Sicherheit geht Anlegern trotz der Minizinsen vor

Wer Geld auf Tageskonten anlegt, sollte die Konditionen vorher gut berechnen.
Wer Geld auf Tageskonten anlegt, sollte die Konditionen vorher gut berechnen.
Foto: Getty Images
Was wir bereits wissen
Studie zeigt: Seit der Finanzkrise haben die Deutschen ihre Tagesgeld-Einlagen mehr als verdoppelt – obwohl die Zinsen Richtung Null gerutscht sind.

Essen.. Die Zinsen verharren seit Monaten auf einem historischen Tief zum Ärger der kleinen Sparer, gleichzeitig feierten die Aktienmärkte in Deutschland zuletzt Rekord um Rekord. Seit Jahresbeginn hat der Dax rund 2300 Punkte zugelegt, trotz jüngster Korrekturen nach unten ist das ein sattes Plus von etwa 25 Prozent seit Anfang Januar. Am Verhalten der vor allem auf Sicherheit bedachten deutschen Privatanleger hat das nichts geändert. Die Börsen verzeichnen keine nennenswerten Zugänge von Privatanlegern. Stattdessen parken die Deutschen mehr Geld denn je auf Tagesgeldkonten – der Minizinsen zum Trotz.

Finanzkrise hat Ängste verstärkt

Das zeigt eine Studie des Düsseldorfer Finanzexperten Udo Keßler, die dieser Redaktion vorliegt. „Es ist schon paradox“, sagt Keßler, „die Zinssätze für Tagesgeld sinken seit Jahren massiv. Dennoch werden die täglich verfügbaren Konten bei den Bundesbürgern immer beliebter.“ Eine Ursache dafür vermutet er in der Finanzkrise, die offenbar die ohnehin auf Sicherheit bedachten deutschen Anleger noch risikoscheuer gemacht hat. Keßler untersuchte deshalb die Entwicklung der Tagesgeldkonten seit dem Ausbruch der Krise im September 2008.

Finanzen Das Ergebnis: „Seit 2008 haben sich die Guthaben auf den Tagesgeldkonten der Arbeitnehmer, Beamten, Ruheständler und Hausfrauen in Deutschland mehr als verdoppelt – von 207 Milliarden Euro auf aktuell 436 Milliarden Euro.“ Dies, obwohl im gleichen Zeitraum die Zinssätze nahezu kontinuierlich gesunken sind – von 3,49 Prozent im Schnitt auf 0,47 Prozent Mitte Mai 2015. Keßler hat dafür den Tagesgeldindex der FMH-Finanzberatung herangezogen.

Hohe Sicherheit in Kombination mit großer Flexibilität

Bei der Berechnung der Anlagesummen stützt sich Keßler auf eine Umfrage unter Banken, die er mit der FMH durchgeführt hat. Demnach machen Guthaben auf privaten Tagesgeldkonten rund 53 Prozent der Sichteinlagen aus – die anderen 47 Prozent liegen auf privaten Girokonten. Insgesamt belaufen sich die Sichteinlagen der Privatpersonen laut Bundesbank derzeit auf 822 Milliarden Euro.

Laut Keßler suchen die meisten Anleger seit Ausbruch der Finanzkrise eine hohe Sicherheit in Kombination mit einer großen Flexibilität – beides bieten Tagesgeldkonten. Zum anderen mangele es „an lukrativeren Alternativen, die genauso sicher sind.“ So weise etwa die Hälfte der börsennotierten Bundeswertpapiere bereits negative Renditen auf, der Sparer müsste für seine Anlage also noch draufzahlen.

Finanzen Minuszinsen gibt es bei den Tagesgeldkonten für die üblichen vier- und fünfstelligen Anlagebeträge zwar bisher nicht. Aber laut Keßler bietet jedes vierte Geldhaus mit deutscher Einlagensicherung seinen Bestandskunden nur noch 0,05 Prozent oder weniger (Stand: 18. Mai 2015). Der niedrigste Zins liegt derzeit bei 0,01 Prozent (Sparda-Bank Berlin, Vereinigte Volksbank Münster), gefolgt von der Commerzbank mit 0,02 Prozent. Weitere 16 der 70 verglichenen Institute zahlen mit 0,05 Prozent nur exakt soviel, wie sie der EZB als Leitzins für frisches Kapital zahlen müssten.

Treue Kunden gewinnen ebenfalls

Trotz der ebenfalls extrem niedrigen Inflationsrate – in NRW lag sie im April bei 0,3 Prozent – verliert das Tagesgeld dieser Kunden derzeit sogar an Wert. Doch das muss nicht sein: Bei der ING-Diba gibt es aktuell für Tagesgeld-Bestandskunden immerhin 0,6 Prozent, bei der PSD Bank Rhein-Ruhr, der 1822direkt und der Santander Consumer Bank 0,5 Prozent. Der Durchschnitt ausgewählter Geldhäuser liegt laut FMH-Index für Tagesgeld aktuell bei 0,47 Prozent, wobei in diesen Wert auch befristete Lockangebote für Neukunden einfließen.

Ein aufwendiges Tagesgeld-Hopping zum jeweils besten Anbieter ist laut Keßler aber nicht zwingend, um auch langfristig gute Zinsen zu erhalten. Er hat dafür die Renditen für Bestandskunden ermittelt, die ihrer Bank in den vergangenen zwölf Jahren treu geblieben sind. Wer dabei auf eines der vier Geldhäuser gesetzt hat, die im gesamten Zeitraum Jahr für Jahr überdurchschnittliche Zinsen zahlten, kam mit ursprünglich angelegten 10.000 Euro von Anfang 2003 bis Ende 2014 auf ein Plus von 535 bis 816 Euro gegenüber durchschnittlich verzinsten Tagesgeldkonten.