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Für die Opelaner in Bochum bleibt ein Fünkchen Hoffnung

14.06.2012 | 14:40 Uhr
Das Opel-Werk in Bochum.Foto: afp

Bochum.  Keine Schließung schon Ende 2014, dafür droht das Aus für das Opel-Werk in Bochum nun 2017. Am Tag nach der Verkündung ist die Stimmung gedrückt bis kämpferisch, wie die Reaktionen von Mitarbeitern, Politikern und Autoexperten zeigen.

Opel Bochum behält die Zafira-Produktion. Das war die gute Nachricht für die Bochumer, als die Opel-Geschäftsführung und Arbeitnehmervertreter am Mittwochabend ihren Deutschland-Plan für den angeschlagenen Autobauer vorstellten. Aber die schlechte folgte zugleich: Wenn der Zafira ausläuft, soll das Werk Bochum kein neues Modell mehr bekommen. Das wäre Ende 2016 der Fall. Dann droht das Aus für das Werk also ab 2017.

Die Schließung käme damit zwei Jahre später als bislang befürchtet. Ob die Opelaner in Bochum ob der verlängerten Gnadenfrist nun durchatmen oder aufgeben? Zu häufig jedenfalls haben sie in den vergangenen Jahren schon das Damoklesschwert über ihren Arbeitsplätzen gespürt. Warum sollte es diesmal endgültig sein?

Opelaner zwischen Hoffnung und Resignation

Bislang zumindest war der Standort immer mit einem blauen Auge davon gekommen. "Die Pläne ändern sich doch ständig. Erst mal abwarten", sagt einer der Opelaner am Morgen und verschwindet durch das Drehkreuz in Richtung Werk. Ein Kollege sieht es ähnlich: "Ich bin froh, dass es jetzt erst einmal weitergeht. Was danach kommt, wird man sehen.“ Die meisten der Opel-Leute gehen an diesem Morgen jedoch wortlos an den Reportern vorüber – viele sind es mittlerweile leid, die Fragen nach ihren Hoffnungen, Ängsten, Gefühlen zu beantworten. Die kämpferische Stimmung ist schon längst der Resignation gewichen.

Bedeutung von Opel Bochum

An dem 1962 eröffneten Bochumer Werk hängen Tausende weiterer Arbeitsplätze. So sind nach Schätzung der IG Metall Nordrhein-Westfalen landesweit insgesamt rund 40.000 Stellen vom Bochumer Opel-Werk abhängig. Gut 120 Zulieferer, Logistikbetriebe und Dienstleister in NRW und 470 bundesweit sind laut Gewerkschaft mit dem Bochumer Opel-Werk verbunden.

Allein in Bochum sind nach Schätzung der IG Metall rund 4.500 Stellen direkt vom Opel-Werk abhängig. Zu den 3200 Werksbeschäftigten, von denen zudem knapp die Hälfte in der Stadt auch wohnt, kommen Arbeitsplätze bei örtlichen Zulieferern sowie dem TÜV Nord, mit dem Opel ein Ausbildungszentrum in Bochum betreibt. Dazu kommen Stellen im Einzelhandel, der auch unter einem Aus zu leiden hätte.

Im Fall einer Werksschließung hält die IHK Mittleres Ruhrgebiet in Bochum in der Region einen Verlust von bis zu 20.000 Stellen für möglich. Die Kammer bezieht sich dabei auf den Erfahrungswert, dass an einem Industrie-Arbeitsplatz im Schnitt 3,8 weitere Stellen hängen.

Die Politik in NRW will das Aus nicht einfach akzeptieren und gibt sich fordernd. Das muss sie auch. Schließlich hängen an dem Werk nicht nur 3200 direkte Arbeitsplätze. Nach Schätzungen der IG Metall sind landesweit insgesamt rund 40.000 Stellen vom Bochumer Opel-Werk abhängig.

Noch am Abend ließ Ministerpräsidentin Hannelore Kraft deshalb verkünden: "Mit der jetzigen Bestandsgarantie bis Ende 2016 und dem Ausschluss betriebsbedingter Kündigungen ist wertvolle Zeit gewonnen." Opel müsse diese Zeit nutzen, um eine Wachstumsstrategie umzusetzen. Ähnlich äußerte sich Wirtschaftsminister Harry Voigtsberger: Opel braucht Ideen und Wachstum, keine kurzzeitigen Sparkonzepte in Serie.“

Oberbürgermeisterin appelliert an Opel

Oberbürgermeisterin Ottilie Scholz (SPD)  ist ebenfalls zwiegespalten. Zunächst könnten die Opel-Beschäftigten in Bochum einmal durchatmen. Allerdings weiß auch sie, dass die Lage ernst ist, die Schließung wohl nur aufgeschoben: "Die Stadt Bochum erwartet deshalb, dass in den anstehenden Gesprächen auch eine langfristige und tragfähige Perspektive für das Bochumer Opelwerk entwickelt wird." Ihr Appell an das Unternehmen: "Es sollte für Opel doch möglich sein, bei einer Produktoffensive mit 23 neuen Modellen, 13 neuen Motoren und Getrieben eine Nachfolgeproduktion für den Zafira nach Bochum zu vergeben. Alles andere wäre für mich in diesem, dem 50. Jubiläumsjahr von Opel in Bochum, unverständlich und nicht akzeptabel."

Video
Bochum, 21.05.2012: Zur Betriebsversammlung im Bochumer Opelwerk kamen außer den Mitarbeitern auch viele Menschen die Ihre Solidarität bekunden wollten.

