Freier Blick auf Millionen Postbank-Girokonten
26.10.2009 | 18:10 Uhr 2009-10-26T18:10:00+0100
Berlin/Bonn. Die Postbank soll Tausenden freien Handelsvertretern seit Jahren detailliert Einblicke in die Girokonten ihrer Kunden gewähren. Dies teilte die Stiftung Warentest am Montag mit. Betroffen seien auch Prominente, wie Ex-BVB-Präsident Gerd Niebaum oder Springer-Vorstand Mathias Döpfner.
Laut Stiftung Warentest können und sollen die freien Mitarbeiter der 2006 gegründeten Postbank Finanzberatung AG auf eine Datenbank zugreifen, aus der sämtliche Kontobewegungen hervorgehen. Dies geschehe auch ohne die Einwilligung der Kunden. Der Sinn der Aktion: Die Berater sollen die Postbank-Kunden anrufen, sobald ein höherer Geldbetrag auf einem Konto eingeht, um ihnen dann Geldanlagen zu verkaufen.
Nur mit Einwilligung
Der Landesbeauftragte für den Datenschutz in NRW bestätigte gegenüber der WAZ, dass es eine Reihe von Beschwerden gegen diese Praktiken der Postbank gebe. Mitte November soll es ein Gespräch zwischen den Datenschützern und Vertretern der Postbank geben. „Sollten diese sensiblen Daten tatsächlich ohne Einwilligung der Kunden einzusehen sein, dann ist das illegal”, sagte Bettina Gayk, Sprecherin des Landesdatenschutzbeauftragten, dieser Zeitung.
Der stiftungseigenen Zeitschrift Finanztest zufolge sollen einzelne Chefs der Postbank-Gruppe sich genau vor dem schützen, was sie ihren Kunden zumuten: Sie verschließen ihre Konten vor dem Einblick der freien Berater.
Bank wehrt sich
Die Postbank wehrt sich gegen die Vorwürfe, gegen die Datenschutzbestimmungen zu verstoßen: „Diese mobilen Handelsvertreter treten ausschließlich im Namen und im Auftrag der Postbank als Finanzberater auf.” Bei der Weitergabe der Informationen werde der Datenschutz beachtet. Eine besondere Einwilligung der Kunden sei nicht erforderlich.
Ariane Lauenburg fiel jüngst aus allen Wolken. Die Redakteurin der Zeitschrift Finanztest war eher zufällig auf die dubiosen Praktiken des Finanzriesen gestoßen. Eigentlich wollte sie „nur” die umstrittenen Verkaufsmethoden von Postbank-Beratern bei Bausparverträgen unter die Lupe nehmen: Freie Berater sollen mit zweifelhaften Methoden Kunden der Postbank Verträge aufgeschwatzt haben – die WAZ berichtete. Aber bei der Recherche tat sich für Postbank-Kundin Lauenburg plötzlich ein weiterer, noch tieferer Abgrund auf: „Der freie Berater am Telefon erzählte mir auf einmal, was ich verdiene, wie viel Miete ich zahle, welche Überweisungen ich in letzter Zeit vorgenommen habe”, erzählt die Journalistin. „Ich fand das geradezu eklig, dass der so viel über mich wusste. Und nicht nur über mich, sondern auch über zehn andere Kollegen hier im Haus.”
Hinter diesem Wissen steckt offenbar Methode. Die Stiftung Warentest will herausgefunden haben, dass 4000 „selbstständige Handelsvertreter” für die Postbank lohnende Kontobewegungen ausspähen. Die Vertreter handeln im Auftrag der Postbank Finanzberatung AG und verkaufen auf Provisionsbasis Produkte der Postbank und der Bausparkasse BHW.
14,5 Millionen Kunden
Rund 14,5 Millionen Girokonten-Kunden soll das Bonner Geldinstitut haben. Etwa die Hälfte davon sollen, so Lauenburg, ihre Einwilligung dazu gegeben haben, dass die Postbank ihre Daten an Berater weitergibt. Viele andere aber haben dem nie zugestimmt und werden trotzdem von den freien Mitarbeitern angerufen.
„Das wäre in der Tat nicht legal”, sagte gestern Bettina Gayk , Sprecherin des NRW-Landesbeauftragen für den Datenschutz, zur WAZ. „Dieser Zugriff auf Kontodaten ist ohne Einwilligung der Inhaber verboten.” Selbst mit ausdrücklicher Genehmigung sei es nicht in Ordnung, sämtliche Ein- und Auszahlungen zu beobachten. Gayk vermutet, dass die „spezielle Unternehmensstruktur” der Postbank diese Praktiken begünstige. „Diese Bank ist viel mehr als andere auf freie Finanzberater, die in ihrem Auftrag handeln, angewiesen.”
Die Postbank weist die Vorwürfe der Verbraucherschützer zurück: Die Finanzberatungs AG sei eine Konzerngesellschaft der Postbank, die „mobilen Handelsvertreter” würden also im Auftrag der Postbank auftreten. Die Nutzung der Daten sei ein ganz normaler Bestandteil des Vertrages zwischen Bank und Kunden. Die Berater dürften die Informationen keinesfalls privat nutzen. „Außerdem erhalten die Berater nur die Zugriffe, die sie für die Erledigung ihrer Aufgaben auch benötigen. Ein genereller Download von Kundendaten ist technisch ausgeschlossen”, beteuerte gestern Postbank-Sprecher Rüdiger Grimmert.
