Das aktuelle Wetter NRW 12°C
Kaffee

Gericht erlaubt Nachahmern die Werbung mit Marke Nespresso

21.02.2013 | 15:32 Uhr
Gericht erlaubt Nachahmern die Werbung mit Marke Nespresso
Sogenannte Noname-Produkte dürfen weiterhin mit dem Hinweis werben, dass sie für Nespresso-Maschinen geeignet sind.Foto: Ilja Höpping / WAZ FotoPool

Düsseldorf.   Kaffee wird nur noch selten klassisch aufgebrüht: Das liebste Getränk der Deutschen kommt immer öfter trendig aus einer Kaffeekapsel. Vor Gericht wollte Nespresso-Hersteller Nestec im Eilverfahren gegen Nachahmer vorgehen - doch das klappte nicht. Der Streit geht weiter.

Billigere Konkurrenzprodukte von Nespresso-Kaffeekapseln dürfen weiterhin mit dem Hinweis angepriesen werden, dass sie für Nespresso-Maschinen geeignet sind. Das Oberlandesgericht (OLG) Düsseldorf wies am Donnerstag den Antrag der Schweizer Firma Nestec zurück, gegen dieses Vorgehen eine Einstweilige Verfügung zu erlassen. Nestec gehört zum weltgrößten Lebensmittelkonzern Nestlé.

Beklagte waren zwei Schweizer Firmen, die ohne Lizenz billigere Kaffeekapseln für die Nespresso-Maschinen vertreiben: Sie bieten die Kapseln zum Preis von 0,29 Euro pro Stück an und sind damit 6 bis 10 Cent billiger als das Original. Zuvor hatte schon das Düsseldorfer Landgericht in einem Eilverfahren keine Patentverletzung gesehen. Die Entscheidung in der Hauptsache steht noch aus.

Die Kapsel als passives Objekt

In der Verhandlung vor dem 2. Zivilsenat des OLG ging es am Donnerstag darum, wie unabhängig die Kapseln vom Patent zu sehen sind. Während die Nestec-Vertreter das ausgefeilte Zusammenwirken von Apparat und kleinem Becher herausstellten, meinte die Seite der Konkurrenz-Produzenten: "Die Kapsel ist ein passives Objekt". Im Patent werde die Kapsel auch nur beiläufig erwähnt.

Lesen Sie auch:
Nespresso eröffnete Boutique an der Königsallee

Die Düsseldorfer Nespresso-Crew feierte die Eröffnung seiner über 400 Quadratmeter großen Boutique an der Königsallee mit Rheinischem Sauerbraten, Ricota-Ravioli und Mandel-Financiers. George Clooney kam trotzdem nicht zur Einweihungsfete neben Abercrombie & Fitch.

Die Richter urteilten schließlich, die Verwendung von Fremdkapseln sei vom Patentschutz nicht betroffen. Die erfinderische Leistung spiegele sich in der Technik der Kaffeemaschinen wider, nicht aber im Aufbau der Kapseln. "Die Kapsel gehorcht nur", fasste Thomas Kühnen, der Vorsitzende des Senats zusammen.

Prozess gegen den Vater des Nespresso-Erfolgs

Nespresso reagierte enttäuscht und setzt nun auf das Hauptverfahren, das ebenfalls in Düsseldorf stattfindet. "Wettbewerb ist für Nespresso nicht neu", erklärte Holger Feldmann, Geschäftsführer von Nespresso Deutschland. Weltweit habe man über 100 Mitbewerber im Segment für portionierten Kaffee. Allein in Deutschland gebe es auf dem Gebiet 24 Hersteller.

Denn der Markt für Portionskaffee ist sehr lukrativ und heiß umkämpft, obwohl die Kapseln wesentlich teurer sind als loser Kaffee und viel Müll hinterlassen. Seit kurzem etwa mischt der Discounter Lidl auch mit. In den 3300 Läden in Deutschland werden seit Anfang Februar Kaffeekapseln einer Eigenmarke angeboten.

Die Firma Ethical Coffee Company, gegen die Nestlé jetzt vor Gericht unterlag, wirbt mit Kapseln, die sich im Abfall selbst zersetzen. Pikant: Ihr Chef ist Jean-Paul Gaillard, der zuvor zehn Jahre lang bei Nestlé gearbeit hat und auch als einer der Väter des Erfolgs von Nespresso gilt. (dpa)

Facebook
 
Kommentare
21.02.2013
18:45
Gericht erlaubt Nachahmern die Werbung mit Marke Nespresso
von Pit01 | #1

Wettbewerb ist ok , wenn es nicht zu Lasten der Qualität geht. Die Tasse Nespresso halte ich ohnehin für preislich überzogen. Selbst 10 Cent billiger ist im Prinzip immer noch eine teure Tasse Kaffee.

Trackbacks

Die Trackback URL zu diesem Artikel ist: http://www.derwesten.de/services/trackbacks/article/7644460/create

Umfrage
Die Stimmung der Verbraucher hat sich laut einer Studie des Marktforschungsinstituts GfK deutlich verbessert. Geben auch Sie derzeit kräftig Geld aus?

Die Stimmung der Verbraucher hat sich laut einer Studie des Marktforschungsinstituts GfK deutlich verbessert. Geben auch Sie derzeit kräftig Geld aus?

 
Fotos und Videos
Premiere der neuen S-Klasse
Bildgalerie
Mercedes-Benz
Zwischen Bangen und Hoffen
Bildgalerie
Opel Bochum
Opel-Aus im Jahr 2015
Bildgalerie
Opel
Zyperns Banken geöffnet
Bildgalerie
Euro-Krise
Aus dem Ressort
Ärger mit Bergschäden – So reagiert der Kohlekonzern RAG
Bergschäden
Etwa 35.000 Fälle von Bergschäden pro Jahr, Kosten in Höhe von 300 Millionen Euro: Der Kohlekonzern RAG hat eine vorläufige Schadensbilanz präsentiert. In Sachen Bergschäden sieht die RAG auch die Revierkonzerne Eon, RWE und Thyssen-Krupp gefordert.
IG Metall verschärft gegenüber Voestalpine den Ton
Stahlindustrie
Die Diskussion um die Schließung des Schienenwerks in Bruckhausen hat an Schärfe gewonnen. Jürgen Dzudzek (IG Metall) kritisierte den österreichischen Voestalpine-Konzern. Dieser hatte trotz eines Interessenten, der die Bochumer Zweigstelle weiterführen wollte, die Schließung des Werkes bekräftigt.