Handelskette Strauss Innovation meldet Insolvenz an

Strauss Innovation hat Insolvenz angemeldet. Der Verkauf in den 77 Filialen geht aber nach Angaben des Unternehmens weiter.
Strauss Innovation hat Insolvenz angemeldet. Der Verkauf in den 77 Filialen geht aber nach Angaben des Unternehmens weiter.
Foto: dpa
Was wir bereits wissen
Strauss Innovation - mit 77 Filialen und 1100 Mitarbeitern - steht vor dem Aus. Dem Unternehmen fehlt das Geld für den Einkauf der Winterkollektion.

Düsseldorf.. Die Handelskette Strauss Innovation mit rund 1100 Beschäftigten und 77 Filialen sowie einem Onlineshop steht vor dem Aus. Die Geschäftsführung hat am Freitag beim Amtsgericht Düsseldorf Insolvenzantrag gestellt. Zum vorläufigen Insolvenzverwalter wurde der Düsseldorfer Anwalt Horst Piepenburg bestellt.

Nach zwei schwachen Monaten im März und April hätten die Mittel für die Finanzierung der Winter-Kollektion nicht mehr ausgereicht. Deshalb sei ein Insolvenzantrag unvermeidbar gewesen, teilte Strauss Innovation mit. Die Kette war dabei, das stark auf das Saisongeschäft ausgerichtete Sortiment auf ein höherwertiges Niveau umzustellen. Den Strategiewechsel vermochten die Kunden offenbar nicht nachzuvollziehen. Strauss Innovation brachen die Umsätze weg. Die Geldgeber drehten den Hahn zu. „Die notwendige Finanzierung der Winterkollektion ist zuletzt gescheitert“, heißt es in der Mitteilung des Unternehmens.

Schutzschirmverfahren begann 2014

Der Gang zum Insolvenzgericht kam dennoch überraschend: Noch im März hatte die Führungsspitze vor Journalisten in Düsseldorf von den guten Fortschritten berichtet, die sich in der von ihnen so genannten „Lifestyle“-Kette abzeichneten. Von einer „gelungenen Restrukturierung“ war noch im Frühjahr die Rede.

Bereits Anfang Januar 2014 hatte Strauss Innovation wegen Zahlungsschwierigkeiten ein sogenanntes Schutzschirmverfahren beantragt, um die bereits damals drohende Insolvenz abzuwenden. 17 Filialen wurden geschlossen und rund 260 Arbeitsplätze abgebaut. Die Kette wollte sich fortan auf die lukrativsten Standorte konzentrieren. Dazu gehören bis heute Bochum, Dortmund, Essen, Kleve, Moers, Mülheim, Ratingen, Recklinghausen und Viersen.

Ende 2014 übernahm die Familienbeteiligungsgesellschaft Mühl­eck Family Office Strauss Innovation. „Wir sehen uns als langfristig orientierter Investor mit langem Atem“, erklärte damals Michael Mühleck. Mit dem Weihnachtsgeschäft zeigten sich die neuen Eigentümer bereits zufrieden. Bis Ende 2015 sollte die Umstellung des Sortiments, mit dem man eine qualitätsbewusstere Kundschaft ansprechen wollte, abgeschlossen sein. Doch schon in der ersten Jahreshälfte ging Strauss Innovation finanziell die Luft aus.

Der Verkauf geht weiter

Wie geht es nun weiter? „Wir setzen nun alles daran, kurzfristig eine neue Perspektive für diesen Weg zu entwickeln“, erklärte Geschäftsführer Hans Peter Döhmen. Der vorläufige Insolvenzverwalter Piepenburg informierte am Freitag die Mitarbeiter und führte erste Gespräche mit Betriebsrat und Geschäftsführung. Nach Angaben ei­nes Sprechers von Strauss Innovation geht der Verkauf in allen Filialen unverändert weiter.

Strauss Innovation kann auf eine lange Tradition zurückblicken: Im Jahre 1902 gründeten die Eheleute Maria und Heinrich Strauss ihr erstes Geschäft für Kurz-, Weiß- und Wollwaren mitten in der Düsseldorfer Altstadt. Sie waren der Meinung, dass Gutes kein Luxus sein dürfe. In letzter Zeit fehlte dem Unternehmen indes die Kontinuität. In fünf Jahren bastelten 17 Geschäftsführer an strategischen Ideen, die vom Discounter bis zum Premiumanbieter gingen.