Ein Mann, ein Wort

Kreuth..  Es ist nicht neu. Die eigentliche Nachricht ist, dass der Wankelmütige seine Linie einhält: Zu Beginn der Neujahresklausur der CSU-Landesgruppe, hat der bayrische Ministerpräsident und Parteichef Horst Seehofer gestern in Kreuth bekräftigt, dass er 2018 nicht mehr antreten will. Die xte-Beteuerung – man muss sie ihm allmählich abnehmen.

Ein Hauch von Abschied liegt in der Luft. Aber 2015 ist noch mal ein wichtiges Jahr. Warum? 2016 werden alle Kandidaten aufgestellt und 2017 im Bund gewählt. Machtpolitik. Was die CSU in der Sache voranbringen will, zum Beispiel die Pkw-Maut, muss sie 2015 erledigen. Das gilt auch für die Energiewende. Bis Februar will der Freistaat beraten. Dann will man sich mit dem Bund über den Trassenbau einigen. Das hat Seehofer Wirtschaftsminister Sigmar Gabriel (SPD) versprochen.

Auf Orts-, Kreis-, Bezirks- und Landesebene wird in der CSU 2015 gewählt, im Herbst auch der Parteivorsitz. Konkurrenten muss Seehofer nicht befürchten, aber ein „Vendetta“-Ergebnis. Rache könnten alle nehmen, die er verärgert hat; es sind viele, darunter auch Bezirkschefs.

Denkzettel droht

Ein Denkzettel droht, weil viele Funktionäre überdies mit den einsamen Entscheidungen hadern, Beispiel Atomausstieg. Seehofer setzt sich gern über andere hinweg. Die Klagen über den byzantinischen Führungsstil hört man oft; etwas ist wohl dran.

Wenn er im nächsten Jahr nach Kreuth reist, wird sich alle Aufmerksamkeit auf seinen potenziellen oder tatsächlichen Nachfolger richten. In das Jahr 2017 geht Seehofer wohl noch als CSU-Chef, aber kaum mehr als Ministerpräsident. 2018 ist die Bayern-Wahl, sein Nachfolger muss sich vorher schon im Amt profiliert haben.

Seehofer wird Kreuth nie mehr im politisch tief entspannten Modus von 2015 erleben. Er ist sowohl mächtig als auch mächtig frei. Wenigen ist es in der Politik vergönnt, ihren Abgang selbst zu bestimmen. Seehofer schon.

Amtsmilde schon anzumerken

Er hofft, dass der Wachwechsel harmonisch, kameradschaftlich kollegial verläuft. Viele Namen werden genannt. Finanzminister Markus Söder hat die Nase vorn.

Eine Art Amtsmilde ist Seehofer schon jetzt anzumerken: Kritik am Zustand der Union? Sie regiert seit einem Jahrzehnt im Bund, seit über einem halben Jahrhundert im Freistaat. Noch Fragen? Dass der katholische Kardinal Reinhard Marx, der Erzbischof von München, die Asylpolitik der CSU kritisiert, hält er für ein „Missverständnis“. Die AfD langweilt ihn. Und Pegida? Zu viel Bohei, in Bayern kein Thema. Zuwanderung schon.

Seehofer redet von der größten Wanderungsbewegung seit dem Zweiten Weltkrieg und erwartet nicht, dass sich etwas ändert. Über Weihnachten las er dazu ein richtiges Buch, „Exodus“ von Paul Collier, schwere Kost mit unerbittlichen Fakten. Seehofer dämmerte, „wir vereinfachen vieles“. Auf die Zuwanderung müsse die CSU „mit einem in sich schlüssigen, durchdachten Konzept reagieren und dies auch der Bevölkerung erläutern“. Gute Nachrichten. Für das Abendland.