ich hoffe, dass die Mitgliedstaaten und das Parlament zustimmen werden. Zudem hoffen wir, dass bald ein Vorschlag der Kommission zur Ausdehnung der Kilometer-Grenze bei der Pflicht zum Einbau eines Digitalen Tachographen kommt. Unsere Betriebe sind keine Spediteure, sondern fahren zum Kunden oder zur Baustelle, um dort zu arbeiten. Der daher unnötige Einbau der Geräte kostet uns eine Menge Geld und die Auswertung wertvolle Arbeitszeit.

Detlef Fechtner

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Kommentare
07.10.2009
08:32
Handwerk will schnell wieder auf Wachstumskurs kommen
von nie88 | #1

Bei Stundensätzen von 60€ +X sehe ich da keine Möglichkeit!

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