Für die Opelaner in Bochum bleibt ein Fünkchen Hoffnung

Das Opel-Werk in Bochum.
Das Opel-Werk in Bochum.
Foto: afp
Was wir bereits wissen
Keine Schließung schon Ende 2014, dafür droht das Aus für das Opel-Werk in Bochum nun 2017. Am Tag nach der Verkündung ist die Stimmung gedrückt bis kämpferisch, wie die Reaktionen von Mitarbeitern, Politikern und Autoexperten zeigen.

Bochum.. Opel Bochum behält die Zafira-Produktion. Das war die gute Nachricht für die Bochumer, als die Opel-Geschäftsführung und Arbeitnehmervertreter am Mittwochabend ihren Deutschland-Plan für den angeschlagenen Autobauer vorstellten. Aber die schlechte folgte zugleich: Wenn der Zafira ausläuft, soll das Werk Bochum kein neues Modell mehr bekommen. Das wäre Ende 2016 der Fall. Dann droht das Aus für das Werk also ab 2017.

Die Schließung käme damit zwei Jahre später als bislang befürchtet. Ob die Opelaner in Bochum ob der verlängerten Gnadenfrist nun durchatmen oder aufgeben? Zu häufig jedenfalls haben sie in den vergangenen Jahren schon das Damoklesschwert über ihren Arbeitsplätzen gespürt. Warum sollte es diesmal endgültig sein?

Opelaner zwischen Hoffnung und Resignation

Bislang zumindest war der Standort immer mit einem blauen Auge davon gekommen. "Die Pläne ändern sich doch ständig. Erst mal abwarten", sagt einer der Opelaner am Morgen und verschwindet durch das Drehkreuz in Richtung Werk. Ein Kollege sieht es ähnlich: "Ich bin froh, dass es jetzt erst einmal weitergeht. Was danach kommt, wird man sehen.“ Die meisten der Opel-Leute gehen an diesem Morgen jedoch wortlos an den Reportern vorüber – viele sind es mittlerweile leid, die Fragen nach ihren Hoffnungen, Ängsten, Gefühlen zu beantworten. Die kämpferische Stimmung ist schon längst der Resignation gewichen.

[kein Linktext vorhanden] Die Politik in NRW will das Aus nicht einfach akzeptieren und gibt sich fordernd. Das muss sie auch. Schließlich hängen an dem Werk nicht nur 3200 direkte Arbeitsplätze. Nach Schätzungen der IG Metall sind landesweit insgesamt rund 40.000 Stellen vom Bochumer Opel-Werk abhängig.

Noch am Abend ließ Ministerpräsidentin Hannelore Kraft deshalb verkünden: "Mit der jetzigen Bestandsgarantie bis Ende 2016 und dem Ausschluss betriebsbedingter Kündigungen ist wertvolle Zeit gewonnen." Opel müsse diese Zeit nutzen, um eine Wachstumsstrategie umzusetzen. Ähnlich äußerte sich Wirtschaftsminister Harry Voigtsberger: Opel braucht Ideen und Wachstum, keine kurzzeitigen Sparkonzepte in Serie.“

Oberbürgermeisterin appelliert an Opel

Oberbürgermeisterin Ottilie Scholz (SPD) ist ebenfalls zwiegespalten. Zunächst könnten die Opel-Beschäftigten in Bochum einmal durchatmen. Allerdings weiß auch sie, dass die Lage ernst ist, die Schließung wohl nur aufgeschoben: "Die Stadt Bochum erwartet deshalb, dass in den anstehenden Gesprächen auch eine langfristige und tragfähige Perspektive für das Bochumer Opelwerk entwickelt wird." Ihr Appell an das Unternehmen: "Es sollte für Opel doch möglich sein, bei einer Produktoffensive mit 23 neuen Modellen, 13 neuen Motoren und Getrieben eine Nachfolgeproduktion für den Zafira nach Bochum zu vergeben. Alles andere wäre für mich in diesem, dem 50. Jubiläumsjahr von Opel in Bochum, unverständlich und nicht akzeptabel."

"Eine Ohrfeige für die Beschäftigten"

Helmut Diegel, Hauptgeschäftsführer der IHK Mittleres Ruhrgebiet, wird deutlicher: "Das ist eine Ohrfeige für die Beschäftigten von Opel und für die Region, aber wir stecken den Kopf nicht in den Sand. Jetzt heißt es Ärmel hochkrempeln und den GM-Bossen in den nächsten vier Jahren zu beweisen, dass es Opel und damit GM betriebswirtschaftlich schadet, Bochum dicht zu machen.

Aber wie groß ist die Chance, dass auch nach 2016 weiter Opel-Fahrzeuge in Bochum vom Band laufen? Der Autoexperte Ferdinand Dudenhöffer von der Uni Duisburg-Essen ist skeptisch: „Sie ist hauchdünn“, sagte er gegenüber der WAZ-Mediengruppe. Nur wenn sich der Markt in Europa erhole und Opel wieder mehr Marktanteile gewinne, könne das ein Umdenken in der Führungsspitze von General Motors bewirken. Auch der Bau von Chevrolets, so wie es GM plant, könnte dem Opel-Werk im Ruhrgebiet helfen.

Autoexperte sieht nur noch hauchdünne Chance für Bochum

Allerdings warnt Dudenhöffer vor allem die Politik davor, jetzt wie die Schlange vor dem Kaninchen zu sitzen, und zu hoffen. „Es bringt nichts, sich an Opel zu klammern.“ Stattdessen müsse die Landesregierung von Hannelore Kraft an Alternativen arbeiten. „Wir brauchen eine Industriepolitik, sonst sieht es für die Zukunft des Ruhrgebiets düster aus.“ (mit tb, dapd)