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Gen-Honig

EU-Richter sagen Gen-Honig den Kampf an

06.09.2011 | 19:11 Uhr
EU-Richter sagen Gen-Honig den Kampf an
Imker können kaum verhindern, dass ihr Honig mit Genmais-Spuren versetzt ist. ddp

Brüssel.   In Deutschland ist laut einer Studie die Hälfte des verkauften Honigs mit Genmais-Spuren belastet. Das will der Europäische Gerichtshof ändern. Solche Produkte brauchen künftig eine Markt-Zulassung. Verbände sehen darin ein Verkaufsverbot für Gen-Honig.

Genmanipulierte Lebensmittel, bei denen der Bio-Ingenieur die Finger im Spiel hatte, soll der Kunde nur kaufen und essen, wenn er das will. Dafür sorgen sollen Kennzeichnungs- und Anbauregeln. Doch die Biene spielt nicht mit: Sie sorgt für Honig, der ohne Wissen und Wollen des Imkers Pollen aus gentechnisch veränderten Pflanzen enthält – laut einer Ökotest-Untersuchung aus dem Jahr 2009 ist die Hälfte der getesteten in Deutschland verkauften Honige betroffen. Damit könnte bald Schluss sein: Solch ein Honig muss erst für den europäischen Markt zugelassen werden, entschied der Europäische Gerichtshof in Luxemburg am Dienstag.

Geklagt hatte der Imker Karl Heinz Bablok aus Kaisheim in der Nähe von Augsburg. Seine Bienenstöcke standen einen halben Kilometer entfernt von einer Anbaufläche für genmanipulierten Mais des Agrarriesen Monsanto. Als Bablok Pollen der Gen-Pflanze im Honig fand, schickte er 300 Kilo in die Abfall-Entsorgung – mit diesem Produkt wollte er nichts mehr zu tun haben. Für ihn ist das Urteil ein Triumph.

Anbau von Genpflanzen müsste gestoppt werden

Ob der Honig damit aus den Ladenregalen verschwinden muss, ist indessen unklar. Das Landwirtschaftsministerium in Berlin, die EU-Kommission in Brüssel und die Lebensmittelbranche mochten sich zunächst noch nicht zu dem Urteil äußern. Der Richterspruch müsse nun gründlich geprüft werden, hieß es. Für die Umweltverbände ist die Sache klar – für sie kommt die Verpflichtung zur Zulassung einem Verkaufsstopp gleich. Um den heimischen Honig zu retten, müsste der Anbau von Genpflanzen in Europa gestoppt werden, fordern sie im Verein mit den Grünen. „Das Urteil zeigt einmal mehr, dass die Koexistenz von GVO und konventionellem Anbau unter den gegenwärtigen rechtlichen Regelungen nicht möglich ist“, sagte der Grünen-Europaabgeordnete Martin Häusling.

Ähnlich sieht es der Deutsche Imkerbund, der sich mit dem Richterspruch hoch zufrieden zeigte. Das Urteil habe endlich Rechtssicherheit für die Bienenzüchter geschaffen, sagte dessen Präsident Peter Maske. Maske forderte einen Mindestabstand von zehn Kilometern zwischen Bienenkörben und Anbauflächen. „Wenn Bienen Pollen suchen, bewegen sie sich in einem Radius von acht Kilometern“, erklärte der oberste Bienenzüchter. Und auch die Pollen bleiben nicht auf dem Feld: Maispollen fliegen Maske zufolge einen Kilometer, Rapspollen bis zu zehn Kilometer weit. Der Anbau genmanipulierter Pflanzen ist seiner Einschätzung nach mit dem EuGH-Urteil unattraktiv für die Landwirte geworden.

Auswirkungen auf Bienen unklar

Sein Verband lehnt den Anbau genmanipulierter Pflanzen grundsätzlich ab. Denn einerseits sei unklar, welche Auswirkungen etwa genmanipulierter Mais auf die Bienen habe. Ein Teil solcher Pflanzen enthält Stoffe, die Schädlingen das Handwerk legen sollen. Sie könnten unter Umständen aber auch geschwächten Bienen zusetzen, erklärt Maske. 80 Prozent aller Bienen etwa trügen einen in der Gentechnik häufig eingesetzten Darmerreger in sich, müssten aber nicht unbedingt daran erkranken. Zudem lehnten die Verbraucher Honig ab, der Spuren genmanipulierter Pflanzen enthalte.

