Fracking lässt Grundstückswerte fallen

Hagen/Arnsberg..  Grundstücksbesitzer müssen in weiten Teilen des Landes künftig um den Wert ihrer Immobilie fürchten, weil ihr Grund und Boden in einem Aufsuchfeld für Schiefergas liegt, das zukünftig durch das höchst umstrittene Fracking (Hydraulic Fracturing) unter Einsatz von Chemiekalien und hohem Druck gefördert werden könnte.

Jedenfalls gehen Rechtspfleger bei Zwangsversteigerungen schon dazu über, in der Objektbeschreibung auf die Lage einer Immobilie in einem Aufsuchfeld hinzuweisen. Welche tatsächlichen Auswirkungen mit der Lage verbunden sind, kann allerdings heute noch keiner verlässlich vorhersagen. Das eröffnet, ähnlich wie bei vermuteten, aber nicht nachgewiesenen Altlasten, eine ziemliche Grauzone – und sorgt für enorme Unsicherheit.

Chemie-Cocktail und hoher Druck

Tatsache ist: Bei einer Zwangsversteigerung eines Gebäudes samt Grundstück in Herdecke im Ennepe-Ruhr-Kreis hat ein Rechtspfleger jetzt mögliche Interessenten in der Beschreibung daraufhingewiesen, dass das Objekt im „Aufsuchfeld Ruhr“ liegt; für dieses Gebiet hat sich ein Energiekonzern die Rechte gesichert, nach so genannten unkonventionellen Lagerstätten von Erdgas zu suchen. Und möglicherweise auch dort zu fördern. Durch Fracking: also mit Hilfe eines Wasser-Chemiekalien-Sand-Mixes, der mit hohem Druck ins Gestein gepresst wird. Mit bislang unvorhersehbaren Folgen bis an die Erdoberfläche.

Bisher gibt es „keine rechtliche Grundlage für eine solche Fördermethode“, weißt Christoph Söbbeler, Sprecher der Bezirksregierung Arnsberg, die für das Bergrecht zuständig ist, daraufhin, dass Fracking in NRW nicht zugelassen ist. Zumindest noch nicht. Ob überhaupt jemals eine Genehmigung erteilt wird, ist offen. Hat der Rechtspfleger in Herdecke also zu dienstbeflissen agiert? – „Wenn eine Information sachlich richtig ist, ist sie nicht Fehl am Platze“, urteilt Jan Schulte, Sprecher des Landgerichts Hagen, auf Nachfrage unserer Zeitung; dem Rechtspfleger „nichts vorzuwerfen“.

„Der Hinweis auf die Lage in einem Aufsuchfeld kann zum wertmindernden Faktor werden“, befürchtet Tim Treude, Rechtsanwalt und Geschäftsführer der Interessengemeinschaft Haus und Grund Westfalen in Hagen, konkrete Auswirkungen: „Das kann Käufer abschrecken und den Preis senken“, befeuert von der doppelten Ungewissheit, ob Fracking zugelassen wird und wenn ja, welche Folgen die Fördermethode nach sich zieht. Veränderungen in der Gesteinsstruktur tief unter einem Gebäude könnten eben sehr wohl zu „Rissen im Gemäuer“ führen.

Gebiete abgesteckt

Die besondere Brisanz: Fast Zweidrittel der Fläche von NRW sind Aufsuchfelder, also von Energiekonzernen abgesteckte Gebiete, ähnlich der Claims beim Goldrausch in den USA, um Konkurrenz auszuschließen. Im Wesentlichen haben die Unternehmen Wintershall und Exxon so NRW unter sich aufgeteilt (s. Grafik).