Essener Energiekonzern RWE spart und verkauft Tafelsilber

RWE-Chef Peter Terium verordnet dem Essener Energiekonzern einen strengen Sparkurs.
RWE-Chef Peter Terium verordnet dem Essener Energiekonzern einen strengen Sparkurs.
Foto: dapd
Was wir bereits wissen
Der Essener Energiekonzern RWE gerät unter Druck: Konzernchef Peter Terium verordnet dem Unternehmen einen Sparkurs, streicht Stellen und verkauft das Tafelsilber. Die Kunden werden offenbar preissensibler: Unter dem Strich hat der Versorger rund 100.000 Stromkunden verloren.

Essen.. Es war schon auffällig, wie oft RWE-Chef Peter Terium die zwei Worte „wir müssen“ in den Mund nahm. Seine Sätze endeten dann wahlweise mit „drastisch sparen“, „unsere Kosten senken“, „schlagkräftiger werden“, „unsere Finanzkraft stärken“ und „uns von Teilen unserer Aktivitäten trennen“.

„Wir müssen“ – das war Teriums Leitmotiv. Kurzum: Er stimmte RWE-Mitarbeiter und -Aktionäre auf mehrere harte Jahre ein. „Unsere Bilanz ist nicht in Ordnung“, sagte der niederländische Manager, der seit gut acht Monaten an der Spitze des Essener Energiekonzerns steht. Auf dem Unternehmen laste „ein Schuldenberg von 33 Milliarden Euro“.

Sparkurs hat auch Konsequenzen für Ökostromtochter Innogy

Sein Ziel sei es, eine „Strategie im Zeichen knapper Kassen“ zu entwickeln, betonte Terium während der Bilanzpressekonferenz in Essen. In der Praxis heißt das: Terium will sich von Tafelsilber trennen und Stellen streichen. Milliardenerlöse soll der Verkauf der traditionsreichen Hamburger Tochterfirma Dea bringen, die rund 1400 Mitarbeiter beschäftigt. Mit der Trennung von dem Unternehmen, das 1899 als „Deutsche Tiefbohr-Actiengesellschaft“ gegründet worden ist, stellt RWE die Förderung von Öl und Erdgas ein. Terium verwies darauf, dass viel Kapital für das Fördergeschäft benötigt werde. Künftig werde RWE das Gas für die konzerneigenen Kraftwerke auf den Weltmärkten einkaufen.

Auch für die RWE-Ökostromtochter Innogy hat der Sparkurs Konsequenzen. „Wir müssen beim Ausbau der erneuerbaren Energien aus finanziellen Gründen das Tempo etwas drosseln“, sagte Terium. In den Jahren 2014 und 2015 werde RWE jeweils rund 500 Millionen Euro in diesem Bereich investieren. „Das ist deutlich weniger als ursprünglich geplant.“

RWE-Chef Terium treibt Stellenabbau voran

Terium treibt außerdem den Stellenabbau voran. In den nächsten drei Jahren will der Konzern 5000 der verbliebenen 70 000 Stellen abbauen. Weitere 2400 Arbeitsplätze stehen auf dem Prüfstand. Auch am Konzernsitz in Essen seien Einsparungen geplant, räumte Terium ein. Er ließ aber noch offen, um welche Größenordnung es geht.

Für die kommenden zwei Jahre hat RWE mit den Arbeitnehmervertretern einen Kündigungsschutz vereinbart. „Wir brauchen Flexibilität, um Mitarbeiter auch an anderer Stelle einsetzen zu können“, betonte der Konzernchef. Geplant sei unter anderem, frei werdende Stellen nicht wieder neu zu besetzen, berichtete RWE-Personalchef Uwe Tigges. Darüber hinaus gebe es Altersteilzeitregelungen für Beschäftigte über 55 Jahren.

RWE hält Dividende stabil bei zwei Euro pro Aktie

Terium lässt keinen Zweifel daran, dass der Sparkurs im Konzern mehrere Jahre lang dauern wird. Für die Zeit nach 2014 seien „weitere Maßnahmen zur Verbesserung unserer Ertragskraft in Planung“, kündigte er an. Terium wappnet sich für harte Zeiten. Nach 2013 rechne der Konzern mit einem „deutlichen Rückgang des Ergebnisniveaus“. Als Grund dafür nannte Terium vor allem die „erheblichen Ertragseinbußen“ in der herkömmlichen Stromerzeugung.

RWE Die Dividende in Höhe von zwei Euro je Aktie hält RWE vorerst stabil, was auch die kommunalen Aktionäre freuen dürfte, die rund 25 Prozent der RWE-Anteile halten.

RWE - das „Inkassobüro der Bundesregierung“

Ob es zu weiter steigenden Strom- und Gaspreisen kommt? „Das kann ich nicht ausschließen“, sagt Terium dazu. Entscheidend sei, ob die Politik eine „Strompreisbremse“ beschließe. „Der Preis setzt sich zu mehr als der Hälfte aus Abgaben und Steuern zusammen“, klagt der Konzernchef. RWE sei zum „Inkassobüro der Bundesregierung“ geworden.

RWE bekommt zu spüren, dass der Wettbewerb schärfer wird. Wie RWE-Vorstand Rolf Martin Schmitz berichtet, hat der Konzern bei insgesamt rund sieben Millionen Stromverträgen im vergangenen Jahr etwa 100 000 Kunden verloren.