Das aktuelle Wetter NRW 4°C
Gastbeitrag

Ein Plädoyer für die Energiewende, auch im Ruhrgebiet

05.03.2013 | 19:17 Uhr
Ein Plädoyer für die Energiewende, auch im Ruhrgebiet
Der Anstieg der Energiepreise ist das von den Bürgern am stärksten wahrgenommene Energie-Thema.Foto: dpa

Essen.  Bernhard Lorentz, Vorsitzender der Geschäftsführung der Stiftung Mercator, und Claus Leggewie, Direktor des Kulturwissenschaftlichen Instituts, halten die Energiewende im Ruhrgebiet für notwendig. Laut einer Forsa-Umfrage sehen die Bewohner des Ruhrgebiets die Energiewende skeptisch.

Am Montag berichteten wir über eine Forsa-Umfrage, die der Initiativkreis Ruhr in Auftrag gegeben hatte. Demnach zweifelt die Bevölkerung im Ruhrgebiet am Gelingen der Energiewende. Bernhard Lorentz, Vorsitzender der Geschäftsführung der Stiftung Mercator, und Claus Leggewie, Direktor des Kulturwissenschaftlichen Instituts (KWI) in Essen, beziehen in einem Gastbeitrag Gegenposition, die wir im Sinne einer offenen Debatte hier veröffentlichen.

Die Menschen im Ruhrgebiet glauben nicht an die Energiewende. Kann eine Nachricht deutlicher sein? Nein. Aber ist sie dann auch richtig? Nein. Die Menschen im Ruhrgebiet werden hier zu etwas gemacht, was sie nicht sind: Skeptiker, Bedenkenträger, den alten Zeiten nachtrauernd.

Gerade das Ruhrgebiet hat oft genug gezeigt, dass es sich neu erfinden und nach vorne blicken kann. Die Schlussfolgerungen, die von WAZ und Initiativkreis Ruhr aus der Studie „Was erwarten die Menschen von der Energiewende im Ruhrgebiet?“ gezogen werden, sind überinterpretiert. Hier wird Politik gegen die Energiewende im Ruhrgebiet auf Kosten der Bürger gemacht und das können und wollen wir nicht so stehen lassen.

Chancen der Energiewende werden gesehen

Die Befragten wurden nämlich gar nicht nach der Akzeptanz der Erneuerbaren Energien gefragt, sondern danach, was sie von Öl, Gas, Braunkohle und Fracking halten. Da ist es kein Wunder, dass auch Braunkohle als wichtiger Energieträger genannt wurde. Aber daraus zu machen: „Im Kohlenpott steht man auf die heimische Braunkohle“? So wird man den Bürgern im Ruhrgebiet nicht gerecht. Mehr als 70 Prozent der Befragten messen der Energiewirtschaft im Ruhrgebiet eine wichtige Bedeutung zu. Ebenso viele glauben, dass die Anzahl der Arbeitsplätze durch die Energiewende gleich bleibt bzw. ansteigt.

Originalmeldung
Menschen im Ruhrgebiet zweifeln an der Energiewende

In der Bevölkerung wächst die Skepsis über die Energiewende. Nach einer Umfrage im Auftrag des Initiativkreis Ruhr glauben besonders im Ruhrgebiet nur wenige an einen schnellen Umbau des Energiesektors. Viele sorgen sich über die Energiekosten. Der Atomausstieg ist dagegen kein wichtiges Thema mehr.

Die Chance, die die Energiewende birgt, wird in der Region also gesehen. Ein Ergebnis der Studie sollte uns allerdings wirklich alarmieren: Der Anstieg der Energiepreise ist das von den Bürgern am stärksten wahrgenommene Energie-Thema. Der Strompreis sei zu hoch. Hier ist Politik gefragt, Lösungen zu schaffen – Scheinlösungen wie die jüngst diskutierte „Strompreisbremse“ bringen uns nicht weiter. Aber auch die Medien müssen sich fragen lassen, welche Rolle sie spielen. Denn anstatt von den Chancen der Energiewende zu berichten, von den Arbeitsplätzen, die geschaffen werden, dominiert seit Monaten deutschlandweit das Strompreis-Thema.

