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Experte geißelt "Billiglöhne" in deutscher Servicebranche

12.12.2011 | 15:49 Uhr
Experte geißelt "Billiglöhne" in deutscher Servicebranche

Berlin  Der Direktor des gewerkschaftsnahen IMK-Instituts, Gustav Horn, kritisiert: Die hiesigen Arbeitskosten seien im europäischen Vergleich zu niedrig. Das steigere die Wettbewerbsfähigkeit zu Lasten der Nachbarstaaten. Plädoyer für höhere Löhne

Auch im Aufschwung hat sich Arbeit in Deutschland kaum verteuert. Die Arbeitskosten in der Privatwirtschaft stiegen 2010 nur um 0,6 Prozent und damit deutlich weniger als im europäischen Vergleich, wie aus einer am Montag veröffentlichten Studie des gewerkschaftsnahen IMK-Instituts hervorgeht. Im Durchschnitt der EU-Länder kletterten die Kosten mit 1,7 Prozent fast dreimal so schnell und im Schnitt der Euro-Zone um 1,6 Prozent. In der erwarteten Konjunkturflaute dürfte sich die Entwicklung ähnlich fortsetzen, betonte IMK-Direktor Gustav Horn in Berlin: "Ich sehe kurzfristig keine Trendwende."

Trotz Wirtschaftswachstums nur zögerliche Lohnsteigerungen

Damit geht trotz des starken Wirtschaftswachstums von fast vier Prozent der langjährige Trend weiter, dass die Arbeitskosten in der heimischen Wirtschaft deutlich langsamer zunehmen als in den anderen Ländern der Europäischen Union. So stiegen die hiesigen Arbeitskosten zwischen 2000 und 2010 nominal um durchschnittlich 1,7 Prozent pro Jahr, im EU-Schnitt um 3,3 Prozent, im Schnitt des Euro-Raums um 2,8 Prozent.

Als Arbeitskosten definieren die Düsseldorfer Forscher des Instituts für Makroökonomie und Konjunkturforschung (IMK) neben dem Bruttolohn die Arbeitgeberanteile an den Sozialbeiträgen sowie bestimmte Steuern. Demnach kostete eine Arbeitsstunde in der deutschen Privatwirtschaft 2010 rund 29,10 Euro. Deutschland liegt damit EU-weit an siebter Stelle. Höher sind die Kosten in Belgien, Dänemark, Schweden, Frankreich, Luxemburg und den Niederlanden. Der EU-Schnitt liegt bei 22,50 Euro. Eine Arbeitsstunde in der deutschen Industrie kostete 32,90 Euro und damit spürbar mehr als im privaten Dienstleistungssektor mit 26,70 Euro. IMK-Experte Horn bezeichnete die heimische Servicebranche im Vergleich zu wichtigen deutschen Handelspartnern als "Billiglohnland".

Die Arbeitgeber kritisierten, die IMK-Studie erwecke den falschen Eindruck, dass die Arbeitskosten im europäischen Mittelfeld lägen. "Deutschland bleibt weiter ein teurer Arbeitsplatzstandort", erklärte der Dachverband BDA.

Deutscher Wohlstand "basiert auf den Schulden" anderer

Deutschland habe durch die vergleichsweise geringen Kosten über Jahre hinweg seine Wettbewerbsfähigkeit verbessert und vom gutem Exportgeschäft profitiert, sagte Horn. Allerdings habe dies zu Leistungsbilanzdefiziten anderer Euro-Länder und damit zu den Ungleichgewichten geführt, die die Schuldenkrise mitausgelöst hätten. Der Wohlstand, den sich Deutschland durch seine Überschüsse erworben habe, "basiert auf den Schulden der anderen". Mittel- bis langfristig müsse es hier eine Trendwende geben, sonst sei die Währungsunion in ihrer Stabilität gefährdet, mahnte der IMK-Experte. Die angeschlagenen Euro-Länder müssten ihrerseits wettbewerbsfähiger werden, für Deutschland gebe es hingeben keinen Grund zur Lohnzurückhaltung. "Gesamtwirtschaftlich wären Lohnabschlüsse von nominal 3 bis 3,5 Prozent angemessen", sagte Horn. (rtr)

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Kommentare
13.12.2011
13:16
bedenkliche Ansichten.
von EU4ever | #11

Gewisse Kommentatoren (z. B. Sydikus und unwitz) scheinen immer das große ganze im Auge zu haben. Wenn es der Gesamtwirtschaft dienlich, muss eben eine Minderheit ausgebeutet werden. Nicht nur das wir durch den Mißbraach des Leiharbeiterkonzept quasi eine moderne Form der Sklaverei eingeführt haben, nein, auch die Menschen die noch normale Stellen haben, sollen gefälligst zum Wohle des Standorts BRD auf Lohnerhöhungen verzichten - am besten noch Lohnsenkungen hinnehmen (wird ja über die Unwege Arbeitszeitverlängerung, etc gerne auch gemacht).

Sydikus und unwitz würden wahrscheinlich jubeln, wenn in BRD wieder die Kinderarbeit eingeführt würtde - endlich wäre man dann mit Indien und China konkurenzfähig.

