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"Geplante Obsoleszenz"

Geräte-Tod nach Ablauf der Garantie - Kaputt nach Plan?

25.01.2013 | 18:51 Uhr
Geräte-Tod nach Ablauf der Garantie - Kaputt nach Plan?
Bauen Gerätehersteller ein Verfallsdatum ein? Bisher gibt es keine Beweise.Foto: Thinkstock

Essen.  Hartnäckig halten sich Gerüchte, Hersteller bauten in ihre Geräte ein Verfallsdatum ein. Den Nachweis bleiben Verbraucherschützer und Tester bislang schuldig. Und auch die Webseite www.murks-nein-danke.de hat bislang keinen Beleg gefunden. Eine Spurensuche.

Es ist ein Ärgernis: Kaum ist die Garantie abgelaufen, gibt die Waschmaschine den Geist auf. Und die Reparatur kostet einen großen Batzen Geld. Manchmal so viel, dass sich das Flicken gar nicht lohnt , der Kauf eines neuen Gerätes fast schon sinnvoller erscheint. Hat der Hersteller die Maschine absichtlich so konstruiert, dass sie kurz nach Ablauf der Gewährleistung den Betrieb einstellt? Ein Schelm, der Böses dabei denkt. Beweisen lässt sich die sogenannte „geplante Obsoleszenz“, so der Fachbegriff für das eingebaute Verfallsdatum, bis heute nicht. Eine Spurensuche.

Der Kritiker

Gibt es Bauteile, die dem Drucker sagen, er solle nach einer bestimmten Anzahl von Seiten den Betrieb einstellen? Die dem Handy-Akku vorschreiben, wie oft man ihn aufladen kann? Stefan Schridde ist davon überzeugt. Der Diplom-Betriebswirt hat in seiner Freizeit eine Internetseite gebaut, auf der Kunden kaputte Geräte melden können, die kurz nach Ablauf der Garantie versagen. Auf murks-nein-danke.de trägt er diese Fälle zusammen – alles Einzelfälle. Auch Schridde bleibt den Beweis für den Defekt mit System schuldig.

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Klein beigeben will der selbstständige Berater aber nicht: „Ist es purer Zufall, dass die Hersteller auf Elektronikplatinen wärmeempfindliche Bauteile neben Wärmequellen verbauen?“ Für Schridde sind solche Konstruktionsfehler ein Hinweis auf eine Strategie der Firmen, Produkte auf den Markt zu bringen, die nicht lange halten. „So wollen sie den Umsatz ankurbeln. Dabei geht das doch auch anders“, sagt Schridde. Gebe es mehr Geräte mit langer Lebensdauer, könnten Konsumenten das Geld in andere Produkte stecken.

Wenn er die geplante Obsoleszenz schon nicht beweisen könne, so wolle er doch für mehr Kundenfreundlichkeit bei den Herstellern trommeln. Käufern werde es ex­trem lästig gemacht, Produkte zu reklamieren. „Damit man sich etwas Neues kauft, anstatt Altes zu reparieren.“

Der Verbraucherschützer

Hier setzt auch Klaus Müller, Chef der Verbraucherzentrale Nordrhein-Westfalen, an. Er sieht ein großes Problem in der Gewährleistungspflicht von Handel und Herstellern. „Warum muss der Kunde nach einem halben Jahr nachweisen, dass es nicht sein eigenes Verschulden ist, wenn das Produkt kaputt gegangen ist?“ Der Gesetzgeber müsse hier handeln. Das führe dann vielleicht auch bei den Herstellern zu mehr Produktverantwortung.

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„Es gibt Dinge, die sind merkwürdig. Es gibt Dinge, die stinken zum Himmel. Aber die Beweisführung ist schwierig“, sagt Verbraucherschützer Müller. Er würde nur zu gern eine Verbandsklage durchfechten, wenn er einen Beweis finden würde, dass ein Hersteller ein Gerät absichtlich so konstruiert hat, dass es kurz nach Ablauf der Garantie den Geist aufgibt. Doch dafür bräuchte Müller nicht einen, nicht zwei, am besten gleich 20 Fälle, wo ein Produkt unter ähnlichen Bedingungen innerhalb eines bestimmten Zeitraums streikt. Und: „Ich wünsche mir einen Eingeweihten, der aus dem Nähkästchen plaudert“, sagt Müller. Doch auch darauf wartet er bislang vergeblich.

Der Tester

Einen Beweis für das eingebaute Verfallsdatum bleibt auch die Stiftung Warentest schuldig. „In all unseren Tests haben wir keinen Hinweis darauf finden können“, sagt Jürgen Nadler, wissenschaftlicher Leiter des Teams Multimedia. Nadler möchte die Hersteller aber nicht in Schutz nehmen. Fest verbaute Akkus in Handys, elektrischen Zahnbürsten oder Navigationsgeräten seien ein Ärgernis.

