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Lkw-Banditen

Frachtdiebstahl wird immer populärer - auch in Deutschland

12.05.2013 | 12:18 Uhr
Frachtdiebstahl wird immer populärer - auch in Deutschland
Frachtdiebstahl wird auf Europas Straßen zunehmend ein Problem.Foto: thinkstock

Brüssel.  Frachtdiebstahl wird auf Europas Straßen zunehmend ein Problem. Wegen zentraler Lage, guter Infrastruktur und Widerstandskraft in der Krise gerate Deutschland zunehmend ins Visier der Lkw-Banditen, schreiben die FreightWatch-Experten in ihrem jüngsten Report zum Thema Fracht-Diebstahl. Nordrhein-Westfalen ist in Deutschland am stärksten betroffen.

Sie knacken Schlösser, schlitzen Planen auf und klauen ganze Anhänger. Sie schlagen zu auf Autobahn-Parkplätzen, auf Firmenhöfen oder mitunter auch auf offener Strecke, bei voller Fahrt. Frachtdiebstahl entwickelt sich auf Europas Straßen zum florierenden Gauner-Gewerbe. Genaue Zahlen sind nicht verfügbar - viele Überfälle werden gar nicht erst gemeldet, besonders in Mittel- und Osteuropa führen die Behörden keine offizielle Statistik. Doch der Branchen-Dienst FreightWatch International (FW), auf Sicherheitsfragen spezialisiert, ist sicher: Das Übel nimmt Formen an – auch in der Bundesrepublik.

Deutschland zunehmend im Visier der Lkw-Banditen

Als stärkster Wirtschaftsstandort der EU, wegen zentraler Lage, guter Infrastruktur und Widerstandskraft in der Krise gerate Deutschland zunehmend ins Visier der Lkw-Banditen, schreiben die FreightWatch-Experten in ihrem jüngsten Report zum Thema Fracht-Diebstahl. „Aus vielen Gründen ist Deutschland wahrscheinlich das attraktivste Betätigungsfeld für Frachtdiebe in Europa.“ Hierzulande sei viel hochwertige Ware auf den Straßen unterwegs. Beute könne zügig abtransportiert werden, vor allem nach Polen, Ungarn, Tschechien, Rumänien oder in die Ukraine.

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Immer öfter rollen Lkw mit halber Fracht ins Ziel, weil sie unterwegs auf dramatische Weise ausgeraubt worden sind. Die Täter schlagen auf der Autobahn bei voller Fahrt zu. Die Fahrer merken nicht einmal etwas davon. In NRW sind 46 Fälle seit Juni 2012 bekannt geworden.

Die Bundesrepublik gehört zu den Ländern, in denen die Entwicklung nicht mit einer gesonderten Statistik offiziell erfasst wird. Aus Polizei-Daten, Medien-Berichten und eigenen Erkenntnissen lasse sich aber schließen, dass sich das Problem im vergangenen Jahr verschärft habe, schreiben die FW-Autoren. Sie zitieren unter anderem Angaben, die ein Ex-Bundespolizist auf der Stuttgarter Logistik-Konferenz im vergangenen November machte. Danach „wird in Deutschland alle zehn Minuten ein Frachtdiebstahl begangen“. 2011 seien insgesamt 1891 Laster oder Anhänger entwendet worden.

Beunruhigender Trend in Europa

Im globalen Vergleich ist das noch nicht dramatisch – allein in der brasilianischen Stadt Sao Paulo und in Mexiko wurden im vergangenen Jahr jeweils mehr als 6000 einschlägige Überfälle gemeldet. Oft wurde dabei gleich der gesamte Lastzug gekidnappt. Aber auch in Europa ist der Trend beunruhigend: 2012 habe die Zahl der Fälle um fast ein Viertel zugenommen, stellt der FW-Bericht fest. Neben Deutschland seien die Niederlande, Belgien, Frankreich und Italien bevorzugte Tatorte.

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In der Bundesrepublik gehen die Lkw-Gangster allerdings weniger gewalttätig vor als andernorts. Vor allem in Frankreich und Italien „ist Gewaltanwendung ein regelmäßig und zunehmend auftretendes Phänomen“, heißt es in dem Bericht. „In Deutschland bevorzugen die Diebe Methoden ohne direkte Konfrontation“ – sie plündern am liebsten nachts auf dunklen Parkplätzen Lkw-Anhänger, während der Fahrer vorne schläft. Dabei wird allerdings häufiger nachgeholfen, durch ein Betäubungsgas, das die Gangster über die Belüftung unbemerkt ins Führerhaus blasen.