Jahrelang unterlassene Investitionen

Hier wird gerne das alte Klischee von den ach so teuren Erneuerbaren Energien bedient, die daran schuld seien. Warum wird nicht erklärt, dass die Erneuerbaren den Strom billiger machen, das aber beim Verbraucher nicht ankommt? Dass jahrelang unterlassene Investitionen in Stromnetze und Ausnahmeregelungen für alle möglichen Unternehmen ihren Beitrag zum steigenden Strompreis leisten? Auch in Frankreich und England wird Strom übrigens teurer – ohne Energiewende! Nur negative Nachrichten sind halt gute Nachrichten? Es ist Zeit für eine neue Debatte – eine ehrliche. Wer darauf setzt, dass das Ruhrgebiet mit seinen altindustriellen Schwerpunkten bleiben kann, wie es ist, verbaut die Perspektiven, die die Region nur dann hat, wenn sie auf neue Energietechnologien und saubere Industrie- und Dienstleistungsbetriebe setzt.

Menschen im Ruhrgebiet glauben nicht an die Energiewende. Kann eine Nachricht deutlicher sein? Nein. Aber ist sie dann auch richtig? Nein.

Claus Leggewie und Bernhard Lorentz



Kommentare
06.03.2013
10:52
Ganz tolle Experten
von Wollhelm | #4

Es gibt sie doch noch, die Ökofundamentalisten. Schaut man beispielsweise auf die Hompage der Stiftung Mercator, entdeckt man diese Gesinnung sofort. Da wird sogar noch der Klimawandel als anthropogen angenommen, obwohl längst wissenschaftlich bewiesen ist, dass der Mensch keinerlei Einfluss auf das Klima hat. Genauso verhält es ich bei Mercator mit der Energiewende. Hier werden einfach die ideologischen Grundsätze der Grünen nachgeplappert. Ein kritisches Hinterfragen sucht man bei Mercator vergebens. Dem Deutschen kann man vermeintlich alles weis machen und der Rest der Welt lacht uns aus. Zu Claus Leggewie ist zu sagen, dass er als wissenschaftlicher Beirat der Bundesregierung für globale Umweltveränderungen tätig ist. Was soll er als solches denn auch sonst behaupten? Des Weiteren ist er Mitglied im wissenschaftlichen Beirat der antidemokratischen Gloablisierungsgegnerorganisation Attac. Attac ist vor allem durch seinen Antisemitismus in den letzten Jahren aufgefallen. Als alles in

06.03.2013
09:18
Die Preislüge vom "billigen" Ökostrom...
von FernerBeobachter | #3

...wird erst dann zur Wahrheit, wenn in Analogie zum "bösen Energiekonzernstrom" auch die Schönwetter- und Gelegenheitsstromemittenden ihre Kilowattstunden subventions- bzw. zwangsabgabenfrei nach dem Angebot-Nachfrage-Prinzip auf dem freien Markt anbieten und am Ende der Laufzeit die Entsorgung ihres Sondermülls auch aus ihren Verkaufserlösen bezahlen müssen. Dann bin ich auch gerne bereit, den Strom zu kaufen.

Aber bis dahin war, ist und bleibt es einfach eine Lüge, die entweder aus Unwissenheit oder absichtlich zur Vortäuschung einer besseren Außendarstellung gebetsmühlenartig in den medialen Orbit geschossen wird. Dabei sollten "wir" doch seit 1945 gelernt haben, dass Unwarheiten nicht zu Wahrheiten werden, indem man sie pausenlos propagiert?

