Enervie stellt das Sponsoring ein

Die Lichtrouten, Lüdenscheids internationales Festival zu Licht in Kunst und Architektur (im Bild: die Projektion „Spielraum“ von Hartung & Trenz am Sternplatz im Jahr 2013) , muss ohne die Enervie-Förderung vom Jahr 2016 auf 2018 verschoben werden.
Die Lichtrouten, Lüdenscheids internationales Festival zu Licht in Kunst und Architektur (im Bild: die Projektion „Spielraum“ von Hartung & Trenz am Sternplatz im Jahr 2013) , muss ohne die Enervie-Förderung vom Jahr 2016 auf 2018 verschoben werden.
Foto: WP
Was wir bereits wissen
Der Energieversorger kämpft selbst ums finanzielle Überleben. Rund 100 Vereine und Institutionen müssen auf Unterstützung verzichten. Iserlohn Roosters, Phoenix Hagen und Lüdenscheider Lichtrouten betroffen

Hagen/Lüdenscheid/Iserlohn.. Auf insgesamt mehr als eine halbe Million Euro an Sponsoringgeldern und Spenden müssen Vereine und Institutionen in der Region alleine im kommenden Jahr verzichten: Der finanziell schwer angeschlagene Energieversorger Enervie setzt die Förderung von Sportvereinen, Kulturveranstaltungen und sozialen Projekten aus. „Wir müssen erst selbst gesunden, bevor wir wieder anderen helfen können“, erklärt Enervie-Sprecher Uwe Reuter die „Unterbrechung der Sponsoringaktivitäten“.

Jüngstes Opfer der Enervie-Finanzkrise: die Lichtrouten, Lüdenscheids internationales Festival rund um Licht in Kunst und Architektur. Der Etat der jeweils zehntägigen Veranstaltung, die die Stadt zum Ereignisfeld macht und damit zum Nachdenken über die Funktion und die Nutzung von Stadträumen (Plätzen, Gebäuden, Brachflächen, etc.) aufruft, hat einen Gesamtetat von rund 380 000 Euro. Einer der vier Hauptgeldgeber waren seit der Premiere im Jahr 2002 die Stadtwerke Lüdenscheid, die seit dem Sommer 2006 gemeinsam mit der Hagener Mark-E zur Enervie-Gruppe verschmolzen.

Lichtrouten auf 2018 verschoben

Die nächste Ausgabe des Festivals, das seit 2010 im Drei-Jahres-Rhythmus stattfindet, war für 2016 vorgesehen. Daraus wird angesichts des Enervie-Rückzugs nichts. Der Lichtrouten-Etat wird in den festivalfreien Jahren angespart; der Enervie-Anteil lag im höheren fünfstelligen Bereich. „Dieser Ausfall lässt sich nicht kompensieren“, urteilt Bettina Pelz, die gemeinsam mit Tom Groll das Festival kuratiert, und stellt resignierend fest: „Wenn die Grundlage fehlt, kann man nichts machen.“ Lüdenscheid macht aus der Not eine Tugend und verschiebt die Lichtrouten auf das Jahr 2018, zur Feier des Stadtjubiläums. „Zu verschieben war die einzige verantwortliche Entscheidung“, sagt dazu Lüdenscheids Bürgermeister Dieter Dzewas .

Betroffen vom vorläufigen Rückzug der Enervie-Gruppe als Sponsor und Förderer ist auch die regionale Sportszene: Am 30. Juni ist der Fünf-Jahres-Vertrag über die Enervie-Arena, die frühere Ischeland-Halle, in Hagen ausgelaufen. Damit erlöschen die Namensrechte – und der Geldfluss von Enervie.

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Was für die Spielstätte gilt, trifft auch auf den Basketball-Bundesligisten Phoenix Hagen zu: Nach Ablauf der Spielzeit „wird Enervie nach der derzeitigen Lage nicht mehr als Sponsor zur Verfügung stehen“, wie Uwe Reuter formuliert. Zum Jahreswechsel wird dieses Schicksal auch die Eishockey-Mannschaft der Iserlohn Roosters treffen. Beide Mannschaften unterstützte Enervie nach Informationen dieser Zeitung in annähernd gleicher Höhe: im sechsstelligen Bereich pro Jahr.

Insgesamt rund 100 Vereine und Institutionen sind nach Angaben des Unternehmens vom Enervie-Ausfall als Förderer betroffen. „Die Enervie-Gruppe muss ihre freiwilligen Ausgaben soweit reduzieren, bis sie als Unternehmen wieder wettbewerbsfähig am Markt ist“, sagt Sprecher Uwe Reuter; eine Prognose ist offenbar kaum möglich, aber: „Keine Tür schließt sich endgültig“, so Reuter. Wert legt der Sprecher auf den Hinweis, dass „alle Zusagen für dieses Jahr eingehalten werden und wurden“. Und: „Es gibt viel Verständnis bei den Betroffenen“, berichtet Reuter. Wohl, weil die meisten Nutznießer Enervie bislang als treuen und verlässlichen Förderer kannten.