Griechenlands Ritt auf der Schulden-Klinge

Athen..  Stürmische Zeiten für die griechischen Banken: Während die neue Regierung mit den Gläubigern über einen Kompromiss im Schuldenstreit verhandelt, wächst die Angst vor einer Staatspleite und Ausscheiden aus der Eurozone. Bankkunden ziehen deshalb immer mehr Gelder von ihren Konten ab. Die Kapitalflucht verschärft die Krise. Die Zukunft der griechischen Kredit-Institute liegt in den Händen der Europäischen Zentralbank (EZB). Sie berät schon am Mittwoch darüber, ob sie auch die letzte Stütze, die „ELA“-Notkredite, wegziehen will.

Griechen plündern ihre Konten

Die Griechen sind hin- und hergerissen. Einerseits stehen sie hinter Tsipras, und zwar in viel größerer Zahl, als es sich bei der Wahl im Januar zeigte. Vor drei Wochen bekam Tsipras 36 Prozent der Wählerstimmen. In einer aktuellen Umfrage liegt seine Partei bereits bei fast 46 Prozent. Acht von zehn Griechen sagen, dass sie den Kurs unterstützen. Andererseits: Drei von vier Befragten wollen „um jeden Preis“ am Euro festhalten.

Ganz offensichtlich haben sie auch große Zweifel daran, ob Tsipras mit seiner Linie Erfolg haben wird. Allein im Januar sollen rund elf Milliarden Euro privates Kapital abgeflossen sein, gegenwärtig heben die Griechen pro Tag etwa 300 bis 500 Millionen ab, heißt es in der Branche. Die Hälfte bunkern die Bankkunden zuhause oder in Schließfächern, etwa 30 Prozent der Gelder wurden in Wertpapiere angelegt, etwa in ausländische Staatsanleihen. 20 Prozent, vor allem Firmengelder, sind ins Ausland geflossen.

Problematisch ist der Einlagenschwund für die Banken, weil sie das Geld, das die Kunden abheben, eigentlich gar nicht haben. Es ist nur geliehen. Krediten von 210 Milliarden Euro stehen nur noch Einlagen von etwa 143 Milliarden gegenüber.

Wohl auch aufgrund der Ungewissheit, ob es zu einer Einigung kommt – ob mit Verlängerung des Hilfsprogramms oder einer Brückenlösung bis zum Sommer, hält die EZB die griechischen Banken über Wasser. Schon morgen muss der EZB-Rat über eine Verlängerung der Notkredite entscheiden und im Rat wächst die Ungeduld mit Athen.

Bereits im März muss Griechenland für Tilgungen 8,2 Milliarden Euro aufbringen. Bis August werden weitere 11,4 Milliarden fällig. Ohne neue Hilfskredite ist das nicht zu stemmen. In EU-Kreisen geht man davon aus, dass Athen weitere 20 Milliarden Euro braucht.