Flughafen Kassel-Calden blickt positiv ins Jahr 2015

Flughafenchef Ralf Schustereder bekräftigt: "Wir sind auf einem guten Weg und schauen zuversichtlich in das neue Jahr und die Zukunft des Kasseler Flughafens." Von profitabler Arbeit ist der Airport aber noch entfernt.
Flughafenchef Ralf Schustereder bekräftigt: "Wir sind auf einem guten Weg und schauen zuversichtlich in das neue Jahr und die Zukunft des Kasseler Flughafens." Von profitabler Arbeit ist der Airport aber noch entfernt.
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Was wir bereits wissen
Der Flughafen Kassel-Calden hatte einen denkbar schlechten Start. Doch der neue Chef blickt optimistisch nach vorn - und dafür gibt es Gründe.

Calden.. Dem umstrittenen Flughafen Kassel-Calden geht es besser als vor einem Jahr, aber immer noch nicht gut genug. Im vergangenen Winter gab es gar keinen Ferienflieger, in diesem werden regelmäßig die Strecken nach Antalya, Fuerteventura sowie zur Skisaison nach Innsbruck bedient. Von März an geht es nach Hurghada, im Sommer stehen bislang zudem Heraklion, Antalya und Palma de Mallorca im Flugplan. Das ist zu wenig, um profitabel zu arbeiten - aber laut Flughafenchef Ralf Schustereder ein Fingerzeig. "Wir sind auf einem guten Weg und schauen zuversichtlich in das neue Jahr und die Zukunft des Kasseler Flughafens", bekräftigt er.

Die Grünen-Fraktionsvorsitzende im Kasseler Kreistag, Steffi Weinert. bleibt aber skeptisch. "Ein bisschen ist besser als nichts. Aber ich glaube nicht, dass da in den nächsten Jahren mehr passiert", betont sie.

Schustereder, der am 1. April 2014 das Cockpit von der glücklosen Maria Anna Muller übernahm, arbeitet nach eigenen Angaben vor allem daran, zuverlässig Flüge anzubieten und das Angebot auszubauen. "Wir haben in diesem Jahr einen soliden und nachhaltigen Flugplan aufgebaut und eine Durchführung von fast 100 Prozent erreicht." Mittelfristig habe der Flughafen aber nur eine Chance mit einer Anbindung an ein internationales Drehkreuz, sagte der Manager kürzlich vor dem Verkehrsausschuss des Kasseler Kreistages. Dazu laufen Verhandlungen mit Turkish Airlines.

Unternehmen nutzen den Airport

Man dürfe den Airport nicht nur auf Ferienflieger reduzieren, betont Ulrich Spengler von der IHK Kassel-Marburg. "Bei dem Airport handelt es sich um einen harten Infrastrukturfaktor für die Entwicklung der Region, vergleichbar mit einer guten Schienen- und Straßenanbindung. Spätestens, wenn sich eine Firma neu aufstellen und entsprechende Investitionsentscheidungen treffen muss, liegt mit dem Regionalflughafen Kassel-Calden ein gewichtiges Argument für unsere Region in der Waagschale", sagt er. Allerdings fordert auch Spengler einen langen Atem. "Die Angebote des Flughafens stetig auszubauen, ist eine Aufgabe für die nächsten Jahre."

Flughafen Nach Angaben der Wirtschaftsförderung Kassel (WFG) sollen sich 2015 zwei Betriebe neu auf dem Flughafen-Areal ansiedeln. Dann werden insgesamt mehr als 1000 Menschen auf dem alten und dem neuen Flughafengelände beschäftigt sein, vorher waren es rund 600. "Luftseitig liegt der Flughafen sicher unter den Erwartungen, aber die Aufgabe als wirtschaftsnahe Infrastruktur sehr gut wird erfüllt", sagt WFG-Geschäftsführer Kai Lorenz Wittrock.

Schustereder hatte angekündigt, den Airport stärker an den Interessen der nordhessischen Wirtschaft auszurichten. "Der Bedarf an Mobilität ist da - das zeigt der sehr ausgeprägte Geschäftsreiseverkehr." Bereits heute nutzen große Arbeitgeber in Nordhessen und viele kleinere Unternehmen und Mittelständler in der Region den Airport.

Weniger Passagiere als prognostiziert

Flughafen-Gegnerin Weinert fordert die Unternehmen auf, sich am Flughafen zu beteiligen. "Wieso soll das die Allgemeinheit machen? Es kann nicht sein, dass der Flughafen langfristig auf Subventionen angewiesen ist."

Regionalflughäfen 2013 hat der Airport einen Verlust von 6,8 Millionen Euro eingefahren. Für 2014 rechnet der Flughafen mit einem Minus von 8,1 Millionen Euro, 2,7 Millionen Euro sollen es im Jahr 2019 sein. Die schwarz-grüne Landesregierung will erreichen, dass das Defizit jedes Jahr um zehn Prozent schrumpft - und Kassel-Calden 2017 auf den Prüfstand stellen. Auch Schustereder hat als Ziel ausgegeben, dass sich der Flughafen langfristig selber trägt und nicht von öffentlichen Zuschüssen abhängig ist. Die Linken im hessischen Landtag wollten KSF - so das Kürzel des Flughafens - in "Roland-Koch- Verkehrslandesplatz" umbenennen, scheiterten damit aber kurz vor Weihnachten.

Der 271 Millionen Euro teure Airport Kassel-Calden war im April 2013 eröffnet worden - und damit in einer schwierigen Zeit für Flughäfen. Derzeit zentrieren die Fluggesellschaften ihren Flugverkehr zunehmend an größeren Flughäfen, KSF hat bis heute mit mangelnder Auslastung zu kämpfen. In der Planungszeit waren dem Flughafen 640.000 Passagiere für das Jahr 2020 prognostiziert worden, mittlerweile geht die aktualisierte Zehnjahresprognose für das Jahr 2024 von nur noch 497.000 Passagieren aus. Zudem könnte der Flughafen wegen Nachforderungen von Bauunternehmen noch einmal um bis zu 14 Millionen Euro teurer werden. An dem Regionalflughafen sind außer dem Land Hessen auch die Stadt und der Landkreis Kassel sowie die Gemeinde Calden beteiligt. (dpa)