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Forscher warnen - dem Ruhrgebiet gehen die Arbeitskräfte aus

11.08.2014 | 06:31 Uhr
Forscher warnen - dem Ruhrgebiet gehen die Arbeitskräfte aus
Geistersiedlung in Gladbeck. Dem Ruhrgebiet gehen laut einer Studie bis 2030 die Beschäftigten aus.Foto: WAZ FotoPool/Archiv

Essen.  In den Städten des Ruhrgebiets leben laut einer Studie bis 2030 deutlich weniger Menschen im arbeitsfähigen Alter. Auch durch Zuwanderung werde der Bedarf an Beschäftigten nicht gedeckt werden können, warnen die Wirtschaftsprüfungsgesellschaft PwC und das Hamburger Welt Wirtschafts Institut.

Das Ruhrgebiet wird laut einer Studie bis 2030 erheblich an Beschäftigten verlieren. Den größten Verlust mit fast 17 Prozent der Erwerbstätigen wird Hagen zu verkraften haben. Aber auch Herne muss sich auf ein Minus von 11,5 Prozent einstellen. Allein Dortmund und der Kreis Unna können mit leichten Zuwächsen rechnen.

Der Grund für die dramatischen Einbrüche ist nach Einschätzung der Wirtschaftsprüfungs- und Beratungsgesellschaft PwC und des Hamburgischen Welt Wirtschafts Instituts der demografische Wandel. Während in vielen deutschen Städten die Zahl der erwerbsfähigen Personen im Alter von 15 bis 64 Jahren in den letzten Jahren gestiegen ist, verzeichnet in der Region an Rhein und Ruhr allein Hamm ein leichtes Plus. Den größten Bevölkerungsverlust mit über neun Prozent musste Hagen hinnehmen.

Hochschulabgänger meiden das Revier

Der Schrumpfungsprozess wirkt sich auch auf die Beschäftigung aus. „Das Ruhrgebiet steht im Wettkampf der Regionen. Hochschulabgänger gehen lieber nach Berlin, Hamburg, Stuttgart und in den Neckarraum. Hochqualifizierte sorgen aber für den Wohlstand in einer Region“, sagt Lutz Granderath, PwC-Niederlassungsleiter in Essen. „Wenn die Politik jetzt keine Gegenmaßnahmen ergreift und nur auf Zuwanderung setzt, ist der Schrumpfungsprozess bei der Beschäftigung nicht aufzuhalten“, warnt Granderath.

Der Unternehmensberater appelliert an die Städte, in Zeiten leerer Kassen enger zusammenzuarbeiten, um Spielraum für Investitionen zu bekommen, die die Lebensbedingungen in der Region verbessern. „Die Attraktivität der Städte muss besser werden, um qualifizierte Menschen hier zu halten“, so Granderath. Sonst drohe den hiesigen Unternehmen in absehbarer Zeit ein Fachkräftemangel, der durch zugewanderte Arbeitnehmer nicht ausgeglichen werden könne.

Gründerszene tut sich schwer mit dem Ruhrgebiet

Auch hier hinke das Ruhrgebiet hinterher: Die meisten hochqualifizierten ausländischen Beschäftigten zieht es nach München, Berlin, Frankfurt, Hamburg und Stuttgart. Und – auch darauf weist PwC hin: „Das Ruhrgebiet tut sich schwer mit der Gründerszene.“

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Es gibt aber auch positive Signale : „Das sind erwartbare, herausfordernde Zahlen, die einem allerdings nicht die Haare zu Berge stehen lassen. Die Städte und Kreise müssen allerdings ihre Hausaufgaben machen“, sagt PwC-Mann Granderath. Als gute Beispiele nennt er den Logistikstandort Duisburg mit dem Hafen und vor allem die Stadt Dortmund, die sich zum „Hot Spot der Wirtschaft an Rhein und Ruhr“ entwickelt habe.

Auch andere Regionen werden leiden

Das Ruhrgebiet steht mit seinem Schicksal nicht allein: 80 Prozent der Kreise und kreisfreien Städte Deutschlands wird die Beschäftigung bis 2030 sinken. Die Region an Rhein und Ruhr ist von dem Negativtrend aber besonders betroffen. Das haben Experten der Wirtschaftsprüfungs- und Beratungsgesellschaft PwC und des Hamburgischen Welt Wirtschafts Instituts ausgerechnet.

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Kommentare
11.08.2014
16:05
So ein Unfug
von wiebitte365 | #34

Noch vor kurzem wurde Deutschland ein Bevölkerungsschwund von denselben Statistikern prognostiziert. Das Gegenteil ist der Fall: Da die Fleischtöpfe...
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2 Antworten
Forscher warnen - dem Ruhrgebiet gehen die Arbeitskräfte aus
von Mirage | #34-1

Arbeit ist genug da, aber die Arbeitgeber möchten selbst Experten und erfahrene Fachkräfte lieber in billig entlohnter Leih-/Zeitarbeit und/oder befristet anstellen. Ich bin für einen anständig entlohnten Festvertrag in ein anderes Bundesland gezogen, weil ich als gute, erfahrene Fachkraft eben NICHT als Leihsklave buckeln wollte und hab es nicht bereut. Solange die Arbeitgeber nicht mal langsam umdenken, wird der Schwund an jungen, engagierten und guten Arbeitskräften in NRW immer weiter voranschreiten. Es bleiben die Alten und der zugezogene "Fachkräftebestand" der nicht einmal ein "Guten Tag, Herr/Frau ****, was kann ich für Sie tun" oder ein "Bitte/Danke" unfallfrei heraus bringt.

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Name von Moderation entfernt | #34-2

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