Doch nicht immer ist ein Defekt schuld daran, wenn ein Gerät nicht mehr funktioniert. Bei der sogenannten technischen Obsoleszenz reiche es schon, wenn es etwa für den Drucker keinen Treiber mehr für das neue PC-Betriebssystem gebe, sagt Nadler. Und beim psychologischen Verfallsdatum büße ein Produkt an Attraktivität ein, weil kurz danach der Nachfolger im Handel stehe. Das sei etwa bei TV-Geräten so. „Früher“, so Nadler, „lag die Nutzung eines Fernsehers bei zehn Jahren. Heute sind es nur noch 7,5.“ Und bei Handys seien die Zyklen noch viel kürzer.

Sven Frohwein



Kommentare
28.01.2013
13:47
Geräte-Tod nach Ablauf der Garantie - Kaputt nach Plan?
von TVtotal | #28

Natürlich gibt es Bauteile deren Lebensdauer stark begrenzt ist, in Waschmaschienen sind es Relais, früher waren die für x Million schaltvorgänge ausgelegt, heute noch für ein Paar 1000 Schaltvorgänge...Drucker, da sind Pats eingebaut die farbe aufnehmen, sind die voll versagt der Drucker seinen dienst und die Dinger sind so verbaut das man sie nicht wechseln kann, und in den kleinen Computern kann man e ein Verfallsdatum einprogrammieren, und in welchen neuen Gerät steckt heute kein Computer?

28.01.2013
09:48
Geräte-Tod nach Ablauf der Garantie - Kaputt nach Plan?
von Okling | #27

Einfach nicht so viel kaufen. Wenn man jedes gerät nutzt, bis es tatsächlich den Geist aufgibt, werden die Standzeiten auch wieder länger.

Da die Hersteller aber genau wissen, dass dem Elektronikjunkies die meisten Geräte nach 2-3 Jahren langweilig werden, und gegen was Neues ausgetauscht werden, lohnen sich auch keine teuren Bauteile.

Smartphones, All-in-one-Computer, Farb-Tintendrucker und ähnliche Dinge, sind zwar toll, aber auch vollkommen überteuert. Da ist auch nichts anderes drin als in den Billigausführungen.

Das eigentliche Problem sind also nicht die von den Elektronikjunkies den ganzen Tag befummelten Spielzeuge, sondern schlichtweg der Preis.

Das Handie für 50.- , der Laserdrucker für 100.-, die Kaffeemaschine für 19,95 Euro - soll das ganze Zeugs doch nach 2-3 Jahren kaputt gehen. Vom Umweltschutz jetzt mal abgesehen.

Es ärgert ja eigentlich nur, wenn das Smartphone für 800.-, oder der Kaffeeautomat für 2.000.- nach 2 Jahren den Geist aufgibt.

28.01.2013
09:27
Geräte-Tod nach Ablauf der Garantie - Kaputt nach Plan?
von darkblu2006 | #26

Bei meinem Philps TV hat es nicht geklappt :-) der ist 3 Wochen vor Ablauf der Garantie kaputt gegangen ,da haben die sich verschätzt .Ich finde diese Einrichtungen in Köln klasse wo es Kaffees mit Profis gibt die Geräte wieder reparieren ,das sollte sich auch in anderen Städten durchsetzen .

28.01.2013
02:00
Geräte-Tod nach Ablauf der Garantie - Kaputt nach Plan?
von Mortaro | #25

Zitat WAZ : "Gibt es Bauteile, die dem Drucker sagen, er solle nach einer bestimmten Anzahl von Seiten den Betrieb einstellen?"

Ja, das ist auch schon längst bewiesen worden durch die Computerzeitschrift "ct".
So weit ich mich erinnere war man in der Lage diesen Chip zu entfernen oder resetten und voilá, das Gerät druckte wieder.

Im Übrigen müssen es nicht immer nur minderwertige Bauteile sind (bei denen man eben weiß dass sie statistisch nach 2-3 Jahren kaputt gehen), so werden z.B. bei Kaffeeautomaten die 2000 Euro kosten (!) auf Sicherungen für 10 Cent verzichtet, die die Maschine vor Schäden schützen würde.

Natürlich sind keine Bauteile verbaut die nach 2 Jahren einen Defekt erzeugen, es sind aber minderwertige Bauteile mit Absicht verbaut, die möglichst nur 2 Jahre durch halten.

2 Antworten
Geräte-Tod nach Ablauf der Garantie - Kaputt nach Plan?
von aminosaeure | #25-1

z.B. http://grootoonk.net/clx-3175-f-n-etc/

Geräte-Tod nach Ablauf der Garantie - Kaputt nach Plan?
von darkblu2006 | #25-2

Habe gestern einen Bericht über Klimaanlagen in Autos gesehen die nach 2 Jahren sich zersetzen ,weil man kein Kupfer mehr nimmt ,sondern Alu ....

