„Grexit“ löst keine Panikattacken mehr aus

Berlin/Frankfurt..  Griechenland ist wieder in der Diskussion. Das Wort „Grexit“ kursiert – ein Ausscheiden des Landes aus dem Euro. Ende Januar wird gewählt. Der Favorit und Chef der Linken, Alexis Tsipras, will den Sparkurs lockern. Die Bundesregierung warnt Athen davor, die Sparzusagen gegenüber der EU zu brechen. Die wichtigsten Fragen und Antworten:

Ist die bisherige Sanierung Griechenlands erfolgreich?

Nach der großen Krise 2009 ist die Wirtschaft auf dem Weg der Besserung, sie wuchs 2014 wieder um geschätzte 0,8 Prozent. Aber die Arbeitslosigkeit verharrt bei 26 Prozent und Millionen Menschen können sich kaum das Nötigste leisten. Der Staatshaushalt weist noch immer ein Defizit von fünf Milliarden Euro auf. Griechenland ist also vorläufig weiter auf externe Finanzierung angewiesen. Das Geld kommt vor allem vom Internationalen Währungsfonds, der EU und den Euro-Staaten. Wahlfavorit Tsipras fordert, dass die EU einen Teil der griechischen Staatsschulden erlässt. Da er aber gleichzeitig die geforderten Reformen zurückdrehen will, lehnt die deutsche Regierung das ab.

Was würde Deutschland ein Schuldenschnitt kosten?

Die Bundesrepublik bürgt direkt und indirekt für etwa 50 Milliarden Euro der griechischen Staatsschulden – etwa durch den deutschen Anteil am europäischen Rettungsfonds und direkte Kredite der öffentlichen KfW-Bank. Werden diese teilweise erlassen, müsste die Regierung der KfW Verluste ersetzen. In welcher Höhe, würde von den Bedingungen eines Schuldenschnitts abhängen. Andererseits würde durch einen Austritt Athens aus dem Euro die Rückzahlung der Kredite fraglicher.

Wie wären die deutschen Banken vom „Grexit“ betroffen?

Heute betrachten deutsche Banken die neu aufgeflammte Diskussion gelassen. In den vergangenen Jahren haben sie den Großteil ihrer griechischen Staatsanleihen verkauft. Zwar belaufen sich die Forderungen deutscher Banken gegenüber dem griechischen Staat auf 15 Milliarden Euro. Die entfallen aber fast ausschließlich auf die Staatsbank KfW. Es ist deutsches Geld aus dem ersten Hilfspaket für Griechenland, das über die KfW geflossen ist.

Kann sich Euroland den Austritt der Griechen leisten?

Heute ist die Euro-Gemeinschaft stabiler als auf dem Höhepunkt der Krise vor drei Jahren. Im Bundesfinanzministerium weist man darauf hin, dass neue Institutionen wie die europäische Bankenaufsicht gegründet wurden. Botschaft: Europa könnte den Abschied Griechenlands verkraften. Dagegen spricht, dass im neuen Fonds zur Bankenabwicklung für den Krisenfall bislang kaum Geld steckt. Außerdem könnte der Austritt Griechenlands Spaltungstendenzen verstärken, die Europa ohnehin aushalten muss. So droht die britische Regierung, der EU den Rücken zuzuwenden. Frankreich wird bald vielleicht unter noch stärkeren Einfluss der Rechtspartei Front National geraten. Wenn Griechenland den Euro verließe, mag dies missverstanden werden als Zeichen für den Zerfall der Staatengemeinschaft.

Gibt es keine Ansteckungsgefahr mehr für andere Krisenstaaten?

Griechenland wurde bisher auch oder sogar vor allem aus Angst vor den Finanzmärkten gestützt. Die drohende Staatspleite trieb seit 2010 auch die Zinsen auf Staatsanleihen von Spanien, Portugal und Italien in die Höhe, was deren Schuldenspirale verstärkte. Derzeit gibt es aber Anzeichen dafür, dass die Geldmärkte anders als früher unterscheiden zwischen der Lage in Griechenland und den anderen Krisenstaaten, in denen eine Erholung langsam spürbar wird. So kam Italien vergangene Woche trotz der Zuspitzung der Lage in Athen so günstig an frisches Geld wie nie zuvor. Dass die Ansteckungsgefahr wirklich gebannt wäre, lässt sich aber kaum seriös vorhersagen.