Gelbe Karte für den Vorstand

Frankfurt..  Harsche Kritik, Buhrufe und Pfiffe, vereinzelte Rücktrittsforderungen und der Antrag auf Nicht-Entlastung: Anshu Jain und Jürgen Fitschen, die Co-Vorstandschefs der Deutschen Bank mussten auf der Hauptversammlung heftige Attacken der rund 5000 Aktionäre über sich ergehen lassen. Der von vielen Beobachtern erwartete Aufstand blieb zwar aus, allerdings zeigten die Aktionäre dem Vorstandsduo die gelbe Karte. Jain und Fitschen wurden lediglich mit jeweils 61% entlastet. Üblich sind sonst Werte von 90% und mehr.

Rügen gab es für Fitschen und Jain auch von Aufsichtsratschef Paul Achleitner. „Die Leistung des Vorstandes ist durchwachsen“. Die beiden Vorstandschefs räumten nur ansatzweise Versäumnisse ein und gaben sich optimistisch, dass spätestens 2020 zum 150-jährigen Jubiläum der Deutschen Bank beim größten deutschen Geldhaus alles besser sein werde als heute. „Wir sind sehr zuversichtlich, dass wir die ersten 150 Jahre mit Ergebnissen abschließen werden, die dieses großartigen Unternehmens würdig sind“, so Fitschen. Achleitner betonte, der Aufsichtsrat nehme seine Kontrollfunktion vor allem auch im Blick auf Rechtsverstöße sehr ernst und schrecke vor disziplinarischen Schritten nicht zurück. Das nehme aber Zeit in Anspruch. „Allerdings ist der Aufsichtsrat kein Scherbengericht“.

Der Aufsichtsratschef bedankte sich beim scheidenden Privatkunden-Vorstand Rainer Neske, der zu Wochenbeginn seinen Rückzug angekündigt hatte, für dessen 25-jährige Tätigkeit für die Bank und erklärte zugleich, dass „Richtungskämpfe im Vorstand jetzt der Vergangenheit angehören“.

Fünf Sätze auf Deutsch

Jain, dessen Position das Kontrollgremium mit der alleinigen Übertragung der Verantwortung für Strategie und Organisationsentwicklung nachhaltig gestärkt hatte, und Fitschen versuchten, den Aktionären deutlich zu machen, dass sie die Bank seit ihrem Amtsantritt vor drei Jahren sicherer, ausgewogener und kapitalkräftiger aufgestellt und die Kosten massiv gesenkt hätten.

Auch den Kulturwandel hätten sie eingeleitet. „Das Thema liegt uns sehr am Herzen“, sagte Jain, der nur zur Begrüßung fünf Sätze auf Deutsch und von einem „sehr wichtigen Tag für die Bank“ sprach, dann aber ins Englische wechselte. Das Verhalten Einzelner habe den Ruf der Deutschen Bank stark beschädigt. „Wir sind entsetzt und ziehen Konsequenzen“. Die Beilegung der Rechtsstreitigkeiten sei aber langwieriger und viel kostspieliger als erwartet. Für Jain und Fitschen sind die Milliardenstrafen kein Grund zum Rücktritt. „Das Beste, was Anshu und ich tun können, ist die Bank nach vorne zu bringen. Unsere Mission ist längst nicht zu Ende“, sagte Fitschen. Der Applaus der Aktionäre hielt sich in Grenzen.

Lobende Worte bekamen die beiden Banker nicht zu hören. Klaus Nieding von der Deutschen Schutzvereinigung für Wertpapierbesitz (DSW) nannte die zahlreichen Strafen „einen direkten Schlag in das Gesicht der Aktionäre“. Stattdessen verbreiteten Fitschen und Jain seit Jahren nur Jubelmeldungen.