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Automobilkrise

General Motors will Opel behalten und umbauen

04.11.2009 | 08:33 Uhr
General Motors will Opel behalten und umbauen

Hamburg. Opel bleibt in den Händen von General Motors. Damit ist der lang eingefädelte Deal mit dem Zulieferer Magna geplatzt. Der US-Mutterkonzern will in Kürze einen Restrukturierungsplan vorlegen. Die Bundesregierung fordert 1,5 Milliarden Euro zurück. Autoexperte befürchtet Werksschließungen.

General Motors will Opel nun doch behalten. Der Verwaltungsrat des US-Mutterkonzerns entschied sich am Dienstag gegen den Verkauf des deutschen Tochterunternehmens an Magna. GM-Chef Fritz Henderson kündigte an, der Konzern werde der Bundesregierung in Kürze einen Restrukturierungsplan für Opel vorlegen.

Nun bangen die Opel-Mitarbeiter wieder um ihre Standorte.

Noch im September hatte sich die GM-Führung grundsätzlich für einen Verkauf der Anteilsmehrheit von Opel an Magna und die Sberbank entschieden. Die Bundesregierung bedauert die Kehrtwende. Sie erwarte nun, dass GM «den Konzern Opel in seiner Leistungsfähigkeit stärkt» und «die erforderlichen Anpassungen auf ein unverzichtbares Mindestmaß begrenzt», erklärte Regierungssprecher Ulrich Wilhelm in der Nacht zum Mittwoch. Außerdem müsse der US-Konzern die Brückenfinanzierung von 1,5 Milliarden Euro fristgerecht zurückzahlen. Das Thema Opel wurde für Mittwoch auf die Tagesordnung des Kabinetts gesetzt.

Thüringens neue Ministerpräsidentin Christine Lieberknecht (CDU) hat die Entscheidung von General Motors (GM) zum Verbleib von Opel im Konzern scharf kritisiert. «Das war jetzt noch mal ein wirklicher Tiefschlag, mit dem wir so nicht mehr gerechnet hatten», sagte sie am Mittwoch im Deutschlandfunk. «Es ist mehr als bitter», fügte sie hinzu. «Von daher gilt es jetzt alles zu tun, um zunächst einmal auch unter den beteiligten Ländern sich erneut abzustimmen».

Scharfe Kritik von Hessens Ministerpräsident Koch

Der hessische Ministerpräsident Roland Koch kritisierte die Entscheidung des GM-Verwaltungsrats scharf. «Ich bin sehr betroffen und zugleich verärgert, dass die monatelangen Bemühungen, für Opel Europa eine möglichst gute Lösung zu finden, an GM gescheitert sind», erklärte Koch. Er mache sich große Sorgen um die Zukunft des Unternehmens und seiner Arbeitsplätze. Er erwarte, dass GM den Brückenkredit fristgemäß zum 30. November zurückzahle, «damit der deutsche Steuerzahler keinen Schaden nimmt», sagte Koch.

Die Opel-Treuhand reagierte zurückhaltend. Der Beirat nehme diese Entscheidung zur Kenntnis. «Ich hoffe, auch im Interesse der Beschäftigten bei Opel, dass dieser Beschluss Opel zu neuer wirtschaftlicher Stabilität verhilft», erklärte der Vorsitzende des Beirats, Fred Irwin. Die Treuhand verwaltet 65 Prozent von Opel, die restlichen 35 Prozent liegen bei GM.

Magna-Chef äußert Verständnis

Dabei waren viele zu einem Lohnverzicht bereit. Foto: ap

Magna-Vorstandschef Siegfried Wolf äußerte Verständnis für die GM-Entscheidung. «Wir verstehen, dass der Verwaltungsrat zu dem Schluss gekommen ist, dass es im besten Interesse von GM ist, Opel zu behalten», erklärte er. Die deutsche Tochter spiele eine wichtige Rolle in der weltweiten Organisation des Konzerns.

In den vergangenen Wochen waren bei wichtigen Akteuren Zweifel aufgekommen, ob GM Opel immer noch verkaufen oder vielleicht doch in Eigenregie sanieren will. Auslöser war eine Forderung der EU-Kommission: Sie hatte die Entscheidung für Magna grundsätzlich infrage gestellt. Brüssel argwöhnte, dass die Bundesregierung ihre Zusage über 4,5 Milliarden Euro staatlicher Bürgschaften an Zugeständnisse beim Erhalt von deutschen Standorten geknüpft hatte. Daher sollte der GM-Verwaltungsrat schriftlich zusichern, dass die Entscheidung zum Verkauf an Magna im September ohne politischen Druck zustande gekommen war.

Gesamtbetriebsrat stellt sich quer

Der Detroiter Konzern, der vor kurzem aus der Insolvenz zurückgekommenen ist und nur durch Staatsmittel fortbestehen kann, will nun umgehend die Restrukturierung von Opel angehen. Vorstandsvorsitzender Fritz Henderson sagte, er hoffe auf die Zustimmung der deutschen und anderer von der Entscheidung betroffenen Regierungen. Die Entscheidung sei im besten langfristigen Interesse aller Kunden, Arbeiter, Zulieferer und Händler.

