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„Geht nicht, gibt’s nicht“

15.12.2011 | 19:10 Uhr
„Geht nicht, gibt’s nicht“

Krefeld.   Wilhelm Költgen aus Krefeld hat nur eine Hand, rüstet aber Fahrzeuge für Behinderte um. Er ist Träger des „Initiativpreises NRW 2011“

Das Gefühl, mit zehn Fingern durchs Leben zu kommen, kennt Wilhelm Költgen nicht. Er kam mit nur einer Hand auf die Welt. Das Schicksal wollte es, dass er auch sein Berufsleben in den Dienst behinderter Menschen stellt. Költgen rüstet Fahrzeuge um, damit sie auch Leute mit Handicap bedienen können.

„Geht nicht, gibt’s nicht“ – mit dieser Philosophie ist Wilhelm Költgen aufgewachsen. Die „harte Schule der Eltern“, die er durchlebt hat, prägte ihn schon als Kind. „Ich habe alles ausprobiert um zu sehen, was ich kann“, erinnert sich Költgen. Mit 14 Jahren schraubte er an seinem Mofa herum. Und es klappte – auch mit nur einer Hand.

1993 wagte der Motorrad-Fan den Schritt in die Selbstständigkeit und machte mit der Költgen GmbH sein Hobby zum Beruf. Inzwischen gehört er mit seiner Krefelder Werkstatt und seinen drei Mitarbeitern zu den größten Fahrzeug-Umrüstern. Doch nicht nur Költgens unternehmerische Leistung überzeugte die Jury, ihm den von WGZ Bank und WR ausgeschriebenen „Initiativpreis NRW 2011“ zu verleihen.

Für Wilhelm Költgen ist auch soziales Engagement eine Selbstverständlichkeit. Als Behinderter kann er sich in Menschen hineinversetzen, die nach einem Schlaganfall halbseitig gelähmt sind, die wegen einer Zuckerkrankheit einen Fuß amputiert bekamen oder bei einem Unfall einen Arm verloren. „Viele sind traumatisiert. Da muss man schon in die Psyche der Menschen einsteigen“, sagt Költgen.

Mit seiner direkten Art gelingt ihm das. Viele Behinderte melden sich bei ihm. Denn sie müssen ihre Fahrzeuge umrüsten lassen. Költgen hilft ihnen nicht nur technisch. „Man muss Normalität in ihr Leben bringen. Sie dürfen nicht ausgegrenzt werden“, ist der Unternehmer überzeugt. Und so unterstützt er Behinderten, den Führerschein neu zu machen, organisiert Ski-Freizeiten und Motorradtouren, an denen Menschen mit ohne Handicap teilnehmen.

Fahrzeuge können auch von Nicht-Behinderten gefahren werden

Das Telefon in der Krefelder Werkstatt steht nicht still. Költgen nimmt sich Zeit für seine Kunden. Jeder Fall ist anders. Bei der Umrüstung der Fahrzeuge achtet er darauf, dass sie am Ende auch von Nicht-Behinderten gefahren werden können. Aufträge bekommt das Unternehmen aus ganz Deutschland.

Ob Lenkraddrehknöpfe, Handbediengeräte für Gas und Bremse oder schwenkbare Sitze für Rollstuhlfahrer – jede Umrüstung ist individuell. Art und Größe des Fahrzeugs spielen keine Rolle: Költgen baut Fahr- und Motorräder um. Er hatte aber auch schon einen Panzer auf dem Hof, Radlader und Müllfahrzeuge. Denn viele Behinderte gehen einem Beruf nach.

Die Umrüstexperten trauen sich aber auch an Ferraris und Maseratis heran. „Wir machen alles möglich“, sagt Költgen. In diesen Tagen steht auch eine Harley Davidson in der Werkstatt. Hinter all dem Chrom versteckt sich eine rührende Geschichte: Die Maschine erhält am Heck einen Stahlträger für einen Rollstuhl. Der Fahrer will seine Frau, die an Multipler Sklerose erkrankt ist, bei seinen Spritztouren dabei haben. Sie sitzt mit ihm auf dem Sattel, der Rollstuhl reist zusammengeklappt mit.

Frank Meßing

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2011-12-15 19:10
Wirtschaft