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Eon leidet stark unter der Energiewende

13.03.2013 | 09:46 Uhr
Eon leidet stark unter der Energiewende
Eon-Chef Johannes Teyssen zieht Konsequenzen aus dem Gewinnrückgang.Foto: afp

Düsseldorf.  Der Energieversorger Eon erwartet für das laufenden Jahr einen kräftigen Gewinnrückgang. Schuld ist die Marktschwäche in Europa und die Energiewände. Eine Konsequenz ist der Abbau von 11 000 Stellen bis 2015, 6 000 davon in Deutschland, zusätzlich soll der Verkauf von Anteilen Geld in die Kasse bringen.

Deutschlands größter Energieversorger Eon hat im vergangenen Jahr seinen nachhaltigen Konzernüberschuss um 67 Prozent auf 4,2 Milliarden Euro gesteigert. Der Umsatz erhöhte sich um 17 Prozent auf 132 Milliarden Euro, wie der Konzern am Mittwoch mitteilte. Die deutliche Ergebnisverbesserung ist allerdings zum großen Teil auf Einmaleffekte aus der Neuverhandlung der Gaslieferverträge und auf den Wegfall der Belastungen aus dem Kernenergieausstieg zurückzuführen. Im laufenden Jahr erwartet der Konzern wegen der Marktschwäche in Europa und der Lasten der Energiewende  wieder einen Rückgang des nachhaltigen Konzernüberschusses auf 2,2 bis 2,6 Milliarden Euro. Der Ausblick des Konzerns fiel deshalb auch eher pessimistisch aus.  Die teuren Gaskraftwerke des Unternehmens verdienen kaum mehr Geld. Konzernchef  Johannes Teyssen droht seit Wochen unverhohlen mit Schließung - auch am Mittwoch bei der Bilanzvorlage.

Die Marktschwäche in Europa und die Energiewände sind schuld am Gewinnrückgang

Konzernchef Teyssen betonte, der Konzern habe "keinen Anlass, die Hände in den Schoß zu legen". Denn vor allem in der konventionellen Stromerzeugung blieben Absatz und Ergebnis unter Druck. Der Manager kritisierte, moderne Gaskraftwerke seien derzeit kaum rentabel zu betreiben, obwohl sie für die Systemstabilität dringend gebraucht würden. "Hier muss die Politik schnell handeln, sonst müssen wir Anlagen stilllegen", sagte Teyssen.

Der Eon-Chef bekräftigte gleichzeitig seine Pläne zur Neuausrichtung des Unternehmens. "Wir erschließen uns derzeit Wachstumsmärkte wie die Türkei, Russland und Brasilien." Zudem investiere Eon überdurchschnittlich in Erneuerbare Energien und treibe den Ausbau des Geschäftsfeldes Dezentrale Erzeugung voran. Auch die eigenen Gasförderung will der Konzern im Gegensatz zum Rivalen RWE weiter ausbauen.

Verkauf von Anteile soll Geld in die Kasse bringen

Nachdem das Unternehmen inzwischen bereits rund 17 Milliarden Euro durch den Verkauf von Geschäftsteilen eingenommen hat, kündigte der Vorstand am Mittwoch weitere Schritte an. So sollen bis spätestens 2014 die Regionalversorger Eon Westfalen Weser und Eon Mitte einen neuen Eigentümer bekommen. Zudem will Eon seine Anteile am britischen Urananreicherungsunternehmen Urenco verkaufen. Die drei Verkäufe sollen den Düsseldorfern weitere zwei Milliarden Euro in die Kassen bringen. Damit gingen aber auch substanzielle Ergebnisbeiträge verloren, betonte Finanzchef Marcus Schenck.

Voraussichtlich werde 2013 ein um Sondereffekte bereinigter nachhaltiger Konzernüberschuss von 2,2 bis 2,6 Milliarden Euro erreicht nach 4,2 Milliarden Euro im Jahr zuvor, teilte das Unternehmen mit. Das Ergebnis vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen (Ebitda) sinkt von 10,8 Milliarden auf voraussichtlich 9,2 bis 9,8 Milliarden Euro. Die Dividende für 2012 soll wie geplant bei 1,10 Euro liegen (plus 10 Cent). Künftig soll dann kein absolutes Dividendenziel mehr benannt werden, sondern eine Ausschüttungsquote von 50 bis 60 Prozent des Konzernüberschusses.

Zusätzlicher Personalabbau nicht bekannt

Eon baut bis 2015 rund 11 000 Stellen ab, davon 6000 in Deutschland. Dies ist schon länger bekannt, ein Sozialplan wurde bereits vereinbart. Zusätzlicher Personalabbau sei nicht geplant, sagte Personalvorstand Regine Stachelhaus.

Wie schon mehrfach seit Jahresbeginn forderte Teyssen nachdrücklich gesetzliche Eingriffe in den CO2-Handel wegen der stark gesunkenen Preise für Verschmutzungsrechte. "Wenn Klimaschutz und CO2 keinen Wert haben, lohnt es sich auch nicht, klimaschonende Gaskraftwerke einzusetzen", sagte Teyssen. Wenn die Wirtschaftlichkeit der Gaskraftwerke nicht wiederhergestellt werde, würden sie außer Betrieb genommen. "Wir sind keine Spielverderber, aber eben auch nicht die Lastesel der Energiewende", sagte Teyssen.

Eon senkt deutlich die Investitionen. Waren es 2012 noch 7 Milliarden Euro, sollen in diesem Jahr nur noch 6 Milliarden Euro sein - 2015 will Eon nur noch 4,5 Milliarden Euro investieren. (dapd)


Kommentare
13.03.2013
19:48
Wann hören diese Gierlappen einmal auf zu jammern?
von DerRheinberger | #4

4 600 000 000 Euro Gewinn im Jahr 2012 und die bürgerlichen Schreiber in der WAZ-Redaktion berichten über Weltuntergangsstimmung bei einem Weltkonzern.

Um wieder tausende Mitarbeiter rauszuschmeissen, braucht man gute Publicity und das Verständnis der Stromkunden, welche durch immer schlechteren Service und dauernd steigende Strompreise an der Nase herumgeführt werden. Sie müssen tatenlos zusehen müssen, wie die Profite ausschliesslich in die Taschen der Aktionäre und Vorstands- und Aufsichtsratsbosse landen.

Die Energiewende ala Merkel, Rösler und Altmaier hat bislang nur die Taschen der Unternehmer und Spekulanten gefüllt. Notwendig ist eine Vergesellschaftung der Elektrizitätsmonopole.

Wohnen, Nahrung, Gesundheit, Wasser und Energie gehört nicht in die Hände von Spekulanten!

13.03.2013
18:05
Eon leidet stark unter der Energiewende
von MichaP | #3

Wo kann man für den Notleidenden Konzern Spenden? Hätte EON nicht nach dem ersten Ausstiegsvertrag 2001 blind darauf verlassen das schwarz- gelb alles Rückgängig könnten die Heute weitaus besser da stehen.

13.03.2013
17:06
Eon leidet stark unter der Energiewende
von ferdi23 | #2

Na, dann werde ich mal schnell meinen EON-Vertrag kündigen. Bevor die pleite gehen und ich keinen Strom mehr bekomme...

13.03.2013
12:58
Energieriese E.on rechnet mit stark sinkenden Gewinnen
von woelly | #1

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