Energiekonzern RWE schafft die Beschäftigungs-Garantie ab

Uwe Tigges, Personalchef von RWE, will die Mitarbeitern fordern - aber auch absichern.
Uwe Tigges, Personalchef von RWE, will die Mitarbeitern fordern - aber auch absichern.
Foto: Tim Schulz
Was wir bereits wissen
Neue Regeln beim angeschlagenen Energiekonzern: Lehnt ein Mitarbeiter zwei Mal ein „zumutbares“ Arbeitsplatzangebot ab, ist er kündbar.

Essen.. Der angeschlagene Essener Energieversorger RWE schafft die klassische Beschäftigungsgarantie im Konzern ab. Letztlich sind in Zukunft auch Kündigungen bei RWE möglich, was in dem erfolgsverwöhnten Revier-Unternehmen vor kurzem noch praktisch undenkbar gewesen wäre.

Der Konzern gründet im neuen Jahr für Mitarbeiter, deren Arbeitsplätze abgebaut werden, eine interne Jobbörse namens „Switch“. Hier sollen die Beschäftigten Beratungs- und Fortbildungsangebote bekommen. Ziel sei die Vermittlung auf neue Arbeitsplätze, teilte RWE mit. Zugleich gilt aber das Prinzip: „Lehnt ein Mitarbeiter zum zweiten Mal ein zumutbares Arbeitsplatzangebot ab, ist er kündbar.“ RWE-Personalchef Uwe Tigges kommentierte: „Wir fordern unsere Mitarbeiter, aber sichern sie zugleich ab.“

Gehälter steigen um 2,3 Prozent

Das Ende der klassischen Beschäftigungsgarantie bei RWE gehört zu den Ergebnissen der Verhandlungen mit den Gewerkschaften Verdi und IG BCE. Zuletzt war spekuliert worden, die Job-Garantie könnte noch einmal um zwei Jahre verlängert werden, um die Mitarbeiter in der Krise bei Laune zu halten.

RWE Angesichts wegbrechender Gewinne beim Essener Energieversorger stimmten die Gewerkschaften auch einer lediglich maßvollen Erhöhung der Entgelte zu: Die Gehälter steigen in den nächsten zwei Jahren nur einmal – und zwar ab Juli 2015 um 2,3 Prozent. Hinzu kommt eine Einmalzahlung in Höhe von 1200 Euro im Januar 2015. Für Auszubildende sind es 400 Euro.

"Switch" soll weitreichenden Schutz bieten

„Den angedachten Nullrunden beim Gehalt wurde eine klare Absage erteilt“, sagte IG BCE-Vorstandsmitglied Ralf Sikorski. „Die moderate Vergütungserhöhung sorgt dafür, dass die Beschäftigten nicht von der allgemeinen Einkommensentwicklung abgekoppelt werden.“

Sikorski sprach von einem „tragfähigen Kompromiss“. In einer angespannten Situation sei es gelungen, „Sicherheit für die Beschäftigten zu erreichen und die Zukunftsfähigkeit des Konzerns zu stärken“.

Durch „Switch“ erhalten die Beschäftigten nach Einschätzung der IG BCE „Vergütungssicherung“ und weitreichenden arbeitsrechtlichen Schutz bis Ende 2018. Verdi und IG BCE hatten gemeinsam verhandelt. „Das ist bemerkenswert, denn ohne diese Gemeinsamkeit hätte das Ergebnis sicher nicht erreicht werden können“, betonte Sikorski.

Weiterer Stellenabbau geplant

Trotz sinkender Mitarbeiterzahl will RWE auch künftig weit über Bedarf ausbilden. In den Jahren 2015 und 2016 sollen jeweils mindestens 400 neue Auszubildende ihren Start ins Berufsleben in einem RWE-Betrieb beginnen. Außerdem sagt der Konzern zu, allen Auszubildenden nach erfolgreicher Abschlussprüfung mindestens einen auf ein Jahr befristeten Arbeitsvertrag anzubieten.

Der Stellenabbau geht aber weiter: Die Zahl der Beschäftigten im RWE-Konzern war innerhalb eines Jahres von knapp 65.000 auf 60.400 gesunken. Tigges sagte in einer Telefonkonferenz, er gehe davon aus, dass weitere „2000 bis 3000 Mitarbeiter“ in den nächsten zwei Jahren das Unternehmen verlassen werden.