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Garrelt Duin, der Unsichtbare

20.01.2015 | 00:12 Uhr

Düsseldorf. Als das NRW-Wirtschaftsministerium Ende 2013 ins Düsseldorfer Vodafone-Hochhaus umzog, rief Minister Garrelt Duin (SPD) zu einem Namens-Wettbewerb auf. Der einst von Mannesmann in Auftrag gegebene berühmte 50er-Jahre-Koloss am Rhein sollte als neuer Blickfang der Landesregierung erkennbar werden. Inzwischen wird in Wirtschaftskreisen gespöttelt, „Zur Schönen Aussicht“ sei ein angemessener Name – von Besuchen bei Duin bleibe allenfalls das Panorama seines Bürofensters im 20. Stock in Erinnerung.

Vorschusslorbeer für den Friesen

Duin, ein hochgewachsener Ostfriese von 1,96 Meter, wurde 2012 beim Wechsel nach NRW mit viel Vorschusslorbeer bedacht. Endlich hatte Ministerpräsidentin Kraft (SPD) jemanden gefunden, den man bei Konzernchefs und Mittelständlern auf jedes Podium schicken konnte. Smarter Jurist. Ex-Bundestags- und Europaabgeordneter. Vormaliger Chef der SPD-Konservativen im Seeheimer Kreis. Rhetorisch beschlagen. Leutselig. Doch als zuletzt die Halbzeitbilanzen zur Mitte der Amtszeit erschienen, erhielt Duin schwache Noten. Was läuft schief?

Die Ministerpräsidentin findet derlei Bewertungen ungerecht, da ihr Wirtschaftsminister pausenlos unterwegs sei. Vorträge bei Kammern, Empfängen, Verbänden. Tatsächlich nimmt Duin allerlei Repräsentationstermine zwischen Höxter und Heinsberg wahr. In Düsseldorf werden sie leicht übersehen. Umso mehr fällt auf, wo der 47-Jährige fehlt und wozu er wenig bis gar nichts sagt. Duin, der mit einer Essenerin verheiratet ist und privat im Ruhrgebiet angekommen wirkt, scheint die Empfindsamkeiten der Unternehmenslandschaft an Rhein und Ruhr bisweilen zu unterschätzen.

So setzt in Managerkreisen sofort ein Raunen ein, wenn Duin aus Krankheitsgründen kurzfristig ei­nen wichtigen Empfang in Köln oder wie zuletzt einen Flug mit dem Thyssen-Krupp-Vorstand in die Arabischen Emirate absagt.

Fragen provoziert sein Terminmanagement, wenn er sich zu einer hochkarätigen Diskussionsrunde im Duisburger Museum Küppersmühle so lange bitten lässt, bis die einflussreichen Veranstalter verärgert Oppositionsführer Armin Laschet (CDU) die Bühne für harsche Kritik an Rot-Grün überlassen.

Bei der Universität Duisburg-Essen herrscht Unverständnis, weil Duin eine Einladung zu einer Veranstaltung mit Daimler-Chef Dieter Zetsche ignoriert habe. Immerhin stehen im Mercedes-Werk Düsseldorf Arbeitsplätze auf dem Spiel.

Im Wirtschaftsministerium mäkeln langgediente Mitarbeiter, Duin sei in den zentralen politischen Schlachten zu unsichtbar. Tatsächlich besitzt bei Großthemen wie Energiewende, Zukunft der Kohle, Klimaschutzplan oder Landesentwicklungsplan oft der gewiefte grüne Umweltminister Johannes Remmel die Deutungshoheit.

Kampf um ein Flohmarktgesetz

Duin ringt dagegen mit Kleinkram wie einem Flohmarktgesetz, das er vor nunmehr eineinhalb Jahren angekündigt hat. Es soll den Neuwaren-Verkauf auf Trödelmärkten eindämmen, wird aber vom grünen Koalitionspartner abgelehnt. Doch Duin ließ vor Weihnachten einen Gesetzentwurf schreiben und will ihn durchs Kabinett bringen.

Tobias Blasius

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Garrelt Duin, der Unsichtbare
Garrelt Duin, der Unsichtbare
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