„Erfahrene Kräfte fehlen“

Hagen..  Einen „traurigen Beleg für eine verfehlte Rentenpolitik“ hat Landesarbeitgeberchef Horst-Werner Maier-Hunke den Stopp des Arbeitsplatzaufbaus für Ältere durch die Rente mit 63 genannt. Das Vorziehen des abschlagfreien Rentenzutritts um zwei Jahre sei „ein schwerer Rückschlag für eine demografiefeste Arbeitsmarkt- und Rentenpolitik“, ergänzte der Iserlohner Unternehmer (Bürobedarf Durable). Allein der Deutschen Rentenversicherung in Westfalen und im Rheinland liegen inzwischen fast 23 000 Rentenanträge über 60-jähriger Arbeitnehmer vor - weit mehr als erwartet.

„Den Unternehmern in NRW gehen erfahrene Fachkräfte von der Fahne, die noch dringend benötigt werden, und die Rentenversicherung muss zusätzliche Leistungen in Milliardenhöhe erbringen, die völlig unnötig sind“, so Maier-Hunke. Damit werde die Entscheidung der Politik für die Anhebung des Renteneintrittsalters auf 67 Jahre quasi zunichte gemacht.

Beschleunigung des Abbaus

Jörg Lohölter, Geschäftsführer beim Iserlohner Kaltbandhersteller Risse + Wilke, nannte die Rente mit 63 „eine Beschleunigung des Beschäftigungsabbaus bei Älteren“. Im Unternehmen gebe es Mitarbeiter, die ursprünglich bis 65 arbeiten wollten, mit der Neuregelung aber früher ausgeschieden seien. Deren Erfahrung und Kompetenz fehle heute. „Wir müssen sie durch Jüngere ersetzen, die aber nicht die Erfahrung haben - das ist nicht einfach“, bedauert Lohölter. Man habe sich in der Industrie nach der Frühverrentungswelle der 90er Jahre „darauf besonnen, wie wertvoll Ältere sein können.“

Negative Folgen für die Deckung des Fachkräftebedarfs in der Region fürchtet auch Dr. Ralf Huß, stellvertretender Hauptgeschäftsführer der IHK Arnsberg. Man müsse auch das Potenzial Älterer ausschöpfen. Die Zeiten des Jugendwahns in der Wirtschaft seien vorbei. „Erfahrung wird wieder mehr geschätzt.“