Hessens Ministerpräsident Roland Koch (CDU). Foto: ddp

Die Restrukturierungskosten für das Europageschäft sieht GM auf vorläufiger Basis bei rund drei Milliarden US-Dollar. GM will nach eigenem Bekunden nun in Zusammenarbeit mit allen europäischen Gewerkschaften einen Plan für die Sanierungsbeiträge der Arbeitnehmer erstellen. Allerdings sind die Opel-Arbeitnehmer nicht bereit, Sanierungsbeiträge zu leisten, wenn der Rüsselsheimer Autohersteller im GM-Konzern bleibt. Das sagte der Vorsitzende des europäischen Gesamtbetriebsrats und Opel-Konzernbetriebsratschef, Klaus Fran, in der Nacht zum Mittwoch. Im Falle einer Übernahme durch Magna wären die Arbeitnehmer bereit gewesen, durch Lohnverzicht 265 Millionen Euro pro Jahr zur Restrukturierung von Opel beizutragen.

Der Betriebsratschef des Bochumer Opel-Werkes, Rainer Einenkel, hofft trotz der Entscheidung des GM-Verwaltungsrates auf einen Erhalt der deutschen Standorte: «Ohne Opel hat GM keine Zukunft in Europa. Ich gehe davon aus, dass sie auch die Werke brauchen», sagte Einenkel der «Neue Ruhr/Neue Rhein Zeitung». Einenkel wies darauf hin, dass der zweite Rettungsplan, den GM im Frühjahr der Bundesregierung vorgelegt hatte, einen Erhalt der deutschen Standorte vorsehe. Die «Hängepartie» sei allerdings «unerträglich» für die Beschäftigten. «Wir brauchen endlich Klarheit. Uns läuft die Zeit langsam weg. Der Finanzierungsrahmen der Bundesregierung steht nur bis Ende November», so Einenkel. Am Mittwoch soll die GM-Entscheidung Thema der Betriebsrätekonferenz sein.

Autoexperte: "GM fährt mit höchstem Risiko"

Die Zukunft von Opel ist nach der Entscheidung von General Motors (GM) nach Einschätzung des Auto-Experten Ferdinand Dudenhöffer ungewisser denn je. «Damit fährt GM - gerade aus der Insolvenz gekommen mit höchst möglichem Risiko. West-Europa ist ein Markt ohne Wachstum und großem Verdrängungswettbewerb», erklärte er am Mittwoch. Mit Blick auf die Konkurrenz betonte er: «VW, Toyota, Renault, Ford und Fiat hätte nichts Besseres passieren können als die Entscheidung des GM-Verwaltungsrates.»

Bei der Restrukturierung sei die Planinsolvenz von Opel mit Werksschließungen in Bochum, Kaiserslautern, Antwerpen und Standorten wie Eisenach oder Ellesmere Port ein denkbares Szenario. «Der x-te harte Restrukturierungsplan kann zwar die Kosten kappen, aber wird die fehlende Produktbreite nicht bereitstellen können», bemängelte er. GM kämpfe gleichzeitig an zu vielen Fronten als «schwaches Unternehmen mit abgenutzten Marken. GM fährt damit mit dem höchst möglichen Risiko».

Die Entwicklungsmöglichkeiten für Opel bei seiner alten Mutter seien um ein vielfaches schlechter als in dem Magna-Konsortium. «Zusätzlich gilt, dass GM keinen Ansatz für das Europa-Geschäft hat und man erst jetzt beginnt, den x-ten Restrukturierungsplan für Opel auszuarbeiten», gab der Wissenschaftler zu bedenken.

«Und dies mit enttäuschten Mitarbeitern, die nicht hinter GM stehen, mit einem weiter geschwächten Management und hohen Verlusten, die finanziert werden müssen», fügte er hinzu. Es werde sehr schwer sein, für neue Produkte in Europa und USA Kredite zu erhalten. «Damit wird das Produktprogramm auf Sparflamme laufen und der weitere Verlust von Marktanteilen in Europa ist vorgezeichnet», warnte Dudenhöffer. Auch nach der jetzt vorgesehenen Restrukturierung bleibe Opel äußerst schwach im harten europäischen Markt, der weitere Abstieg sei vorgezeichnet. (ap/afp)

DerWesten

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Kommentare
05.11.2009
18:47
General Motors will Opel behalten und umbauen
von Siegmar Kühn | #65

Kein Mensch auf der Welt braucht die Rostlauben von Opel!!! Laßt die Klitsche doch endlich krachen gehen! Ich hab die blöden Spielchen der Politiker satt.
Wenn Frau Merkel ein wenig Charakter hätte, würde sie Herrn Obahma mitteilen, daß sie alle deutschen Soldaten bis zum Jahresende aus Afganistan abzieht!!!- Hat sie aber nicht ,- bäh!!!

