Ende der Milchquote – Chance oder Risiko für Landwirte?

Durch den Wegfall der Milchquote wird eine steigende Produktion erwartet.
Durch den Wegfall der Milchquote wird eine steigende Produktion erwartet.
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Was wir bereits wissen
Nach 31 Jahren fällt am Monatsende die Milchquote. Bauern sollen von der steigenden Nachfrage profitieren – aber können Familienbetriebe mithalten?

Stuttgart.. Das Thema Milchquote lässt Bruno Knab ziemlich kalt. "Passiert ja erst mal nichts", sagt der Landwirt. Auf seinem Hof im oberschwäbischen Wolfegg (Kreis Ravensburg) kümmert er sich um 80 Milchkühe, bislang durfte er im Jahr 600.000 Liter an die Molkereien liefern. Nach 31 Jahren fällt nun diese Obergrenze, die Quote zum Monatsende aufgehoben. Werden die Molkereien nun mit Milch überschwemmt? "Quatsch", sagt Knab. "Unsere Tiere können ja nicht von heute auf morgen einfach mehr Milch produzieren."

Eingeführt wurde die Quote als Schutzmechanismus: Sie sollte eine Balance zwischen Angebot und Nachfrage herstellen und die Preise sichern. Ihre wichtigsten Ziele habe die Quote aber gar nicht erreicht, sagt der stellvertretende Hauptgeschäftsführer des Landesbauernverbands im Südwesten, Horst Wenk. "Weder wurden die Einkommen der Milcherzeuger auf einem für diese akzeptablen Niveau stabilisiert, noch wurde dadurch der Strukturwandel aufgehalten."

Jährlich geben fünf Prozent der Milchviehbetriebe auf

1984 gab es in Baden-Württemberg 61.000 Milchviehbetriebe, heute sind es nach Angaben des Verbands noch 8600. Bundesweit sank die Zahl im gleichen Zeitraum demnach von 370.000 auf 77.000 Betriebe. Dieser Trend werde sich fortsetzen, sagt Wenk. Seit 1999 hätten jedes Jahr zwischen vier und fünf Prozent der Milchviehbetriebe ihre Produktion eingestellt. "Selbstverständlich werden die verbleibenden Betriebe sich weiterhin vergrößern", sagt Wenk. "Das ist allerdings eine kontinuierliche Entwicklung wie überall in der Landwirtschaft."

Landwirtschaft Durch den Wegfall der Quote wird eine steigende Milchproduktion erwartet - die von den Molkereien verarbeitet werden muss. Bei Omira in Ravensburg sieht man sich gut vorbereitet: "Wir sind bereit, auch höhere Milchmengen aufzunehmen", sagt der Geschäftsführer Ralph Wonnemann. Die Großmolkerei habe im Sommer 2014 ihre Milcherzeuger zu deren Wachstumsplänen befragt. "Basierend auf den Ergebnissen dieser Umfrage gehen wir von einem verarbeitungsfähigen Milchzuwachs aus."

Für Milchbauer Knab kommt eine Erweiterung nicht mehr in Frage, obwohl er die Fläche dazu hätte. "Wenn es die Quote nicht gegeben hätte, hätte ich in den vergangenen Jahren sicher auf Wachstum gesetzt", sagt er. "Jetzt bin ich bald 50 Jahre und habe niemanden, der den Hof übernimmt. Da ist eher Optimieren angesagt." In den 80er Jahren sei sein Betrieb noch einer der größten in der Region gewesen, inzwischen seien rund 80 Milchkühe normal.

Bundesdurchschnitt sind 56 Kühe – in Brandenburg 224

Im Südwesten haben die Landwirte im Schnitt 39 Kühen pro Halter. Nur 30 Prozent der Betriebe besitzen mehr als 50 Kühe, ein Drittel hat sogar weniger als 20 Kühe. Der Bundesdurchschnitt liegt laut Bauernverband dagegen bei 56 - und in Brandenburg sogar bei 224 Milchkühen. Auch im Südwesten gebe es größere Betriebe, sagt Wenk. Allerdings nur 500, die im Schnitt wiederum 142 Kühe besäßen.

"Bis jetzt war es so, dass Betriebe ab 40 Kühen ein Familieneinkommen erwirtschaften können", sagt der Ministerialdirektor im Agrarministerium in Stuttgart, Wolfgang Reimer. "Und sie haben - je nach Jahr - auch nicht so schlecht verdient." In Baden-Württemberg sei zudem der Milchpreis höher als beispielsweise in Brandenburg. Und die Höfe mussten als Familienbetriebe kaum Löhne zahlen. "Von daher waren sie durchaus wirtschaftlich."

Milch Als die Milchquote 1984 eingeführt wurde, gab es zu viel Milch auf dem europäischen Markt. Wer die erlaubte Quote überschritt, musste eine Abgabe zahlen. Nun rechnen Politik und Experten mit einer steigenden Nachfrage weltweit, von der Europas Bauern profitieren sollen. Aber können die vergleichsweise kleinen Familienbetriebe im Südwesten da überhaupt mithalten?

Grundsätzlich ja, sagen Experten. Allerdings bräuchten sie Nischen und Sonderwege: Damit ein kleinerer Betrieb auch in Zukunft noch existieren kann, muss er nach Ansicht von Wenk entweder mehrere Standbeine haben - beispielsweise durch Direktvermarktung, Erzeugung von erneuerbaren Energien oder aber Ferien auf dem Bauernhof. "Oder er muss besondere, vor allem regionale Spezialitäten erzeugen, die natürlich auch nachgefragt werden müssen", sagt Wenk.

Die Molkereien dagegen könnten verschiedene Vermarktungslinien bedienen, sagt Reimer. "Die kleineren Molkereien können sich im Premiumsegment profilieren, in dem sie zum Beispiel sagen: Ich mache Heumilchkäse, also silofreie Milch." Oder aber Spezialitäten im Käsebereich. "Das läuft beispielsweise im Allgäu, im Hohenlohischen oder im Schwarzwald gut." (dpa)