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Studie

Gefahr durch Quecksilber aus Kohlekraftwerken

04.01.2016 | 06:40 Uhr
Gefahr durch Quecksilber aus Kohlekraftwerken
Das stillgelegte Eon-Kohlekraftwerk in Datteln würde als einziges in Deutschland strengere Quecksilber-Obergrenzen einhalten.Foto: Hans Blossey

Essen.   Deutsche Kohlekraftwerke stoßen jährlich sieben Tonnen Quecksilber aus. Grüne fordern schärfere Grenzwerte wie in USA. Diese erfüllt allein der Eon-Block in Datteln.

Stein- und Braunkohlekraftwerke schädigen nicht nur das Klima, sie stoßen auch gesundheitsschädliche Gifte wie Quecksilber aus. Nach einer Studie, die die Grünen-Bundestagsfraktion in Auftrag gegeben hat und die dieser Zeitung vorliegt, bliesen die 53 deutschen Kohlemeiler im Jahr 2013 rund sieben Tonnen Quecksilber aus. „Es ist technisch möglich, den Quecksilberausstoß von Kohlekraftwerken zu reduzieren, das muss endlich passieren“, fordert der Grünen-Fraktionsvize Oliver Krischer.

Wie wirkt sich Quecksilber auf die menschliche Gesundheit aus?

Methylquecksilber, das bei der Kohleverstromung und der Goldgewinnung entsteht, führt bei Ungeborenen und Kleinkindern zu Schäden bei der Gehirnausbildung und kann zu verminderter Intelligenz führen. Bei Erwachsenen wurden in Studien, auf die sich das von den Grünen beauftragte Institut für Ökologie und Politik Ökopol bezieht, Nervenschädigungen, erbgutverändernde Wirkungen und Krebsverdacht nachgewiesen.

Wie gelangt Quecksilber in den menschlichen Körper auf?

Das Gift nehmen insbesondere Fische auf. Laut Ökopol werden immer häufiger lebensmittelrechtliche Grenzwerte im Schwertfisch, Thunfisch, Aal und anderen größeren Fischen, die auf unserem Speisezettel stehen, überschritten.

Wie hoch ist die Belastung?

Ökopol hat errechnet, dass im Jahr 2013 in Deutschland rund zehn Tonnen Quecksilber in die Atmosphäre gelangt sind. Davon entfielen sieben Tonnen auf Kohlekraftwerke. Das entspricht ungefähr der Menge Quecksilber, die in 3,5 Millionen Energiesparlampen enthalten ist. Die weitaus größte Belastung geht von Braunkohlekraftwerken aus. Signifikante Emissionen gibt es aber auch aus Steinkohlemeilern – vornweg Gelsenkirchen-Scholven (Eon), Voerde und Duisburg-Walsum (beide Steag).

Wie können die Quecksilber-Emissionen reduziert werden?

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Moderne Filtertechnik könne helfen, rund 85 Prozent der Giftwerte großer Braun- und Steinkohlekraftwerke zu vermeiden, meinen die Hamburger Forscher. „Alles andere ist gesundheits- und umweltpolitisch grob fahrlässig“, sagte der Grünen-Fraktionsvize Oliver Krischer. „Deutschland ist mit Griechenland und Polen der traurige Spitzenreiter bei der Quecksilberfreisetzung in Europa.“ Der Politiker forderte die Bundesregierung auf, ähnlich strenge Emissionswerte wie in den USA einzuführen.

Welche Konsequenzen hätte die Einführung strengerer Grenzwerte?

Würde Deutschland bei Quecksilber das US-Regelwerk anwenden, dürfte nach Einschätzung der Grünen allein das Eon-Kraftwerk Datteln, dessen Baustelle immer noch stillgelegt ist, betrieben werden. Alle anderen 53 Meiler, die derzeit am Netz sind, würden die strengeren Grenzwerte überschreiten.

Wie reagiert die Bundesregierung?

In Deutschland ist eine Grenzwertbegrenzung für 2019 geplant. Umweltministerin Barbara Hendricks (SPD) wies die Kritik der Grünen zurück. „Deutschland hat sich bei der Neuregelung für niedrige EU-Grenzwerte eingesetzt, auch gegen die Vorbehalte unserer EU-Partner, die nicht alle bereit waren, die Quecksilberemissionen zu senken und zu überwachen“, sagte sie der „Welt“.

Frank Meßing

Kommentare
05.01.2016
16:22
Gefahr durch Quecksilber aus Kohlekraftwerken
von beobachter4711 | #16

Ehrlich gesagt finde ich die millionen täglich weggeworfenen Plastiktüten und Einmalkaffebecher viel schlimmer. Auch sie belasten die Umwelt. War da...
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1 Antwort
Gefahr durch Quecksilber aus Kohlekraftwerken
von haralemm | #16-1

Gesundheitsschädigende Umweltsünden bleiben gesundheitsschädigende Umweltsünden, da gibt es kein "viel schlimmer".

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Gefahr durch Quecksilber aus Kohlekraftwerken
Gefahr durch Quecksilber aus Kohlekraftwerken
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http://www.derwesten.de/wirtschaft/gefahr-durch-quecksilber-aus-kohlekraftwerken-id11425201.html
2016-01-04 06:40
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