Google macht NRW-Firmen fit für den Online-Vertrieb

In einem Pilotprojekt will der Internetriese Google Mittelständler aus NRW schulen, wie sie ihre Produkte online vertreiben können.
In einem Pilotprojekt will der Internetriese Google Mittelständler aus NRW schulen, wie sie ihre Produkte online vertreiben können.
Foto: dpa
Was wir bereits wissen
Google schult in Dortmund, Münster und Köln Mittelständler aus NRW – und macht sie fit für den weltweiten Vertrieb ihrer Produkte über das Netz.

Essen.. Die Firma Celexon aus Emsdetten im Münsterland vertreibt Projektoren, Leinwände und Zubehör. Für Büros, fürs Heimkino oder aber für die Präsentation beim Kunden vor Ort. Bis 2008 war dieses Geschäft ein rein nationales. Kunden aus dem Ausland? Gab es nicht. Das hat sich seitdem geändert. Celexon vertreibt seine Produkte mittlerweile über das Internet in zahlreiche europäische Länder. Dabei half der US-Suchmaschinenriese Google. „Wir hätten schneller und einfacher wachsen können, hätte es solche ausgefallenen Werkzeuge zur Marktanalyse gegeben, wie es sie heute gibt“, sagt Celexon-Geschäftsführer Christoph Hertz.

Datenschutz Im August startet in NRW das Pilotprojekt „Weltweit wachsen“, in dem Google gemeinsam mit Partnern – darunter die Commerzbank und DHL – Mittelständler fit für den internationalen Vertrieb über das Internet machen möchte. Ab Mitte August sollen in Dortmund, Köln und Münster Trainingszen­tren entstehen, in denen jeweils 150 Unternehmen in achtwöchigen Intensivkursen mehr erfahren über grenzüberschreitendes Online-Marketing, sicheres Bezahlen über Grenzen hinweg und Webseiten-Optimierung. Die Kurse sind kostenlos. Ziel sei es, Firmen dabei zu unterstützen, neue Märkte über das Internet zu erschließen und zu einer stärkeren Vernetzung zwischen Digital- und Exportwirtschaft beizutragen, sagt Google.

Achtwöchige Intensivkurse

Der US-Konzern macht etwas aus reiner Nächstenliebe? „Natürlich hoffen wir darauf, dass sich die Marketing-Budgets der Unternehmen dann Richtung Online verschieben. Dann bleibt bestimmt auch etwas bei Google hängen“, sagt Klaas Flechsig, Deutschland-Sprecher des Suchmaschinen-Riesen. Allerdings gingen die Teilnehmer der Workshops keinerlei finanzielle Verpflichtungen ein, heißt es aus dem NRW-Wirtschaftsministerium. Das war dem Minister wichtig. Garrelt Duin (SPD) hat die Schirmherrschaft des Projektes übernommen.

Google „Die Digitalisierung betrifft alle Branchen. Mit dem Programm ,Weltweit Wachsen’ bietet Google einen spannenden Ansatz, um Unternehmen in Nordrhein-Westfalen für die digitale Transformation zu sensibilisieren“, sagt Duin. Das passe hervorragend zur Initiative Digitale Wirtschaft NRW. „Wir brauchen den Mittelstand als Schrittmacher des digitalen Wandels“, so Duin weiter. Deshalb komme Googles Investment wie gerufen, heißt es aus dem Ministerium. Es ziele in dieselbe Richtung wie die Initiative des Landes. Natürlich verfolge Google mit seinem Engagement kommerzielle Interessen. „Aber hier gehen Eigennutz und Gemeinnutz eine gute Verbindung ein“, heißt es aus Düsseldorf.

Zahlen sind nur ein Ansatzpunkt

Christoph Hertz’ Firma Celexon macht mittlerweile 40 Prozent ihres Umsatzes im Ausland. Der stieg übrigens mit der Internationalisierung des Geschäfts von rund 20 Millionen Euro auf nunmehr gut 60 Millionen. Hertz erhofft sich noch mehr Wachstum durch eine weitere Liberalisierung des Online-Marktes innerhalb der Europäischen Union. Er rät Unternehmen, die den Schritt ins Ausland bislang nicht gewagt haben, sich bei „Weltweit wachsen“ anzumelden oder die Veranstaltungen vor Ort zu besuchen. „Die genannten Marktzahlen sind zwar keine fundamentale Grundlage für eine Investitionsentscheidung, sie sind aber ein Ansatzpunkt, sich mit dem Thema näher zu beschäftigen.“