NRW in Deutschland am stärksten betroffen

Unter den Bundesländern verzeichnet NRW die meisten Fälle, gefolgt von Hessen und Niedersachsen. An Rhein und Ruhr greifen die Täter mit einer besonders aufwendigen Methode zu: Der Anhänger wird von einem dicht auffahrenden speziell aufgerüsteten Kleinlaster aus geöffnet und während der Fahrt um seine Fracht erleichtert. Die Polizei habe für die vergangenen zwölf Monate rund 50 derartige Fälle registriert, berichtet die Deutsche Verkehrszeitung (DVZ). In Dortmund sei eine Sondereinheit eingerichtet worden, um diese Form des Raubs in den Griff zu bekommen.

Beliebtestes Diebesgut sind in Deutschland Bau-Materialien, Maschinen und andere Industrieausrüstung und Kosmetika. Bei besonders gefragter Ware wie etwa dem teuer gewordenen Kupfer, kann der Wert einer geklauten Ladung über einer Million Euro liegen.

Knut Pries



Kommentare
13.05.2013
08:05
Frachtdiebstahl wird immer populärer - auch in Deutschland
von Corvus | #7

Naja, man sollte sich nicht wundern das diese Vorfälle sich mehren. Immerhin sind die Grenzen offen in verschiedene Länder, sei es Ost- Süd oder West. Kontrolliert wird nur Stichpunktartig und das Netz hat da große Löcher & Sicherheitskonzept der Logistikfirmen sieht auch aus wie ein Fischnetz.

Eine Überlegung wäre es ja Seitens d. Logistik sich gemeinsam an einem Projekt zu versuchen; Sicherheitsdienste beauftragen welche die einschlägigsten Autobahnraststätten kontrollieren bzw. die LKWs im Auge behalten welche den Auftraggebern zugeordnet sind- klar kostet Geld aber bringt auch Sicherheit.

Ich denke dann würden solche Vorfälle abnehmen, wenn der Aufwand & Risiko für die Täter zu hoch werden dann kümmert man sich um leichtete Beute wo anders.

13.05.2013
07:14
Frachtdiebstahl wird immer populärer - auch in Deutschland
von FriedlicherBuerger | #6

Hach herrje,

nun schreiben schon wieder Experten über die "Begegnungen mit Osteuropa" diesmal die Experten von FreightWatch International...

Hmm, liebe Europafanatiker in Berlin, lassen Sie uns doch einmal die Kriminalitätstatistiken von vor "Großeuropa" und heute vergleichen, vielleicht könnte da etwas ins Auge springen.

Liebe Berliner Volksvertreter, macht doch den "eisernen Vorhang" wieder zu, da gab es viel weniger Probleme...

13.05.2013
01:43
Frachtdiebstahl wird immer populärer - auch in Deutschland
von astor97 | #5

Vielleicht stimmt etwas mit der Sicherheitspolitik in unserem Staat nicht....schönen Tag noch

12.05.2013
15:42
Frachtdiebstahl wird immer populärer - auch in Deutschland
von ferdi23 | #4

Naja, wenn man die Lagerhaltung auf die Straße verlegt...

12.05.2013
14:52
Frachtdiebstahl wird immer populärer - auch in Deutschland
von tomatenkiller_neo | #3

Herr Pries, ist die Richtungsangabe Polen, Ukraine etc nicht etwas politisch
unkorrekt ?

1 Antwort
Frachtdiebstahl wird immer populärer - auch in Deutschland
von Jorgio | #3-1

Kann nicht sein- mit dem Papier(Geld) geht es nach Österreich und die Schweiz- fg.

12.05.2013
14:23
Frachtdiebstahl wird immer populärer - auch in Deutschland
von fogfog | #2

Gott sei dank werden die Diebe nicht durch Grenzkontrollen behindert. sonst müsste die eu ein verfahren gegen Deutschland einleiten.

2 Antworten
Frachtdiebstahl wird immer populärer - auch in Deutschland
von Jorgio | #2-1

der kommentar ist cool

Frachtdiebstahl wird immer populärer - auch in Deutschland
von DavyJones | #2-2

Weder Bulgarien, noch Rumänien oder die Ukraine sind Schengen Staaten.

12.05.2013
13:57
Frachtdiebstahl wird immer populärer - auch in Deutschland
von melr | #1

Das vereinte Europa mit seinen offenen Grenzen muss ja wirklich ein Paradies für diese Banden sein. Mal sehen, wann die Grenzen wieder komplett dicht gemacht werden.

Soviel zum in den nächsten Jahren stark anwachsenden LKW-Verkehr und seinen Vorteilen ,,,

1 Antwort
Frachtdiebstahl wird immer populärer - auch in Deutschland
von Jorgio | #1-1

Die Grenzen werden erst dicht gemacht wenn es in D nix mehr zu holen oder zu verteilen gibt.

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