Fernwärme an Rhein und Ruhr wird Zankapfel

Düsseldorf..  Das wichtigste Energiewende-Projekt der NRW-Landesregierung droht ins Stocken zu geraten. Die zwischen Moers und Herne geplante „Fernwärmeschiene Rhein-Ruhr“, die ab Ende 2019 zusätzlich Tausende Haushalte preisgünstig beheizen soll, ist von der Bezirksregierung Düsseldorf und der Stadt Oberhausen mit überraschend harter Kritik überzogen worden. Die SPD im Land sieht den Baubeginn 2017 in Gefahr.

Bei einem Vorbereitungstermin für das Planfeststellungsverfahren, das 2016 beginnen soll, lehnten Oberhausens Umweltdezernat und die Bezirksregierung als beteiligte Landschaftsbehörden die vorgestellte Trasse und die oberirdische Verlegung der Wasserrohre zwischen Essen-Karnap, Oberhausen und Duisburg-Walsum ab. Neue „industriell anmutende“ Leitungen aus Stahlrohren seien anachronistisch, erklärte Oberhausens Umweltdezernentin Sabine Lauxen (Grüne). Ein Vertreter der Bezirksregierung nannte oberirdische Fernwärmerohre sogar „die Katastrophe an sich“.

Lauxen erklärte, sie sei nicht gegen das geplante größte Fernwärme-Netz Europas, wolle aber keine Stahlrohre durch die gerade mühsam renaturierten Emscher-Gebiete verlegen lassen: „So können wir das nicht mittragen.“ Sie forderte eine alternative Trassenführung und mehr Begrünungswälle. Pikant: An der Betreibergesellschaft „Fernwärmeschiene Rhein-Ruhr GmbH“ ist neben dem Steag-Konzern als Haupteigner und dem Fernwärmeverbund Niederrhein auch die Oberhausener Stadttocher EVO mit gut 18 Prozent beteiligt.

Römer ist verärgert

SPD-Landtagsfraktionschef Norbert Römer reagierte verärgert: „Die Fernwärmeschiene Rhein-Ruhr ist wichtig für den Klimaschutz. Sie sorgt für eine noch bessere Auslastung unserer Kraftwerke und sichert bezahlbare Heizenergie. Dieses Zukunftsprojekt darf nicht durch politisches Klein-Klein zerredet werden“, sagte er. Allein das Land stehe mit 100 Millionen Euro parat.

Steag-Geschäftsführer Udo Wichert warnte davor, dass die Realisierung der Fernwärmeschiene auf der Kippe stehen könnte, wenn lokale Wünsche nach einer längeren Leitungstrasse oder einem höheren Anteil an unterirdischer Verlegung die Kosten in die Höhe trieben.

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