Google legt Streit mit belgischer Presse um Urheberrecht bei

Google und die französischsprachige Presse in Belgien wollen Online-Artikel in Zukunft gemeinsam vermarkten.
Google und die französischsprachige Presse in Belgien wollen Online-Artikel in Zukunft gemeinsam vermarkten.
Foto: dapd
Was wir bereits wissen
Google und die französischsprachige Presse in Belgien wollen Artikel künftig gemeinsam im Internet vermarkten. Damit beenden beide einen seit Jahren währenden Streit um das Urheberrecht. Die Verleger wehrten sich dagegen, dass Google auf ihre Artikel verlinkt und damit Milliarden Gewinne macht.

Paris.. Die französischsprachige belgische Presse und der US-Internetriese Google haben ihren seit Jahren währenden Streit um die Verlinkung von Online-Artikeln durch die Suchmaschine beigelegt. Wie Google und Verleger-Vertreter am Mittwochabend mitteilten, wollen beide Seiten bei der Vermarktung von Artikeln im Internet künftig eng zusammenarbeiten.

Damit sollen die Zeitungen mehr Leser auf ihre Internetseiten locken und zugleich Möglichkeiten finden, daraus auch finanziellen Profit zu ziehen. Die geplante Zusammenarbeit umfasst auch das Angebot für mobile Endgeräte wie Smartphones.

Der belgische Verleger-Verband Copiepresse und mehrere Autorenverbände waren Anfang 2006 gegen Google vor Gericht gezogen. Sie warfen dem US-Konzern eine Verletzung des Urheberrechts vor. Hintergrund ist die Verlinkung von Online-Artikeln über Google-Suchergebnisse. Google erzielt Werbeeinnahmen in Milliardenhöhe, indem es auf Web-Inhalte anderer Seiten verlinkt.

Leistungsschutzrecht Die Verleger, die seit Jahren nach Wegen suchen, wie sie im Internet Gewinne erzielen können, klagen daher, dass Suchmaschinen von der Arbeit der Redaktionen profitieren, ohne eine angemessene Gegenleistung zu erbringen.

Google strebt Partnerschaft mit belgischen Printmedien an

"Wir haben uns mit den Tageszeitungen entschieden, zusammenzuarbeiten und den seit sieben Jahren währenden und für alle ermüdenden Streit beizulegen, die Kriege der Vergangenheit hinter uns zu lassen und an einer Partnerschaft zu arbeiten", erklärte der Chef von Google Belgien, Thierry Geerts. Verleger-Vertreter François Le Hodey erklärte, mit der Vereinbarung würden zwar nicht alle wirtschaftlichen Herausforderungen für die Presse gelöst; beide Seiten würden nun aber "neue Formen der intelligenten Zusammenarbeit" suchen.

Einen Bericht der französischen Tagezeitung "Le Monde", wonach Google den belgischen Verlegern einen Millionenbetrag dafür zahlt, künftig weiter auf die Zeitungsseiten verlinken zu dürfen, wies der US-Konzern zurück. Den Verlegern werde lediglich ein nicht näher bezifferter Betrag zur Begleichung der Kosten überwiesen, die sich im Zuge der juristischen Auseinandersetzung angehäuft hätten.

In Deutschland soll ein Leistungschutzrecht für Verleger kommen

Um die deutschen Verlage an den Gewinnen der Suchmaschinen zu beteiligen, hat die Bundesregierung Ende August ein Gesetz auf den Weg gebracht, mit dem ein Leistungsschutzrecht für Presseverleger eingeführt werden soll. Über das Gesetz berät nun der Bundestag. Google ist gegen das Vorhaben und argumentiert, dass die Verlage bereits von den Suchmaschinen profitieren: Nach Angaben des US-Konzerns verbuchen Medienseiten weltweit jeden Monat vier Milliarden Klicks über Google-Links.

Google Auch in Frankreich wird derzeit über ein von Verlegern gefordertes Leistungsschutzrecht verhandelt. Staatschef François Hollande setzt auf eine Einigung zwischen Google und den Verlegern, will andernfalls aber ein Gesetz auf den Weg bringen.

Fünf französische Tageszeitungen und drei Zeitschriften schufen inzwischen mit dem Telekommunikationskonzern Orange und dem Online-Kiosk ePresse eine gemeinsame Internetseite, über welche die kostenlosen Artikel der Publikationen aufgerufen werden können. Für das Angebot www.presse.lemoteur.fr wurden am Mittwoch in Frankreichs Tagezeitungen große Werbeannoncen geschaltet. Dass die Internetseite zu einem Zeitpunkt kommt, an dem die Verhandlungen mit Google laufen, ist nach Angaben von ePresse-Chef Philippe Jannet Zufall. (afp)