„Ein Auf ohne richtigen Schwung“

Siegen/Olpe..  Als ein „Auf, aber ohne richtigen Schwung“ beschreibt die Industrie- und Handelskammer Siegen die Konjunktur in den Kreisen Siegen-Wittgenstein und Olpe. Immerhin: Der Konjunkturklimaindex, der sich aus der Einschätzung der Unternehmen zur aktuellen Situation und zu den Erwartungen der nächsten Monate zusammensetzt, ist auf 111 von 200 möglichen Punkten geklettert. Das sind fünf Punkte mehr als noch in der Herbstprognose im September 2014. Dabei zieht der Kreis Olpe den übrigen Kammerbezirk mit nach oben.

Die Unternehmen rund um die Automobilindustrie, die im Kreis Olpe stark vertreten ist, schätzen die wirtschaftliche Lage und die Aussichten deutlich freundlicher ein, als das eher von der Metallindustrie geprägte Siegen-Wittgenstein. Diese Zweiteilung passt zu den Nachrichten vom deutschen Exportrekord: Autos aus Deutschland verkaufen sich weltweit. Und zwar momentan sehr gut.

Von einer Trendwende, von einer „Richtung, die stimmt“, aber auch von fehlender Dynamik sprachen gestern IHK-Präsident Felix Hensel und IHK-Hauptgeschäftsführer Klaus Gräbener bei der Vorstellung der Frühjahrsprognose für den Kammerbezirk. Während die Beurteilung der Lage im Vergleich zum Herbst stabil geblieben ist, haben sich die Erwartungen allerdings verbessert. In der Industrie, im Bau, im Großhandel und bei Dienstleistungen zeigt das Stimmungsbarometer nach oben; alleine beim Einzelhandel geht die Stimmung weiter nach unten – trotz allgemein guter Binnennachfrage. „Der stationäre Einzelhandel kann davon nicht profitieren“, erklärt Klaus Gräbener und vermutet, dass andere Sparten, etwa die Reisebranche, oder eben der Online-Handel vom locker sitzenden Geld im Portemonnaie der Verbraucher profitieren.

Unsicherheit bei Energiepreisen

Der Konflikt um die Ukraine sorge nach wie vor für Unsicherheiten, habe aber insgesamt nicht zu dem noch im Herbst erwarteten Einbruch geführt. Für einzelne Unternehmen sehe das allerdings ganz anders aus: „Es gibt Firmen, die über die Beendigung ihres Russlandsgeschäfts nachdenken“, sagt etwa Felix Hensel angesichts der Sanktionen gegen das Putin-Reich.

Die Investitionsbereitschaft der Industrie lahmt weiterhin; diese Zurückhaltung erklärt Hensel mit der Verunsicherung über die Energiepreisentwicklung und die Probleme in der Verkehrsinfrastruktur durch die maroden Brücken der A 45 – oder, wie Klaus Gräbener formuliert: „Ein Weltmarktführer ist kein Weltmarktführer mehr, wenn er seine Produkte nicht mehr auf die Märkte bringen kann“.