13.12.2011
09:16
Anmerkung zu Syndikus Märchenstunde
von Sahneschnittchen | #10

Hier der Link zu einer Grafik - http://www.jjahnke.net/index_files/04054.gif.

Inhalt 1. ein in dem Zeitraum von 2000-2008 exorbitanter Anstieg der Unternehmenseinkommen. 2 + 3. Eine reale deutliche Bruttolohnsenkung der Arbeitnehmer . 4. Erhöhtes Arbeitsaufkommen bei gleichbleibender oder sinkender Bezahlung.

12.12.2011
22:31
@kuba4711
von unwitz | #9

Sie wissen schon, wie ein Anstieg der sog. Lohnstückkosten zu interpretieren ist, ja?

LSK steigen dann, wenn die Lohnkosten stärker steigen als die Arbeitsproduktivität. Ein Anstieg der LSK ist also an sich nicht positiv, sondern bedeutet lediglich, dass Arbeit gemessen an der Produktivität teurer wird. Wenn Arbeit teurer bzw. zu teuer wird, dann führt dies in der Regel zu Preissteigerungen und/oder Arbeitsplatzabbau.

Aber das sind natürlich Nebensächlichkeiten, die sie in ihren simplen Binnennachfrage-Steigerungs-Überlegungen sicherlich aus Gründen der Vereinfachung unberücksicht lassen möchten.

12.12.2011
21:39
Experte geißelt auch Syndikus
von Silke_L | #8

Es ist doch schön, dass Syndikus hier versucht, seinen Standpunkt klar darzustellen. Natürlich ist er der Meinung des IMK zutiefst entgegen gerichtet. Was würde es auch bringen, diese Gleichmacherei, dieses sozialistische Herumgemurkse?
Nun ja, es könnte mehr Zufriedenheit bringen. Mehr zufriedenheit könnte ein Garant für den Erfolg des Standortes Deutschland, ja für den Standort Europa sein. Denn eines sollte auch Syndikus aus der Weltgeschichte kennen. Wer durch abstruse Argumente versucht, seiner opportunen Verhaltens- und Gedankenwelt Platz zu verschaffen, dem ist am Ende kein Platz an der Sonnen beschienen. Sollte Deutschland, sollte die EU so weiter machen wie bislang -und das möchte Syndikus, dafür allein plädiert er- dann stehen die Chance sehr gut, dass Deutschland und Europa in der Weltwirtschaft nicht mehr mitspielen wird, sondern nur noch bespielt wird. Und Syndikus weiß auch, sollte dieses Szenario eintreten, wäre niemand mehr da, der seine Abstrusen, ja fast ein wenig menschenfeindlichen, neoliberalen, kapitalismusfröhnenden Argumnete hören möchte. Wenn Syndikus seine Arbeit getan hat, wird er genauso wenig gebraucht wie der Rest von uns. Dann gehen andere Länder voran und die haben für Oportunisten, die Ihre eigenen Mitmenschen ausgenommen haben, nicht viel übrig.
Und dieses Szenario ist nicht halb so abstrus wie alle Argumente von Syndikus zusammen.
Schaut nur, wie wir China und Indien, Brasilien und Mexiko aufbauen. Heute dürfen Syndikus und die Seinen noch mitreden. Morgen vielleicht, haben Syndikus und Syndiküsschen nichts mehr zu sagen. Und dann...?!?

12.12.2011
20:54
Experte geißelt
von kuba4711 | #7

zu Recht die Austeritäts-Politik in Deutschland ,spätestens seit 2001 mit der Einführung der Agenda -Politik durch den politischen Ober - Rohrkrepierer Ex -Kanzler Schröder und seinen grünen Helfershelfern!
Diese Politik der rosa/grünen Arbeitnehmer -Verräter ist nur vor dem Hintergrund einer vollkommen unzureichenden ökonomischen Bildung bei der breiten Masse des Volkes zu erklären.
Wir Kommentatoren werden nun schon seit Jahren von den Betriebswirtschaftlern mit neoliberaler ,theologisch -ökonomischer Ausrichtung -also den Herrn unwitz und Syndicus geradezu gequält.
Da werden zum Vergleich der Wettbewerbs-Situation schon mal die Stundenlöhne herangezogen ,wiewohl eigentlich schon die Kinder im Kindergarten sich der Tatsache bewußt sind ,dass die für den Wettbewerb alles entscheidende Vergleichs -Größe die sog. Lohnstück -Kosten sind.
Und da stellt man fest ,dass der deutsche Anstieg dieser Lohnstück -Kosten im europäischen Vergleich eher unterdurchschnittlich ausgefallen ist in den letzten 10 Jahren!
Das Lohnniveau in Deutschland ist seit ungefähr dem Jahr 2000 um cirka -4 Prozent rückläufig.
Nicht im Bereich der Tarif -Löhne und dem Verantwortungsbereich der IG -Metall.
Aber durch die Politik ist ja ein riesiger Niedriglohn -Sektor in unserer banana republika entstanden.
Dies schwächt die Binnen -Nachfrage in der Fläche und erschwert es den europäischen Nachbar-Ländern ihre Waren zur Genüge abzusetzen.
Und damit sind diesen europäischen Ländern -durch die deutsche Politik des Sozial -Dumpings - die finanziellen Einnahme -Möglichkeiten geschmälert worden.
Man muss schon regelmäßiger "Blödzeitungs -Leser" sein ,um diese Zusammenhänge nicht zu realisieren.
Und nochmal :
Volkswirtschaftlich gesehen sind "Aussen - Handels - Bilanz -Überschüsse" eines Landes -also in unserem Fall die sog. Export -Überschüsse Deutschlands - nichts Anderes als das Einräumen von Krediten für die sog. Schuldner -Länder ,unter Verzicht des eigenen Konsums in dieser Größenordnung.
Es ist also - mit anderen Worten - eine Enteignung der arbeitenden Menschen zu Gunsten der Kreise in der Gesellschaft ,die von den Aussenhandels -Strukturen profitieren!
Noch einfacher kann man es kaum erklären.
Besagten Mitkommentatoren würde ich im übrigen einen Grundkurs in Volkswirtschaft empfehlen.
Schon allein deshalb damit unser Diskussions -Niveau nicht unter "Kindergarten - Standard fällt!