Der Imker mag zufrieden sein, die Folgen für den europäischen Einzelhandel sind jedoch noch nicht absehbar. Vier Fünftel des in Deutschland verkauften Honigs werden laut Bundeslandwirtschaftsministerium importiert, vor allem aus Argentinien, Mexiko und China. Dort gibt es nach Auskunft von Heike Moldenhauer vom Bund für Umwelt und Naturschutz indessen wenige Regeln für den Anbau genmanipulierter Pflanzen, geschweige denn Abstandsgebote zu nicht manipulierten Pflanzen. In China gehe es dabei vor allem um Gen-Baumwollen, in Mexiko um Mais und in Argentinien um Soja, Mais und Raps. Was nun mit Honig von außerhalb der EU geschehe, das sei „die ganz große Preisfrage“, sagt Moldenhauer. Möglicherweise drohten „Rückrufaktionen ohne Ende“.

Anbauverbot für Genmais in sieben EU-Staaten

In Europa gilt laut Moldenhauer derzeit in sieben Ländern ein Anbauverbot für den fraglichen Mais mit der Fachbezeichnung MON810. Deutschland, Frankreich, Luxemburg, Griechenland, Österreich, Ungarn und Bulgarien. Nur in Spanien werde der Gen-Mais großflächiger angebaut. Die Firma Monsanto, die das Patent auf den betroffenen Mais hält, war am Dienstag nicht für eine Stellungnahme zu erreichen.

Martina Herzog



Kommentare
08.09.2011
20:03
EU-Richter sagen Gen-Honig den Kampf an
von EinKnaeuel | #17

Was anderes passiert bei Kreuzungen und Herstellungen von Hybriden auch nicht, #15 als das Erbgut mit artfremden gemischt wird, die Gentechnik verkürzt lediglich die Zeit.
Über den Weg der Nahrungsaufnahme ist es unmöglich die Gene zu verändern, das ist nur auf dem Wege der Vermehrung und oder durch gezielten Eingriff in die Chromosomen möglich..
Sodass auch Bakterien zB. wie Glühwürmchen unter Zugabe von Luciferin leuchten können.
Allein durch den Verdau nach Glühwürmchens Ableben können das die Bakterien nicht..
Wenn die Gene über die Nahrung neu gemischt werden könnten, würde mancher nicht sitzen können, weil er nicht weiss, wohin mit dem Ringelschwänzchen, das am Ende der Wirbelsäule wächst, oder würde sich wundern, das ihm Hörner auf der Stirn wachsen, nur weil seine Eltern öfter Schwein oder Rind auf der Speisenkarte hatten..

07.09.2011
19:42
EU-Richter sagen Gen-Honig den Kampf an
von rockingmom | #16

Ich finde das Urteil gut, aber ich vermisse in der gesamten Berichterstattung folgendes:
Langnese als Großkonzern vertreibt reichlich Honig, aber da steht nicht drauf, woher der denn stammt.
Wenn man dem Verbraucher schon das Werkzeug in die Hand geben will, dann doch bitteschön mit allen Möglichkeiten.

07.09.2011
17:13
EU-Richter sagen Gen-Honig den Kampf an
von FUBAR | #15

@14 EinKnaeuel

Sie vergessen aber, das in der Natur und in der Zucht nur Pflanzen mit Pflanzen bzw. Tiere mit Tieren gekreuzt werden. Bei der Genmanipulation ist eben dieses nicht der Fall, hier werden Gensequenzen von Bakterien oder Viren etc. in die DNA eingebaut.
Und ob ein Gentransfer möglich ist: Der Körper hatte 1000de Jahre Zeit, sich an die Nahrung anzupassen. Es gibt für den Menschen tödliche Pflanzen, die von gewissen Tieren gefressen werden. Evolution halt. Und meines Wissens haben die Wissenschaftler noch nicht einmal genügend Kenntnisse wie die Verdauung bzw. wie der Darm funktioniert. Daher halte ich es für fahrlässig, ohne die Folgen zu erforschen die Gen-Nahrung hat (oder haben könnte), Pflanzen im Freiland anzubauen und in die Nahrungskette zu bringen. Medikamente müssen schließlich auch über Jahre hinweg getestet werden.
Der Verlust der Biodiversität wird definitiv Folgen haben. Ebenfalls nicht zu verachten: Die Wirtschaftlichen Interessen. Monsanto z.B. kämpft mit harten Bandagen. Ich möchte nicht, daß unsere Nahrungsmittelproduktion von ein paar wenigen Firmen kontrolliert wird.