05.11.2009
08:16
General Motors will Opel behalten und umbauen
von Alternativ | #64

32 gany

Super Kommentar!!!

Einer der wenigen sinnvollen zudem.

Einfach klasse, und sollte veröffentlicht werden als Leserbeitrag in der Zeitung.

04.11.2009
17:06
General Motors will Opel behalten und umbauen
von BOB KLINGER | #63

Opel Bochum wird niemals sterben.GM wird die deutsche Regierung zwingen die 4,5 Mrd auf den Tisch zu legen sonst wird der Laden zu gemacht. Danach werden von den Geldern Abfindungen,Transfergesellschaft und Vorruhestand finanziert.Bochum baut den neuen Zafira und 3000 Opelaner dürfen bleiben.Danach wird es wie immer bei Opel heißenAlles ohne betriebsbedingte Kündigungen.

04.11.2009
12:15
General Motors will Opel behalten und umbauen
von hans wurst | #62

kommt schon leute lasst uns lieber wieder auf die hartz4 schnorrer schimpfen wie die unser steuer verplempern mit nichtstun anstatt uns über die unfähigen politiker und manager den kopf zu zerbrechen..auf gehts wo sind die ersten h4 schimpftriaden?????++++IRONIE+++

04.11.2009
11:51
General Motors will Opel behalten und umbauen
von nureinefrage | #61

@ 56
Was ist daran neoliberal, wenn der Besitzer einer Firma eine unpopuläre Entscheidung trifft?
Gehen Sie genauso auf die Barrikaden, wenn ein deutsches Unternehmen eine Dependance in Osteuropa dicht macht um diese noch östlicher wieder zu eröffnen?
Da Ihnen und mir nicht die Firma Opel oder GM gehört, haben wir kein Recht darüber zu lamentieren.

Natürlich ist dieses ganze Polit-Theater und die Konsequenzen für die Beschäftigten alles andere als lustig. Aber das hat nichts mit den Eigentumsverhältnissen zu tun. GM ist kein Wohlfahrtverein und jeder Kaufmann will Gewinn machen: ist diese Aussage schon wieder neoliberal??? Volkseigene Betriebe und Kombinate hatten wir in der Vergangenheit. Wer auf so was noch Lust hat, kann sich ja mal mit den Wirtschaftssystemen von Kuba und China befassen.

04.11.2009
10:45
General Motors will Opel behalten und umbauen
von DIE LiNKE kann es besser | #60

@ wolfbup #59
Klar, ein Lohnniveau von z. b. Burkina Faso, hätte die Opelstandorte bestimmt gesichert ... *kopfklatsch*

04.11.2009
10:39
General Motors will Opel behalten und umbauen
von wolfbup | #59

Was nun, Herr Einenkel? Zu hoch gepokert bei den Lohnfindungen in der Vergangenheit (ein Bandarbeiter bei Opel Bochum erhält soviel wie ein Ingenieur andernorts). Warum will man Opel Bochum wohl den Garaus machen? Weil das Lohnniveau dort den Verantwortlichen im internationalen Wettbewerb keine andere Wahl lässt. Staatsknete für Opel? Dann kann man das Geld ja gleich zum Fenster hinaus werfen. Die neue Regierung wird das nicht tun. Sie weiß die Öffentliche Meinung gegen sich. Im Übrigen, der Kommunist Einenkel hat durch sein Handeln nicht dem Kapitalismus an sich, sondern den Mitarbeitern von Opel und deren Familien mit den zu hohen Lohnabschlüssen nachhaltig geschadet. Weg mit ihm!

04.11.2009
10:32
General Motors will Opel behalten und umbauen
von DIE LiNKE kann es besser | #58

Was ist schon n Opelwerk in Bochum oder sonstwo, gegen einen
Dienstwagen und hofieren, einem Küsschen links und einem Küsschen rechts ???
Man(n) äääh Frau muss halt Prioritäten setzen ... ;-))

04.11.2009
10:19
General Motors will Opel behalten und umbauen
von Ein Bochumer | #57

Die Hinhalte-Taktik durch GM mit dem heutigen Paukenschlag - gewürzt durch unglaubliche Zweifel der EU-Kommission zerstört alle europäischen Visionen einer selbständigen engagierten Zukunft für einen wettbewerbsfähigen europäischen Opel-Konzern. Jetzt geht es weiter an der Nabelschnur von GM, erstarkt durch eine Obama-Infusion. Das Damokles-Schwert erhebt sich über alle europäischen Standorte.

04.11.2009
09:45
General Motors will Opel behalten und umbauen
von metalcage | #56

Es bleibt aber simpel dabei: GM hat
zit. von malüberlegen

Ja, was hat GM???
Und was haben Sie ausser neoliberalem Gelaber zu melden ???
Wer Wahlkampf als Nebenkriegsschauplatz seines Landes sieht, hat die Bodenhaftung dann ja wohl gänzlich verloren.

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