Ein Milliarden Euro schweres Sparpaket

Mülheim/München..  Im Mülheimer Dampfturbinen- und Generatoren-Werk geht die Angst um – nicht nur, weil Konzernchef Joe Kaeser heute verkünden will, wie viele Stellen seinem Umbau- und Sparprogramm zum Opfer fallen werden. Denn im Sommer, befürchtet der Betriebsrat, könnte es tiefe Einschnitte im Mülheimer Werk mit seinen 4800 Stellen geben.

„Ich habe mir noch nie so große Sorgen um den Standort gemacht“, sagte der Betriebsratsvorsitzende Pietro Bazzoli dieser Zeitung. Im Zuge der Energiewende sind Siemens die Aufträge weggebrochen. Der Kraftwerksmarkt ist nach Bazzolis Angaben um die Hälfte geschrumpft. Weil erneuerbare Energien Vorfahrt haben, werden kaum noch Kohle- und Gaskraftwerke bestellt. Den Einbruch hat Siemens zum Anlass genommen, die Energiesparte auf den Prüfstand zu stellen. Im Juni sollen die Ergebnisse dieses Prozesses mit dem sperrigen Titel „Transformationsprozess“ vorliegen.

Der Mülheimer Betriebsrat sieht dem Termin mit großer Sorge entgegen. Denn zum Siemens-Konzern gehört nicht nur das Werk an der Ruhr, sondern auch eine Konkurrenz-Fertigungsstätte in Charlotte/USA.

„Es gibt kein anderes Geschäft im Hause, das einen vergleichbar großen Handlungsdruck hat, weil die Zeichen der Zeit nicht ausreichend in Schlussfolgerungen umgesetzt wurden“, hatte Siemens-Chef Kaeser jüngst bedauert und den dafür verantwortlichen Manager gefeuert. Die zur Sanierung des Krisengeschäfts angeheuerte US-Managerin Lisa Davis kündigte daraufhin an, dass im Energiesektor 1200 Stellen gestrichen werden. 299 Arbeitsplätze davon, das ist bereits beschlossen, sollen im Rahmen einer Kapazitätsanpassung im Mülheimer Werk wegfallen.

Hinzu kommt nun das eine Milliarde Euro schwere Sparpaket, das Kaeser heute verkünden will. Durchgesickert ist bereits, dass weltweit rund 7400 Stellen gestrichen werden – 3300 davon in Deutschland. Der Abbau hierzulande soll im Schwerpunkt die Verwaltungen betreffen. Kaeser hat den Konzern neu organisiert und dabei ganze Verwaltungsebenen gestrichen. Die Zahl der operativen Sektoren wurde von 16 auf neun reduziert.

Nach Informationen dieser Zeitung soll im Zuge der Verschlankung von Dienstleistungsabteilungen wie Personal, Ausbildung, IT und Qualitätsmanagement auch das Mülheimer Werk einen Sparbeitrag erbringen. Mehrere Dutzend Stellen könnten betroffen sein.