Gaspreise in Deutschland sollen flexibler werden
20.02.2010 | 13:50 Uhr 2010-02-20T13:50:00+0100
Essen.Die Gaspreise in Deutschland sollen künftig flexibler sein. Bisher hingen die Gaspreise vom Ölpreis ab. Dieses Prinzip will Marktführer Ruhrgas nun aufgeben. Für einen Großteil der Gaslieferungen bleibt es dennoch bei der alten Regelung.
Der Marktführer auf dem deutschen Gasmarkt, die Essener Eon-Tochter Ruhrgas, gibt die seit längerem von Politik und Verbrauchern kritisierte strikte Bindung der Gaspreise an die Ölnotierungen auf. Nach bereits abgeschlossenen Verhandlungen mit Erdgaslieferanten aus Norwegen und den Niederlanden steht jetzt eine Vereinbarung mit der russischen Gazprom vor dem Abschluss, bestätigte ein Ruhrgas-Sprecher der NRZ.
Nach Brancheninformationen werden künftig zehn bis 15 Prozent der Gasimporte aus Russland auf der Basis aktueller Spotnotierungen abgerechnet. Der Rest bleibt bei der herkömmlichen Bindung an die Ölpreise.
„Angebote anpassen“
Ruhrgas-Kunden -- vor allem Stadtwerke, Industrieunternehmen und Kraftwerke -- können damit rechnen, dass künftig ein größerer Teil ihrer Gasbezüge auf der Basis aktueller Marktpreise geliefert und abgerechnet wird. Ruhrgas-Sprecher Kai Krischnak bestätigte: „Wir werden unsere Angebote an die Kunden anpassen.“
Ob die neuen Preisklauseln sich kurzfristig und spürbar auf die Verbraucherpreise auswirken, ist unklar. Gazprom und Eon Ruhrgas haben sich zunächst nach monatelangen Verhandlungen nur auf Eckpunkte eines neuen Lieferabkommens geeinigt. Ein Termin für die endgültige Unterzeichnung der neuen Verträge steht noch nicht fest. In einem zweiten Schritt muss Eon Ruhrgas das neue Preissystem in die Verträge mit den inländischen Abnehmern übertragen.
Derzeit stehen die Gaspreise infolge der Wirtschaftskrise weltweit unter Druck. Die drastisch gestiegene Gasförderung aus unkonventionellen Quellen, vor allem Kohlegas aus den USA, sorgt für zusätzliche Angebote auf einem sich stark entwickelnden internationalen Gasmarkt. Immer mehr Gas wird in gekühltem und verflüssigtem Zustand per Schiff transportiert. Dieses Flüssigerdgas (LNG) kann weltweit gehandelt werden und bestimmt die Gaspreise an den Spotmärkten. Deutschland hat noch keinen eigenen Anlandeterminal und ist weiterhin auf die Erdgaslieferungen per Pipeline aus der Nordsee und Russland angewiesen.
Mit der Vereinbarung von „Spotscheiben“ passt sich Eon Ruhrgas dem internationalen Gasmarkt an. Hält der Marktdruck an, könnte dies auch in Deutschland zu sinkenden Preisen führen, glaubt Manfred Scholle. Der Vorstands-Chef der Gelsenwasser AG, dem größten regionalen Gasanbieter an Rhein und Ruhr und Mutter der am Niederrhein starken NGW, sagte der NRZ: „Wenn die Abkehr von der Ölpreisklausel dazu führt, das mögliche Preissenkungen sich auch auf die Endkundenpreise auswirken, ist das zu begrüßen.“
Teil der Verhandlungen zwischen Eon Ruhrgas und Gazprom ist auch „ein zweistelliger Millionen-Betrag“, den die Eon-Tochter an den russischen Gaskonzern bezahlen muss, weil wegen der Wirtschaftsflaute weniger Gas nach Deutschland geflossen ist, als vertraglich vereinbart war. Nach internationalen Gepflogenheiten müssen Gasimporteure wie Eon Ruhrgas auch für Gas bezahlen, dass sie zwar eingekauft aber nicht abgenommen haben. Diese „Take-or-Pay“-Klauseln schützen die gasfördernden und transportierenden Unternehmen vor drastischen Nachfrage-Einbrüchen.
Gazprom wird Eon Ruhrgas aber erlauben, das im vergangenen Jahr nicht benötigte Gas in den kommenden Jahren abzunehmen und die jetzt anfallende Vertragsstrafe zurückerstatten, vorausgesetzt, der Gasverbrauch steigt wieder deutlich an.

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