06.03.2013
09:03
Ja, die billigen Preise werden nicht an die Kunden weitergeleitet. Und Braunkohle im Ruhrgebiet? Ist die nicht eher in der Lausitz zu erwarten?
von nachdenken | #2

Ja: "Warum wird nicht erklärt, dass die Erneuerbaren den Strom billiger machen, das aber beim Verbraucher nicht ankommt?"
Weil, die Auftraggeber der Studie kein Interesse daran haben, ihre lukrativen Geschäfte zu verlieren.
s. hier: http://www.i-r.de/initiativkreis/
Auszug der Unterstützer:
E.ON, Evonik Industries, PricewaterhouseCoopers · RAG · RAG-Stiftung · RMM Metallhandel · Roland Berger · Ruhrverband · Ruhr Nachrichten Verlag · RWE, Thyssengas

[Tatsachenbehauptung]

Das mit der Braunkohle und dem Ruhrgebiet, das hätten die Studeinmacher mal etwas genauer prüfen sollen.

06.03.2013
07:54
Beitrag 4 Wochen zu früh?
von prorevier | #1

Das mit dem billigen Strom aus sogenannten erneuerbaren Energien gehörte doch wohl in die Ausgabe vom 1. April!
Dann werden wohl auch gar nicht jährlich viele Milliarden Euro für diese Energiegewinnung gezahlt, ohne das ein Ende absehbar ist?
Wenn jedes 3. Solarmodul weltweit in Deutschland steht, darf man sich über unbezahlbaren Strom nicht wundern.

Aus dem Ressort
Bahn geht auf Lokführer zu - GDL berät dennoch über Streiks
Tarifverhandlungen
In den Tarifverhandlungen mit der Lokführergewerkschaft GDL ist die Bahn erstmals bereit, der GDL auch Verhandlungen für zusätzliche Mitarbeitergruppen zuzugestehen. Das erklärte Bahn-Personalvorstand Weber am Freitag. GDL-Chef Weselsky aber ist mit dem Stand der Gespräche unzufrieden.
Burger-King-Betreiber Yi-Ko bietet Lösungsvorschlag an
Meldungen
Dem umstrittenen Burger-King-Franchiser Yi-Ko läuft die Zeit davon: Alle Fililalen sind geschlossen, Löhne müssen dennoch gezahlt werden. Nach einem Gesellschafterwechsel hat Yi-Ko jetzt ein Lösungsangebot: Burger King habe keinen Grund, es abzulehnen, so der Anwalt des Franchisenehmers.
Fitness-Studio im Essener Opti-Park in der Insolvenz
Wirtschaft
Die 45 Mitarbeiter hatten es schon länger befürchtet, nun musste "City Fitness Essen" Insolvenz anmelden. Das im Opti-Gewerbepark neben dem Asylheim gelegene Studio bleibt aber vorerst geöffnet. Der Noteinrichtung will der Insolvenzverwalter keinesfalls die Verantwortung zuschieben.
Verbraucherzentrale fordert schnelle Preissenkung bei RWE
Stromtarif
Die Essener Verbraucherschützer fordern den Stromversorger RWE auf, die Preise im Grundversorgungstarif zügig zu senken und somit dem Beispiel vieler anderer Firmen zufolgen. Gleichzeitig mahnen sie Stromkunden an, die noch in diesem teureren Tarif sind, zu wechseln, um Geld zu sparen.
Viele Bahnsteige in Essen zu hoch für zukünftige S-Bahnen
Nahverkehr
Langfristig sollen alle S-Bahnhöfe auf den einheitlichen 76-Zentimeter-Standard ausgelegt werden. In Essen trifft das derzeit nur auf vier von 24 Haltepunkten zu. Der Umbau könnte sich mangels Geld über Jahrzehnte hinziehen. Viele kürzlich erst sanierte Bahnhöfe bekamen höhere Bahnsteige verpasst.
Umfrage
Der deutsche Beitrag zum Spenden-Song
 
Fotos und Videos