Eine große Vision in Containern
13.03.2008 | 22:07 Uhr 2008-03-13T22:07:00+0100Die Unternehmen im Ruhrgebiet wollen von September an weltweit auf die Region aufmerksam machen. Superhirne sollen nicht mehr nach New York, sondern ins Revier kommen. Gestern wurde dafür die neue Kampagne vorgestellt
Essen. Noch ist alles nur eine große Vision. Und die flimmerte gestern in der Essener Philharmonie über die Leinwand. Da waren Fotos zu sehen mit dem neuen Ruhrn-Logo auf Straßenbahnen, bei der Love Parade, beim Ruhr-Marathon, auf Banden in Fußball-Stadien oder über die Konzernzentrale von Evonik gestülpt. Da wurden Filme gezeigt mit vielen Emotionen, die einem fast das Wasser in die Augen trieben. Doch wie gesagt, alles nur Vision.
Bei der offiziellen Vorstellung der neuen Kampagne fürs Ruhrgebiet, über die die WAZ seit Tagen berichtet, sollte bewiesen werden, dass es gelingen kann, den Flickenteppich Ruhrgebiet in der Außendarstellung zu verbinden. Und sie sollte von der Öffentlichkeit verstanden werden, weswegen deren Erfinder Frank Dopheide, Chef der Werbeagentur Grey, weit ausholte.
"Es gibt nur noch Champions League und Regionalliga. Die Wahrscheinlichkeit, dass das Ruhrgebiet nicht in der Champions League spielt, ist groß", sagte Dopheide mit Blick in die Zukunft. Die sieht auf Mutter Erde nach seiner und der Meinung mancher Zukunftsforscher so aus, dass es nur noch Mega-Citys mit Millionen Einwohnern geben wird und drumherum Land. Die Riesen-Städte bestimmen, wo es langgeht, ziehen die kreative Elite an, die Superhirne, Menschen mit Macht. Da will das Ruhrgebiet mitmischen.
Muss es sogar, meinen die 70 größten Unternehmen der Region, die sich im Initiativkreis Ruhrgebiet zusammengeschlossen haben. Manche dieser Firmen laufen schon jetzt hinterher, bekommen nicht mehr das Personal, das sie gern hätten. Weil sich exzellente Führungskräfte, "die High Potentials" (Dopheide), für Barcelona statt Bochum, für Dubai statt Dortmund und für Moskau statt Marl entscheiden. Sie gehen nach New York, nicht ins Revier.
Das soll bis 2030 alles anders werden. Mit der neuen Dachmarke "Ruhrn TeamworkCapital", mit einer weltumspannenden Kampagne und neuem Logo. Dieses beginnt mit dem Wort Ruhr mit hochgestelltem "n", darunter die Schlagzeile TeamworkCapital. Und daneben befinden sich bunte Punkte, die die Zusammenarbeit der Ruhrgebietsstädte darstellen sollen.
Völlig "entsetzt" über den Slogan zeigt sich der Professor für Kommunikationsdesign, Thomas Rempen: "Die Branche lacht sich tot", meint Rempen. Er habe nach der Veröffentlichung des Slogans eine Vielzahl von Anrufen junger Menschen und Studenten erhalten, "die über Zukunftsängste, Herzrasen, regionales Unwohlsein und die Ruhr geklagt haben. Viele sehen ihr Heil nur noch in der Flucht", ätzt Rempen. Der Slogan sei völlig indiskutabel, "ich weiß nicht, wie ich das meinen Studenten erklären soll".
Besser fängt er mit der Erklärung gleich an, denn Slogan und Kampagne bleiben. Losgehen soll es im September, zunächst im Ruhrgebiet, damit die Kampagne auch von Einheimischen verstanden wird. Im Duisburger Hafen, so planen Initiativkreis-Geschäftsführer Peter Lampe und Dop-heide, soll das weltgrößte Container-Hochhaus entstehen. Übereinander gestapelte Container also, jeweils versehen mit dem neuen Logo. Im Hafen hörte man davon übrigens gestern zum ersten Mal - als die WAZ nachfragte.
Diese Container sollen danach in alle Welt verfrachtet werden, zum Big Apple in New York oder vor die Oper in Sydney. Und alle Welt soll dann vor diesen Containern stehen bleiben, in sie einsteigen und darin viel mehr erfahren über das Ruhrgebiet, seine Menschen und seine Möglichkeiten. Und dann soll alle Welt wieder herauskommen und sagen "Wooow, da will ich hin, da will ich leben".
Zugleich sollen Konzerne und Mittelständler das Logo mit auf Reisen nehmen, auf Messen, zu Präsentationen. Sie alle sollen demonstrieren: "Wir sind Ruhrgebiet". Wer will, kann dafür die Werbeagentur Grey engagieren und bezahlen. Die hat bislang nämlich nur ihre Arbeitsstunden bezahlt bekommen und will auch endlich Geld verdienen.
Eine Million Euro steht bislang für alle Aktionen zur Verfügung, ein Mini-Budget, das nie und nimmer ausreicht. 50 000 Euro kostet das Aufstellen eines Containers. Geld muss her und Konzerne sollen zahlen. Mal sehen, ob sie es tun. Bislang ist schließlich alles nur eine große Vision.Montage: Initiativkreis

12:03
Superhirne statt nach New York /Wall Street ins Ruhrgebiet? Hypris ( = frevelhafter Übermut) nennt man das. Geht es nicht ein bißchen bescheidener?
07:31
Hab ich jetzt nicht verstanden. Wenn ich arbeite, lasse ich mir auch nur meine Stunden bezahlen. Bisher hat mir niemand erzählt, daß da was nicht stimmt.
Was mache ich falsch?