Das aktuelle Wetter NRW 13°C
Strom

Essener Energiekonzern RWE spart und verkauft Tafelsilber

05.03.2013 | 17:49 Uhr
RWE-Chef Peter Terium verordnet dem Essener Energiekonzern einen strengen Sparkurs.Foto: dapd

Essen.   Der Essener Energiekonzern RWE gerät unter Druck: Konzernchef Peter Terium verordnet dem Unternehmen einen Sparkurs, streicht Stellen und verkauft das Tafelsilber. Die Kunden werden offenbar preissensibler: Unter dem Strich hat der Versorger rund 100.000 Stromkunden verloren.

Es war schon auffällig, wie oft RWE-Chef Peter Terium die zwei Worte „wir müssen“ in den Mund nahm. Seine Sätze endeten dann wahlweise mit „drastisch sparen“, „unsere Kosten senken“, „schlagkräftiger werden“, „unsere Finanzkraft stärken“ und „uns von Teilen unserer Aktivitäten trennen“.

„Wir müssen“ – das war Teriums Leitmotiv. Kurzum: Er stimmte RWE-Mitarbeiter und -Aktionäre auf mehrere harte Jahre ein. „Unsere Bilanz ist nicht in Ordnung“, sagte der niederländische Manager, der seit gut acht Monaten an der Spitze des Essener Energiekonzerns steht. Auf dem Unternehmen laste „ein Schuldenberg von 33 Milliarden Euro“.

Sparkurs hat auch Konsequenzen für Ökostromtochter Innogy

Sein Ziel sei es, eine „Strategie im Zeichen knapper Kassen“ zu entwickeln, betonte Terium während der Bilanzpressekonferenz in Essen. In der Praxis heißt das: Terium will sich von Tafelsilber trennen und Stellen streichen. Milliardenerlöse soll der Verkauf der traditionsreichen Hamburger Tochterfirma Dea bringen, die rund 1400 Mitarbeiter beschäftigt. Mit der Trennung von dem Unternehmen, das 1899 als „Deutsche Tiefbohr-Actiengesellschaft“ gegründet worden ist, stellt RWE die Förderung von Öl und Erdgas ein. Terium verwies darauf, dass viel Kapital für das Fördergeschäft benötigt werde. Künftig werde RWE das Gas für die konzerneigenen Kraftwerke auf den Weltmärkten einkaufen.

Video
Essen, 05.03.2013: RWE AG lud zur Bilanzpressekonferenz. Über die Themen Strompreis, Dividende und Managergehälter haben wir mit dem Vorstandsvorsitzenden Peter Terium gesprochen.

Auch für die RWE-Ökostromtochter Innogy hat der Sparkurs Konsequenzen. „Wir müssen beim Ausbau der erneuerbaren Energien aus finanziellen Gründen das Tempo etwas drosseln“, sagte Terium. In den Jahren 2014 und 2015 werde RWE jeweils rund 500 Millionen Euro in diesem Bereich investieren. „Das ist deutlich weniger als ursprünglich geplant.“

RWE-Chef Terium treibt Stellenabbau voran

Terium treibt außerdem den Stellenabbau voran. In den nächsten drei Jahren will der Konzern 5000 der verbliebenen 70 000 Stellen abbauen. Weitere 2400 Arbeitsplätze stehen auf dem Prüfstand. Auch am Konzernsitz in Essen seien Einsparungen geplant, räumte Terium ein. Er ließ aber noch offen, um welche Größenordnung es geht.

Für die kommenden zwei Jahre hat RWE mit den Arbeitnehmervertretern einen Kündigungsschutz vereinbart. „Wir brauchen Flexibilität, um Mitarbeiter auch an anderer Stelle einsetzen zu können“, betonte der Konzernchef. Geplant sei unter anderem, frei werdende Stellen nicht wieder neu zu besetzen, berichtete RWE-Personalchef Uwe Tigges. Darüber hinaus gebe es Altersteilzeitregelungen für Beschäftigte über 55 Jahren.

RWE hält Dividende stabil bei zwei Euro pro Aktie

Terium lässt keinen Zweifel daran, dass der Sparkurs im Konzern mehrere Jahre lang dauern wird. Für die Zeit nach 2014 seien „weitere Maßnahmen zur Verbesserung unserer Ertragskraft in Planung“, kündigte er an. Terium wappnet sich für harte Zeiten. Nach 2013 rechne der Konzern mit einem „deutlichen Rückgang des Ergebnisniveaus“. Als Grund dafür nannte Terium vor allem die „erheblichen Ertragseinbußen“ in der herkömmlichen Stromerzeugung.

Lesen Sie auch:
RWE hat sich vom Atomwende-Einbruch erholt

Zwei Jahre nach der Atomwende hat der Energiekonzern RWE sein Betriebsergebnis über den Markterwartungen gesteigert. 2012 sei der Gewinn vor Zinsen,...

Die Dividende in Höhe von zwei Euro je Aktie hält RWE vorerst stabil, was auch die kommunalen Aktionäre freuen dürfte, die rund 25 Prozent der RWE-Anteile halten.

RWE - das „Inkassobüro der Bundesregierung“

Ob es zu weiter steigenden Strom- und Gaspreisen kommt? „Das kann ich nicht ausschließen“, sagt Terium dazu. Entscheidend sei, ob die Politik eine „Strompreisbremse“ beschließe. „Der Preis setzt sich zu mehr als der Hälfte aus Abgaben und Steuern zusammen“, klagt der Konzernchef. RWE sei zum „Inkassobüro der Bundesregierung“ geworden.

RWE bekommt zu spüren, dass der Wettbewerb schärfer wird. Wie RWE-Vorstand Rolf Martin Schmitz berichtet, hat der Konzern bei insgesamt rund sieben Millionen Stromverträgen im vergangenen Jahr etwa 100 000 Kunden verloren.

Ulf Meinke

Kommentare
06.03.2013
09:09
"was auch die kommunalen Aktionäre freuen dürfte, die rund 25 Prozent der RWE-Anteile halten"
von nachdenken | #7

Weswegen auch die Kommunen, deren gewählte Vertreter auch in den Gesellschaftervertretungen sitzen und Aufwandsentschädigungen kassieren, kein...
Weiterlesen

1 Antwort
Sollen die Städte ihr Tafelsilber verkaufen?
von Finnjet | #7-1

Die Dividendenzahlungen sind längst in den Haushalten eingeplant. Bei € 2 Dividende und knapp € 29 Kurswert pro Aktie ist das ein gutes Zubrot für die Kommunen. Nur wenn die Aktioen verkauft sind, gehen die Dividenden an die Hedge-Fonds, und die reichen Banken und reichen Rentner, die sich am Kauf beteiligt haben, und dann ist nix mehr mit Einnahmen für die Kommunen. Aber der Verkaufserlös kann dann prima innerhalb eines Jahres für Armutsflüchtlinge verbraten werden, und dann?

Funktionen
Fotos und Videos
article
7688897
Essener Energiekonzern RWE spart und verkauft Tafelsilber
Essener Energiekonzern RWE spart und verkauft Tafelsilber
$description$
http://www.derwesten.de/wirtschaft/essener-energiekonzern-rwe-spart-und-verkauft-tafelsilber-id7688897.html
2013-03-05 17:49
Wirtschaft