27.01.2013
22:27
Echt passiert - Kaputt nach Plan!
von G.Mercator | #24

Drei (3) Tage nach Ablauf der zweijährigen Garantie geht mein Navigon-Navi kaputt (blackscreen). Anruf bei der Hotline, Ergebnis: keinerlei Kulanz, ich könne das Gerät ja kostenpflichtig auf eine Reparaturmöglichkeit überprüfen lassen.
Originalton des Beraters: "Das war ein 7210? Reparatur lohnt nicht, die hat man heute doch gar nicht mehr. Kaufen Sie sich eines mit 5-Zoll-Monitor, das ist jetzt Standard."

Ist das Zufall?

27.01.2013
19:07
"Kaufen für die Müllhalde"...
von graphos | #23

... hieß der Bericht, den ARTE vor genau einem Jahr (28.01.2012) zu diesem Thema brachte. Aufschlussreich, sehr aufschlussreich. Zu sehen über youtube:

http://www.youtube.com/watch?v=zVFZ4Ocz4VA

27.01.2013
17:15
Geräte-Tod nach Ablauf der Garantie - Kaputt nach Plan?
von GregoryHouse | #22

Ab und zu deuten Berichte an, daß wir in einer riesigen Scheinwelt leben. Geht zur Schule, geht arbeiten, geht wählen, geht zur Arbeit, konsumiert - ohne mal irgendwas zu hinterfragen. Aber es scheinen einige langsam wach zu werden. Gut so!

27.01.2013
16:42
Geräte-Tod nach Ablauf der Garantie - Kaputt nach Plan?
von zool | #21

Bin mir noch nicht sicher was schlimmer ist. Wenn ein Gerät der modernen Unterhaltungselektronik nach knapp mehr als 2 Jahren defekt ist, oder wenn ein technisch einwandfreies Gerät ausgetauscht wird, weil es nach 2 Jahren nicht mehr dem aktuellen Stand entspricht ? Dies trifft insbesondere bei Computern, Flachbildfernsehern und Smartphones zu.

27.01.2013
14:42
Geräte-Tod nach Ablauf der Garantie - Kaputt nach Plan?
von melr | #20

Der Verbraucher hatte ja die Wahl zwischen hochwertigen Produkten, und er hat sich für die Ex und Hopp Methode mit Importmist entschieden.

Die Edelmarken starben aus, wurden von den Billigherstellern übernommen, und nun gibt es eben nur noch Billigmist.

Das Gleiche wird auf vielen Produktgebieten auch weiterhin geschehen. Wenn der Verbraucher halt meint, billig kaufen zu müssen, und damit alteingesessene Marken mit solider Technik zu verdrängen, wird er sich wohl auch weiterhin damit abfinden müssen, dass ihn dann die übrig gebliebenen Monopol-Hersteller mit schnell defektem Zeug über den Tisch ziehen.

Wenn die Billig-Solarmodule aus China usw. in ein paar Jahren allesamt frühzeitig das Leben aushauchen, bevor die auf deutsche Markenprodukte ausgelegte Gewinnrechunung aufgegangen ist, wird genauso geheult werden, dass die bösen Hersteller nur Schrott produzieren.

Wer nicht will, muss eben fühlen. Ganz einfach.

1 Antwort
Geräte-Tod nach Ablauf der Garantie - Kaputt nach Plan?
von GregoryHouse | #20-1

Teuer hält länger ist genau Quatsch. Anscheinend haben Sie den Artikel gar nicht verstanden.

27.01.2013
12:23
Geräte-Tod nach Ablauf der Garantie - Kaputt nach Plan?
von kumpelanton | #19

Meine Wachmaschine läuft seit 25 Jahren und läuft und läuft und läuft ...

Es wäre Unsinn, nur wegen der Energieersparnis eine neue zu kaufen, die dann nach 5 Jahren den Geist aufgibt.

3 Antworten
Geräte-Tod nach Ablauf der Garantie - Kaputt nach Plan?
von pemado | #19-1

Meine Mutter hatte auch mal eine Waschmaschine (1960/65), die insgesamt gute 30 Jahre auf dem Buckel hatte. Sau schwer, weil da noch "Betonplatten" für die Standhaftigkeit mit eingehängt waren. Das einzige was nach ca. 25 Jahren komplett kaputt war, waren die Heizstäbe. Da die Waschmaschine neben der Dusche stand, ließ meine Mutter einfach per Duschbrause das heisse Wasser einlaufen. Hatte gut funktioniert und Wäsche trotzdem sauber geworden. Ab und zu musste man nach Jahren mal nen Keilriemen wechseln...was meine Mutter aber damals mit links schaffte. :-)
Aber heutzutage noch selber etwas an einer Waschmaschine reparieren...is ja mal so gut wie gar nicht drin!! :-(

Geräte-Tod nach Ablauf der Garantie - Kaputt nach Plan?
von RennYuppieRenn | #19-2

Auf dem Speicher meiner Großeltern steht noch das Waschbrett meiner Ur-Oma. Funktioniert noch wie vor 75 Jahren einwandfrei.

Geräte-Tod nach Ablauf der Garantie - Kaputt nach Plan?
von gudelia | #19-3

RennYuppieRenn,
die einzig richtige Antwort auf pemado.

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