Mitte November will der NRW-Datenschutzbeauftragte die Postbank-Verantwortlichen zum Rapport laden.

18:22
Na klar wollen die Berater beraten, aber am Telefon...???
Und welches Unternehmen spricht mit seinen Geschäftspartnern nicht am Telefon über die Geschäftsbeziehung???
11:05
Ach so, die Berater wollen also gar nicht beraten...
07:10
Und nur weil er das weiß, hat er den Kunden beraten???
Definition : Beratung???
22:31
@Autofahrer (und ein paar andere Nicks?)
Zitat aus obigem Artikel: „Der freie Berater am Telefon erzählte mir auf einmal, was ich verdiene, wie viel Miete ich zahle, welche Überweisungen ich in letzter Zeit vorgenommen habe”.
Wer lesen kann, ist klar im Vorteil!
18:04
@joergel:
wer wird denn am Telefon beraten???
13:25
Welcher Kunde will denn unaufgefordert am Telefon beraten werden?
18:13
Also die „freien“ Berater sind Berater der Postbank Finanzberatung AG. Warum heißt das Unternehmen wohl „Postbank Finanzberatung AG“??? Bestimmt nicht, weil es FREIE Berater sind, oder!? Die Berater haben alle einen Alleinvertrag mit der Postbank!
Die Berater der Sparkasse oder Volksbank oder Commerzbank dürfen wohl auch nicht auf die Kundendaten zugreifen??? Die ganze Diskussion ist für den Ar…!!!
Und der Zugriff auf die Postbank-Kundendaten funktioniert seit Mittwoch Abend nicht mehr! Und die Kunden, die Beraten werden wollen, haben dafür kein Verständnis!
18:12
Strukturell sehe ich bei der Postbank keinerlei Probleme.
Solange sich die Mitarbeiter und Freiberufler an den Datenschutz halten ist kein Skandal auszumachen.
Sind hier tatsächlich welche überrascht, dass die Bank, die ich mit meiner Kontoführung beauftragt habe, mein Konto nachvollziehen kann?
Ich erwarte das sogar von einer seriösen Bank!
Wenn Daten an Personen weitergegeben wurden, z.B. an journalistische Blättchen (die wie die Postbankleute von Provisionen ihrerseits von Skandalen leben) hat das einen Geschmack.
Was hier aufgedeckt genannt wird ist in Wahrheit eher ein Einkauf der sensibelen Daten von Seiten der Zeitung.
Scheinheilig, dass die journalistische Branche hier ein Verbrechen brandmarkt bei dem sie mithilft.
17:15
#20 Faktengeber
Sie machen es sich ein bißchen zu einfach. Erstens steht klar in dem Artikel, dass auch ohne Einwilligung der Kunden auf deren Kontodaten zugegriffen wurde und zweitens, dass der Landesbeauftragte für den Datenschutz in NRW gegenüber der WAZ bestätigte, dass es eine Reihe von Beschwerden gegen diese Praktiken der Postbank gebe.
Also nix mit schlechter Recherche. Außerdem ist es eine Frechheit den Kunden zu unterstellen, sie würden Verträge unterschreiben ohne diese zu lesen, weil dies heute so üblich sei.
Mit solch lächerlichen Argumenten könnte Datenschutz jederzeit komplett ausgehebelt werden.
Leute wie sie, die solche Praktiken unterstützen, tragen dazu bei, dass der Datenschutz weiter ausgehöhlt wird.
15:39
Es soll Zeiten gegeben haben, in denen die journalistische Arbeit u.a. aus Recherchearbeit bestand. Heute ist das wohl anders. Heute sucht man sich -bei einer Zeitschrift, die vor einiger Zeit übrigens die allseits bekannten Lehmann Zertifikate als sichere Anlage empfohlen hat- ein Thema, und strickt sich seinen eigenen Skandal.
Mal zu den Tatsachen:
Jeder Kunde der Postbank unterschreibt vor der Aufnahme einer Geschäftsbeziehung einen Vertrag, z.B. um ein Girokonto zu eröffnen. Neben den AGB ist auch eine sog. Konzernklausel ein Vertragsbestandteil. Dabei handelt es sich um eine Einverständniserklärung: Der Kunde stimmt der Weitergabe seiner Daten innerhalb des Konzerns Postbank zu (im Übrigen kann der Kunde, dies auch verweigern). Wenn man allerdings, wie es ja mittlerweile üblich ist, seine Unterschrift unter Verträge setzt, die man vorher nicht gelesen hat, braucht man sich über die Konsequenzen nicht zu wundern.
Außerdem halte ich die Aussage, dass die Kontodaten öffentlich gemacht wurden, bzw. externe Mitarbeiter könnten Kontodaten ersehen, für eine -vorsichtig formuliert- Verzerrung der Realität.
Es ist richtig, dass die Berater der Finanzberatungs AG keine Angestellten der PB sind, sondern freie Mitarbeiter, die Namens und im Auftrag der PB arbeiten. Diese Berater sind genauso zur Verschwiegenheit verpflichtet, wie jeder Angestellte auch. Im Übrigen sollen die Berater die PB Kunden betreuen und beraten. Dazu ist es nun einmal nötig -der Gedanke ist eigentlich naheliegend- auf Kundendaten zugreifen zu können...
Einen Datenskandal sehe ich in der ganzen Geschichte nicht, eher viel heiße Luft um Nichts.
Vielleicht sollte man sich lieber mal um wirkliche Skandale kümmern, davon gibt es sicherlich genug...