Ferrero will Werbung nach Rassismus-Vorwurf überarbeiten

Das Süßwarenunternehmen Ferrero will die umstrittene Werbung für "weiße Küsschen" überarbeiten.
Das Süßwarenunternehmen Ferrero will die umstrittene Werbung für "weiße Küsschen" überarbeiten.
Foto: Archiv/dpa
Was wir bereits wissen
„Yes, weiß can“, „Deutschland wählt weiß“: Das Süßwarenunternehmen Ferrero hat sich mit einem Werbefilm den Ärger von Internetnutzern und Vereinen eingehandelt. Beim Werberat ist eine Beschwerde eingegangen. Der Vorwurf: Die Werbung sei rassistisch. Ferrero will die Kampagne jetzt "überarbeiten".

Essen.. Ein Schokoladen-Spot sorgt für Wirbel: Pünktlich zur Bundestagswahl hat der Süßwarenhersteller Ferrero eine Werbekampagne in Wahlkampfmanier gestartet – für seine „weißen Küsschen“. Mit einem 32-sekündigen Fernsehspot brockte sich das Unternehmen nun allerdings den Unmut einiger Internetnutzer und Vereine ein. Am Nachmittag war der Film denn auch von der Ferrero-Page verschwunden.

Der Streifen handelt von einer fiktiven Wahlkampfveranstaltung. Ein weißes Ferrero-Küsschen spricht – offenbar als Spitzenkandidat einer Partei – zu seinen Anhängern, die ihm nach US-Vorbild zujubeln. Der Kandidat fordert „weiße Ferrero-Küsschen – für immer“, und erntet die Begeisterung des Parteianhangs. Die Menge feiert das Produkt mit Sprüchen wie „Yes, weiß can“ oder „Weiß Nuss bleiben“; der Slogan „Deutschland wählt weiß“ beendet den Clip schließlich.

Empörung im Internet

Im Internet hat die Werbung teilweise Empörung ausgelöst. Die studentische Zeitung „akduell“ für Essen und Duisburg spricht von einer „Verballhornung“ des Wahlkampfslogans des ersten schwarzen US-Präsidenten, Barack Obama. Ferrero nutze den Spruch als „rassistischen Schenkelklopfer“, schreibt der Autor. „Ein weißes Schokoladenkonfekt, umringt von biodeutschen Zuhörer*innen, will, dass Deutschland weißer wird.“

Nach Meinung des Autors dürfe jedem in einem „halbwegs sensiblen Umfeld“ klar sein, „dass die Forderung nach einem weißeren Deutschland – gerade im Bundestagswahlkampf geäußert – kein harmloser Scherz ist, sondern auf Betroffene auch ziemlich bedrohlich wirken kann.“

Initiative warnt vor unterschwelliger Wirkung

Ein Hamburger Professor hatte auf seiner Website ebenfalls davon gesprochen, dass der Clip mit Rassismus spiele. So werde zum Beispiel der Obama-Slogan in sein Gegenteil verkehrt. "In den USA konnte ein schwarzer Kandidat die Mehrheit der Wählerstimmen erhalten. In Deutschland dagegen gilt, wie das Wahlplakat am Ende der Werbung ausruft: 'Deutschland wählt weiß'."

Hornbach Auch die „Initiative Schwarze Menschen in Deutschland“ hält die Werbung für "fragwürdig". „Ob bewusst oder unbewusst – der Film ruft automatisch Bilder in den Köpfen der Menschen hervor“, sagt Vorstandsmitglied Tahir Della. Die Parole „Weiß Nuss bleiben“ komme beim Konsumenten nur als „Weiß muss bleiben“ an – außerdem sei ein gewollter Bezug zu den anstehenden Wahlen vorhanden. Ohne, dass die Werbung direkt rassistisch sei, habe sie doch eine unterschwellige Wirkung. „Die Leute sind sich nicht im Klaren darüber, was sie damit auslösen.“

Auch mildere Reaktionen auf den Werbe-Film

Beim Deutschen Werberat ist inzwischen eine Beschwerde über die Werbung eingegangen. Man werde Ferrero jetzt zu einer Stellungnahme auffordern und anschließend darüber beraten, sagt Sprecher Volker Nickel. Sein persönliches Urteil über den Spot fällt aber etwas milder aus. "Das Ganze ist so eindeutig auf das Produkt bezogen, dass man das als kabarettistisch einsortieren kann", so Nickel. Man solle nicht übermoralisieren. Auch wenn er die Form für durchaus gewagt halte - "Rassismus zu unterstellen, geht mir hier zu weit."

Politikwissenschaftler Prof. Dr. Wilfried Loth von der Universität Duisburg-Essen hält den Spot ebenfalls für "weniger problematisch". Die einzige Anspielung ziele auf die Obama-Kampagne ab. "Aus 'Yes, we can' wird 'Yes, weiß can'", so Loth. "Das ist ein harmloser Spaß, der meines Erachtens mit Rassismus überhaupt nichts zu tun hat."

Werbung Ferrero kündigt Überarbeitung der Werbung an

Ferrero selbst scheint von den Reaktionen überrascht. Das Unternehmen hatte sich in der Nacht zu Dienstag auf seiner Facebook-Seite zu Wort gemeldet. Auf Nachfrage teilte es am Mittwoch auch offiziell mit: „Es ist uns ein wichtiges Anliegen, ausdrücklich zu betonen, dass wir strikt gegen jegliche Form von Fremdenfeindlichkeit, Rechtsextremismus oder Rassismus sind." Man distanziere sich klar von derartigen Vorwürfen.

"Bei der aktuellen Werbung handelt es sich um die Darstellung einer Produktvariation von Ferrero Küsschen mit weißer Schokolade. Alle Aussagen beziehen sich demnach einzig auf die weiße Schokolade – selbstverständlich ohne fremdenfeindlichen Hintergedanken", heißt es von der Pressestelle.

"Wir bedauern, wenn es bei dieser Werbung zu Missverständnissen gekommen ist und die Produktbotschaft anders aufgefasst wurde. Ferrero nimmt die kritischen Stimmen ernst und hat sich daher für eine Überarbeitung der Werbung entschieden, um weiteren Missverständnissen vorzubeugen.“

Wie genau das aussehen könne? Dazu äußerte sich die Pressestelle nicht. Ebenso wenig zu den Fragen, ob eine geplante Außenkampagne nun gestoppt oder der Film aus dem Netz genommen werde. Ferrero sagt nur eines: "Fest steht: Der TV-Spot und andere geplante Werbemaßnahmen werden überarbeitet."