Essener Chemiekonzern Evonik soll in den Dax aufsteigen

Was wir bereits wissen
Die RAG-Stiftung will den Chemiekonzern Evonik spätestens 2017 in der ersten Börsenliga sehen. Stiftungschef Werner Müller hat große Pläne für Evonik.

Essen.. Der frühere Bundeswirtschaftsminister Werner Müller, heute Chef der RAG-Stiftung, hat ehrgeizige Pläne für den Essener Chemiekonzern Evonik. Er sei sehr zuversichtlich, dass Evonik im Jahr 2017 in den wichtigsten Börsenindex Dax aufsteigen werde, sagte Müller bei der Präsentation der Stiftungsbilanz.

Mit einer 68-Prozent-Beteiligung ist die RAG-Stiftung größter Evonik-Aktionär. Werner Müller steht auch an der Spitze des Konzern-Aufsichtsrats. Noch befindet sich Evonik im MDax, wo vor allem mittelgroße Firmen notiert sind.

Evonik könnte schon bald wachsen

Mehr als 33 000 Beschäftigte zählt das Essener Unternehmen derzeit. Doch Evonik könnte in absehbarer Zeit ein größerer Konzern sein. Müller ermunterte den von Klaus Engel geführten Evonik-Vorstand zu Firmenzukäufen. „Es wäre begrüßenswert, wenn ein Schritt gelingt“, sagte Müller. Zeitdruck bestehe aber nicht.

Evonik Einer milliardenschweren Übernahme des Baseler Chemiekonzerns Clariant, über die seit Monaten spekuliert worden ist, erteilte Müller eine klare Absage: „Für mich ist dieses Thema gegessen.“ Evonik müsse auch „nicht unbedingt“ eine größere Übernahme anstreben, wenn kleinere Zukäufe das Geschäft sinnvoll ergänzen.

Verzinsung von mehr als sechs Prozent

Ob Evonik in den Dax aufsteigt, hängt entscheidend von der RAG-Stiftung ab. Für eine Notierung in Deutschlands wichtigstem Börsenindex müssen viele Aktien des Unternehmens breit gestreut sein. Der Streubesitz liegt allerdings lediglich bei knapp 23 Prozent, ist also vergleichsweise gering. Die Stiftung hatte angekündigt, sie wolle sich auf lange Sicht von Evonik-Aktien trennen. Müller betonte aber, Aktienverkäufe seien „vorerst“ nicht geplant. Fest stehe, dass die Beteiligung am Essener Chemiekonzern auf Dauer nicht unter 25,1 Prozent abgeschmolzen werde.

Die Gewinnausschüttung von Evonik ist derzeit die wichtigste Einnahmequelle der RAG-Stiftung. Im vergangenen Jahr lag die Dividende bei rund 316 Millionen Euro. Darüber hinaus ist die Stiftung unter anderem am Gelsenkirchener Wohnungsunternehmen Vivawest sowie an mehreren mittelständischen Betrieben beteiligt. Unter dem Strich hatte die Stiftung im Jahr 2014 einen Überschuss in Höhe von 351 Millionen Euro erwirtschaftet.

Chemiekonzern Aufgabe der RAG-Stiftung ist es, über Jahrzehnte hinweg die Kosten nach dem Abschied vom Steinkohlenbergbau in Deutschland zu tragen. Dazu gehört unter anderem, Grubenwasser zu pumpen. Ende 2018 soll auch die letzte Zeche ihren Betrieb einstellen. „Ab 2019 sind im Durchschnitt um die 220 Millionen Euro pro Jahr zu finanzieren“, sagte Stiftungsfinanzchef Helmut Linssen. Im vergangenen Jahr habe die Stiftung eine Verzinsung von mehr als sechs Prozent erwirtschaftet.

Diskussionen über eine mögliche Atom-Stiftung

Derzeit wird diskutiert, ob das RAG-Modell auch als Blaupause für den Atomausstieg dienen sollte. „Etwas Vergleichbares ist denkbar und sollte geprüft werden“, bekräftigte Müller. Zum Konzept der Stiftung gehöre, dauerhaft Gewinne zu erwirtschaften, um Lasten aus der Vergangenheit zu tragen. Es stehe jedenfalls „überhaupt nicht im Vordergrund, Gewinne zu privatisieren und Verluste zu sozialisieren“, betonte Müller.

Ziel der RAG-Stiftung ist auch, Bildung, Wissenschaft und Kultur in den ehemaligen Bergbauregionen zu fördern. Das Fördervolumen im vergangenen Jahr sei um drei Millionen Euro auf 4,5 Millionen Euro angehoben worden, berichtete Vorstandsmitglied Bärbel Bergerhoff-Wodopia. Das Budget für 2015 erhöhe sich auf 7,5 Millionen Euro. „Es ist herauszustellen, dass der Bergbau nicht nur Ewigkeitslasten hinterlässt“, sagte sie. „Vielmehr hinterlässt er technische, soziale und kulturelle Reichtümer.“