Fusion von O2 und E-Plus kostet 1600 Jobs

In der Zentrale des Mobilfunk-Anbieters E-Plus in Düsseldorf sind viele Stellen gefährdet.
In der Zentrale des Mobilfunk-Anbieters E-Plus in Düsseldorf sind viele Stellen gefährdet.
Foto: dpa
Was wir bereits wissen
Die Muttergesellschaft Telefónica Deutschland kündigt nach dem Zusammenschluss einen drastischen Stellenabbau bis 2018 an, auch am Standort Düsseldorf. Die Gewerkschaft Verdi befürchtet darüber hinaus auch die Auslagerung der Callcenter.

Essen.. Was der Zusammenschluss von O2 und E-Plus mit den Preisen der Kunden machen wird, ist für Verbraucher und Wettbewerbshüter sicher die spannendste Frage dieser Mega-Fusion auf dem deutschen Mobilfunkmarkt. Die mehr als 10 000 Beschäftigten des neuen deutschen Marktführers fragen sich zunächst aber etwas ganz anderes: Behalte ich meinen Job? Seit gestern steht fest, dass fast jeder Fünfte am Ende dieser Fusion nicht mehr dabei sein wird. In NRW müssen vor allem die Mitarbeiter der E-Plus-Zentrale in Düsseldorf um ihre Arbeitsplätze bangen.

Die Muttergesellschaft Telefónica Deutschland kündigte gestern an, 1600 der aktuell 9100 Vollzeitstellen bis 2018 zu streichen. Da sowohl bei Telefónica (O2) als auch bei E-Plus viele Beschäftigte in Teilzeit arbeiten, könnten hochgerechnet rund 2000 Mitarbeiter betroffen sein. Telefónica erklärte: „Hier geht es vor allem um die Streichung von Doppelfunktionen.“ Massiv Kosten zu sparen, ist schließlich der Zweck dieser Fusion. Als Zielmarke der Synergien nennt Telefónica fünf Milliarden Euro.

Arbeitsmarkt Da es vor allem in den beiden Zentralen – O2 in München und E-Plus in Düsseldorf – Überschneidungen gibt, dürften dort die meisten Stellen wegfallen. Telefónica kündigte ein Abfindungsprogramm an, um betriebsbedingte Kündigungen „soweit möglich“ zu verhindern. Daran hat die Gewerkschaft Verdi jedoch große Zweifel. „Die Belegschaft ist jünger als etwa bei der Telekom. Dass 1600 Mitarbeiter freiwillig gehen, halte ich für schwer vorstellbar, da es für sie in diesem sich konsolidierenden Markt nicht so leicht sein wird, eine neue Stelle zu finden“, sagte Christoph Heil dieser Zeitung, der bei Verdi Telefónica betreut und auch im Aufsichtsrat sitzt.

Verdis Befürchtungen gehen aber viel weiter. Die größte Sorge bereitet der Gewerkschaft die Ankündigung des Konzerns, „weitere Partnerschaften im Bereich Vertrieb und Kundenservice“ eingehen zu wollen. „Wenn etwa die Callcenter an externe Dienstleister ausgelagert würden, wäre das verheerend für Mitarbeiter wie Kunden“, sagt Heil. Den Beschäftigten drohe eine noch schlechtere Bezahlung, den Kunden schlechterer Service. „Gerade nach einer solchen Markenzusammenführung wäre es aber enorm wichtig, den Kundenservice im Konzern zu halten.“

Manche Billigmarke dürfte wegfallen

Mögliche Auslagerungen sind in den 1600 Stellen noch nicht enthalten. Insofern passt Verdis Warnung in der Tendenz zu Spekulationen aus dem Umfeld des Unternehmens, insgesamt könne jede zweite Stelle gefährdet sein, wie etwa das „Manager Magazin“ berichtet.

Offen ist auch, wie es mit den einzelnen Marken weitergeht. Mit O2 und E-Plus hat der neue Riese zwei Premiummarken, ob etwa E-Plus als Marke verschwindet, ist offen. Als sicher gilt Marktbeobachtern, dass einige der vielen Billigmarken verschwinden werden. O2 ist vor allem mit Fonic präsent, E-Plus mit diversen Marken wie Base, Yourfone, Simyo, Blau und Ortel. Das sind reichlich viele für einen Anbieter. Beide haben auch eine Marke für türkische Kunden (O2 mit Türk Telecom und E-Plus mit Ay Yildiz), eine davon dürfte wegfallen.

Telefónica hat im vergangenen Jahr seinen Rivalen E-Plus für rund 8,5 Milliarden Euro übernommen. Wirksam ist die Fusion nach Zustimmung der Wettbewerbsbehörden seit 1. Oktober. Gemeinsam haben sie nun rund 47 Millionen Kunden und damit T-Mobile und Vodafone als Nummer eins in Deutschland überholt.