07.09.2011
12:45
EU-Richter sagen Gen-Honig den Kampf an
von EinKnaeuel | #14

Möpse wachsen durch Hormonzugaben, entweder in Form von Pillen oder Spritzen, nicht durch Veränderung der DNA in Futterpflanzen oder Tieren der Nahrungsketten.
Da jedes Lebewesen einen eigenen DNA-Bauplan hat, wir lediglich dieser aus Aminosäuren der DNA dupliziert,
Umweltgifte, wie Phenole, PCBs, Nanopartikel und andere können für fehlerhafte Verdopplung sorgen, wie auch den haploiden Chromosomensatz, der der Vermehrung dient, schädigen oder gänzlich unbrauchbar machen.
Gentransfer, auf dem Wege des Verdaus von Nahrung ist unmöglich, sonst wäre der Mensch im Laufe seiner Entwicklung, schon längst in der Lage, Photosythese zu betreiben und ohne Sauerstoff zu leben, Anhand der Milliarden Tonnen von Grünfutter und Hefen, das die Menschheit im Laufe seiner Existennz schon zusich genommen hat. Auch der Neandertaler, der neben dem Homo sapiens existierte, hatte keinen Rüssel, obwohl auch ihm das Mammut als Nahrungsquelle diente..

07.09.2011
07:34
EU-Richter sagen Gen-Honig den Kampf an
von voltago | #13

Ja Gott sei Dank, endlich mal ein vernünftiges Machtwort. Endlich werden nicht mehr jedem 100tausensten (oder war es 150tausenstem) nach übermäßigen Honig Genuß Möpse wachsen.
Aber andererseits, man sollte sich in den nächsten Tagen ausreichend mit Honig eindecken, schließlich droht der absolute Engpass, und Honig ist ja glücklicherweise relativ lange haltbar.
Gruß
Ps.: Wie sich aber der zu erwartenden zukünftige Gen-Anteil an Lebensmitteln langfristig auf die Garantie der Versorgung auswirken wird, vor allen, wenn man den weiteren ungehinderten weltweiten Bevölkerungszuwachs und den drohenden Schwund, unter anderem durch Klimaveränderung, das ist natürlich eine ganz andere Frage.

07.09.2011
02:10
EU-Richter sagen Gen-Honig den Kampf an
von joergel | #12

Wieso meinen eigentlich Umweltverbände und Bienenzüchter die Verpflichtung zur Zulassung käme einem Verkaufsstopp von heimischen Honig gleich?
Ist so schwierig oder gar unmöglich dafür die Markt-Zulassung zu bekommen?
Oder glauben sie lediglich, dass sich der Honig nicht verkauft, wenn er ausgewiesenermaßen genmanipulierte Pollen enthält?
Und hat das Urteil überhaupt eine Konsequenz für den Anbau gentechnisch veränderter Pflanzen?
Wenn ja, welche?
Fragen über Fragen, die eigentlich in dem Artikel behandelt sein sollten. So läßt sich alles und nichts daraus lesen und den Spekulationen sind Tür und Tor geöffnet...

07.09.2011
00:26
EU-Richter sagen Gen-Honig den Kampf an
von EinKnaeuel | #11

richtig #4, dem Organismus ist es völlig egal, ob verändert oder nicht. Was anderes als gentechnisch verändert sind über Generationen kreuz- und quer gezüchtete Pflanzen und Triere auch nicht.
Woher die Aminosäuren stammen, spielt keine Rolle, der Organismus stellt sie seinem eigenen Bauplan entsprechend zusammen, der Rest geht so oder so in den Verdau..

06.09.2011
23:11
EU-Richter sagen Gen-Honig den Kampf an
von RainerN | #10

Ein weitreichendes Urteil, was durchaus das Ende von genmanipulierter Pflanzen bzw. dessen Anbau in Europa bedeuten kann, ja wird.

06.09.2011
22:45
EU-Richter sagen Gen-Honig den Kampf an
von rockingmom | #9

Ich habe ein Interview mit dem Imker im TV gesehen. Hochachtung vor dem Mann.
Die Bienen lassen sich eben nicht sagen, auf welches Feld sie fliegen sollen. Gut so.
Und Firmen wie Monsanto kriegen so richtig einen vor den Bug.

Chapeau auch an die Bienen :)
Mit den Bienen stirbt auch der Mensch, wißt Ihr ja wohl.

06.09.2011
21:32
EU-Richter sagen Gen-Honig den Kampf an
von DavyJones | #8

#7 Jau, da war der Tod noch biologisch-dynamisch und deshalb insgesamt gesünder.

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