12.12.2011
19:15
@ 2 Klare-Kante-Komiker
von Syndikus | #6

Sie scheinen in der Tat ein Komiker zu sein. Was wäre denn die Folge, wenn wir unsere in den letzten Jahren mühsam erworbene Wettbewerbsfähigkeit durch überstarke Lohnerhöhungen wieder verlieren würden? Würden wir mehr in den Euroraum exportieren können? Hätten wir vieleicht Vorteile im internationalen Wettbewerb? Beide Fragen wird man mit einem klaren Nein beantworten müssen. Zu erwarten wäre vielmehr, dass unsere Produkte in der EU und weltweit weniger nachgefragt würden. Und dass Italiener und Franzosen davon wesentliche Vorteile hätten, ist auch nicht unbedingt gesagt: profitieren würden wahrscheinlich eher wettbewerbsfähigere Konkurrenten aus Nordeuropa, Amerika oder Asien.

12.12.2011
19:13
Experte geißelt
von wkah | #5

Ach ja - und weil ja der grösste Teil des Exportes im Nicht-Eu-Ausland erzielt wird, macht sich die deutsche Wirtschaft grosse Sorgen das durch die Eurokrise der bedeutenste Absatzmarkt gefährdet ist - jaaa nee iss klar!

12.12.2011
19:06
Experte geißelt
von wkah | #4

Arbeitskosten setzen sich aus den beiden Hauptbestandteilen Bruttolöhne und -gehälter sowie Lohnnebenkosten zusammen. 2010 zahlten die Arbeitgeber in Deutschland nach Angaben der Statistiker auf 100 Euro Bruttolohn und -gehalt 28 Euro Lohnnebenkosten. Damit liege Deutschland unter dem europäischen Durchschnitt von 31 Euro und nehme mit Rang 15 einen Mittelplatz innerhalb der EU ein. Auf 100 Euro Lohn wurden in Schweden (51 Euro) und Frankreich (49 Euro) die höchsten und in Malta (10 Euro) die niedrigsten Lohnnebenkosten gezahlt.

Bevor jemand fragt : Quelle Statistisches Bundesamt

12.12.2011
19:00
Gewerkschaftsnahe Experten haben keine Ahnung
von unwitz | #3

Wollen wir mal festhalten:

Deutschland liegt bei den Arbeitskosten mit 29,1 Euro/Std. über dem Durchschnitt sowohl der EU (22,5) als auch der Eurozone (27,0).

Einige Länder zum Vergleich:
Österreich 27,9
Italien: 26,2
UK: 20,0
Spanien: 20,0
Griechenland: 17,5
Portugal: 12,1
Polen: 7,0

Die These, wonach Deutschlands Exporterfolg auf "Billiglöhnen" fußt, scheint mir vor dem Hintergrund dieser Zahlen nicht ganz stichhaltig.

Was die Jahre 2000 bis 2010 angeht, muss in Erinnerung gerufen werden, dass Deutschland als ehemals (belächelter) "Kranker Mann" Europas in dem Zeitraum ein insgesamt geringeres Wachstum aufwies als viele andere Länder (insbesondere die Ex-Boomländer im Süden).

Schließlich sollte festgehalten werden, dass die Lohnzurückhaltung hierzulande wohl dazu beigetragen hat, dass nicht noch mehr Arbeitsplätze ins wesentlich billigere Ausland verlagert wurden.



12.12.2011
18:02
Experte geißelt völlig zu RECHT.......
von Klare-Kante-Komiker | #2

denn die wichtigsten Exportpartner sind die Staaten der EU 27. Also sind wir auch auf deren Wirtschaftskraft angewiesen. Wenn dort die Wirtschaft in den Keller rauscht, dann können wir einen großen Teil der Exporte in die Tonne treten. Ohne EU-Partner sind auch wir Deutsche nur arme Würstchen.
Einfach mal die die Tabelle des Statistischen Bundesamt in aller Ruhe ansehen.

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