"Eine Ohrfeige für die Beschäftigten"

Helmut Diegel, Hauptgeschäftsführer der IHK Mittleres Ruhrgebiet, wird deutlicher: "Das ist eine Ohrfeige für die Beschäftigten von Opel und für die Region, aber wir stecken den Kopf nicht in den Sand. Jetzt heißt es Ärmel hochkrempeln und den GM-Bossen in den nächsten vier Jahren zu beweisen, dass es Opel und damit GM betriebswirtschaftlich schadet, Bochum dicht zu machen.

Aber wie groß ist die Chance, dass auch nach 2016 weiter Opel-Fahrzeuge in Bochum vom Band laufen? Der Autoexperte Ferdinand Dudenhöffer von der Uni Duisburg-Essen ist skeptisch: „Sie ist hauchdünn“, sagte er gegenüber der WAZ-Mediengruppe. Nur wenn sich der Markt in Europa erhole und Opel wieder mehr Marktanteile gewinne, könne das ein Umdenken in der Führungsspitze von General Motors bewirken. Auch der Bau von Chevrolets, so wie es GM plant, könnte dem Opel-Werk im Ruhrgebiet helfen.

Opelaner streiken

Autoexperte sieht nur noch hauchdünne Chance für Bochum

Allerdings warnt Dudenhöffer vor allem die Politik davor, jetzt wie die Schlange vor dem Kaninchen zu sitzen, und zu hoffen. „Es bringt nichts, sich an Opel zu klammern.“ Stattdessen müsse die Landesregierung von Hannelore Kraft an Alternativen arbeiten. „Wir brauchen eine Industriepolitik, sonst sieht es für die Zukunft des Ruhrgebiets düster aus.“ (mit tb, dapd)

Janet Lindgens



Kommentare
15.06.2012
14:01
Für die Opelaner in Bochum bleibt ein Fünkchen Hoffnung
von barchettaverde2 | #5

Ein deutliches Zeichen von GM und ausreichend Zeit für die Beschäftigten sich neue Arbeitsplätze zu suchen. Wer sich dann nach 4,5 Jahren noch darüber beschwert das der Standort Bochum geschlossen wird hat nichts verstanden.

14.06.2012
18:00
Für die Opelaner in Bochum bleibt ein Fünkchen Hoffnung
von wohlzufrieden | #4

Das Leiden wird verlängert.

2 Antworten
Für die Opelaner in Bochum bleibt ein Fünkchen Hoffnung
von opelaner63 | #4-1

die Hoffnung bleibt!!

Aber Sie Stirbt...
von Ismet | #4-2

Die Hoffnung mag ja bleiben, aber die Quartalszahlgeilen amerikanischen Konzerne haben nur ein Ziel. Den kurzfristigen Gewinn und nichts anderes (dazu zählen die Aktienkurse und Dividenden, denn die "armen Aktionäre dürfen nicht am Hungertuch nagen").
Daher würde ich auf das Prinzip Hoffnung bei denen nicht setzen...

14.06.2012
16:49
Für die Opelaner in Bochum bleibt ein Fünkchen Hoffnung
von BlitzFritz | #3

Nur Asis fahn Opel.

1 Antwort
Für die Opelaner in Bochum bleibt ein Fünkchen Hoffnung
von opelaner63 | #3-1

tolles Argument!! voller neid auf Opel Bochum. woher kommt das??? haben Sie nicht bei Opel arbeiten können ?? oder woher kommt es?

14.06.2012
16:35
Für die Opelaner in Bochum bleibt ein Fünkchen Hoffnung
von buntspecht2 | #2

Opel braucht Wachstum wie wäre es mal mit Qualität warum kauft eigentlich niemand die Autos weil sie so gut sind oder?

14.06.2012
15:49
Quartalsgetriebener US Konzern wird nie anders handeln
von Ismet | #1

Die Opelaner sind es wohl Leid, immer zwischen Hoffen Leiden zu Leben, wie es mit dem Werk in Bochum weitergehen wird.
Eins weiss ich mit:
verfehlter Modellpolitik
Begrenzung auf den uropäischen Markt
Qualität das eher knapp untern Durchschnitt läuft
Keine Begeisterungsfähigen Modelle
Keine Innovationen
usw.
wird es mit Opel abwärts gehen.
Hinzu kommen die Quartalszahlenjäger die sich Aktienanalysten schimpfen und GM sagen wie der Laden zu laufen hat (was macht der Konzern um die Aktienkurse auf vordermann zu bringen? Mitarbeiter entlassen!)
Früher war Opel "Das Auto" und nicht VW (will ja nicht sagen das es die nicht gäbe, wenn der A.H. es nicht gewollt hätte ohne VW zu nahe zutreten).
Aber dann kamen ja jene ans Ruder die mit unterdurchschnittlicher Qualität Autos an den Mann bringen wollten, was ne gewisse Zeitlang gut ging (ich Erinnere gern an den Chefeinkäufer H. Lopez).
In diesem Sinne, abwärts mit Opel ...

2 Antworten
Für die Opelaner in Bochum bleibt ein Fünkchen Hoffnung
von opelaner63 | #1-1

manno mann, warum sind sie nicht Manager geworden??? Bei dem Wissen was sie so ablassen......... ist ja ärgerlich für Sie das Opel Bochum doch noch bleiben darf, nech?? nur nicht ärgern.-)

@opelaner63
von Ismet | #1-2

Nun wenn Sie den Text etwas aufmerksamer gelesen hätten, hätten Sie gemerkt das es nur eine Aufzählung der vielen Managementfehler war.
Ob ich Manager bin oder nicht tut hier nichts zur Sache. Es ist nur Schade das so ein Traditionsunternehmen langsam aber sicher herunter gewirtschaftet wird.
Und das geht mir auf den Zeiger, nichts anderes.
In diesem Sinne...

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