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Eberhard Menzel ist Gründer im Hochschul-Niemandsland Mülheim und Bottrop

12.09.2012 | 18:28 Uhr
Prof. Eberhard Menzel vor einer Wärmebildkamera in einem Mülheimer Labor der Hochschule Ruhr-West.Foto: Jakob Studnar

Mülheim/Bottrop.   Für die Gründung der Hochschule Ruhr-West in Mülheim und Bottrop hatte Eberhard Menzel zu Beginn nur einen 50 Quadratmeter großen Keller. Der Professor stampft seit 2009 zwei Hochschulstandorte im universitären Niemandsland aus dem Boden. In diesen Tagen verabschiedet Menzel die ersten Absolventen.

Als Eberhard Menzel Ende 2008 den Anruf aus dem NRW-Wissenschaftsministerium mit der Anfrage bekam, ob er in Mülheim und Bottrop eine Hochschule gründen wolle, zögerte er nicht lange. „Ich hatte den Hörer noch nicht aufgelegt, da wusste ich schon: Das mache ich.“ Aus dem Nichts stampfte der heute 63-Jährige zwei Standorte der Hochschule Ruhr West (HRW) aus dem Boden, die in diesen Tagen ihre ersten beiden Absolventen entlässt.

Das Wagnis ist geglückt. Doch das konnte der damalige Präsident der Fachhochschule Dortmund noch nicht ahnen, als er seinen Chefsessel in der Westfalenmetropole aufgab und in einen 50 Quadratmeter kleinen Kellerraum im Mülheimer Haus der Wirtschaft umzog. Bottrop und Mülheim hatten den Landeswettbewerb um drei neue technische Hochschulen gewonnen. Menzel betrat in den beiden Ruhrgebietsstädten universitäres Niemandsland und musste erst einmal selbst mit anpacken und in einem Büromarkt Papier und Aktenordner besorgen.

Bergeweise Bewerbungen

Denn die brauchte er rasch, um die Flut von Bewerbungen abzuheften. „Die Leute hatten von der geplanten Hochschule in der Zeitung gelesen und bewarben sich, obwohl es noch überhaupt keine Ausschreibungen gab“, erinnert sich der Präsident. Nicht nur die Städte Mülheim und Bottrop hatten um die HRW gekämpft, auch die Wirtschaft hatte Druck gemacht, dass die neue Schmiede für Wissenschaftler der MINT-Fächer (Mathematik, Informatik, Naturwissenschaften und Technik) ins westliche Ruhrgebiet kommt. Der Mangel an Ingenieuren und Fachkräften war schon in der HRW-Aufbauphase ab Anfang 2009 keine Theorie mehr, sondern längst Realität in den Unternehmen.

Neubau Hochschule Ruhr West

Über den Förderverein, Partnerschaften und Stiftungsprofessuren flankierte die Wirtschaft von Anbeginn die Hochschule. Das Engagement kleiner und großer Betriebe der Region musste Menzel nicht erst einwerben. „Das Ziel, Wirtschaft und Wissenschaft zusammenzuführen, erreichten wir sofort“, sagt er.

Städte profitieren von der Hochschule

Die Hochschule mit 2000 Studienplätzen in Mülheim und 500 in Bottrop, 120 Professoren und 50 wissenschaftlichen Mitarbeitern aus dem Nichts aufzubauen, bedeutete für den begeisterten Elektrotechniker allerdings auch das Bohren dicker Bretter. Bei der Suche nach einem endgültigen Standort für die Hochschule lernte Menzel das Geflecht widerstreitender Interessen in der Kommunal- und Landespolitik kennen. Inzwischen ist der Rauch verflogen. „Die Städte profitieren von der Hochschule“, sagt er diplomatisch. Mit geplanten 834 Containern, in denen Vorlesungssäle, Mensa und Bibliothek vorübergehend untergebracht sind, macht Mülheim sogar als größte „mobile Hochschule Deutschlands“ Schlagzeilen.

Girls Day in Mülheim

Rund 180 Millionen Euro investiert das Land in die Neubauten in Mülheim und Bottrop, 35 Millionen Euro umfasst das Budget, das Präsident Menzel jährlich zur Verfügung steht. Eine gewaltige Summe für den Bildungsstandort Ruhrgebiet.

Ingenieur-Mangel in der Wirtschaft

Die Wirtschaft wartet auf Nachwuchs. Mit den Einschreibungszahlen insgesamt ist der Präsident zufrieden. „In einigen Studiengängen wie Elektrotechnik und Informatik haben wir noch Kapazitäten frei.“ Das mangelnde Interesse der Schulabgänger an Technik führt Menzel auch darauf zurück, dass Jugendliche täglich wie selbstverständlich mit Handys, Laptops oder iPods umgehen, sie aber nicht wissen, wie die Geräte funktionieren. „Intransparenz schreckt ab. Ins Handy kann man ja nicht reingucken“, meint der Professor. Er hingegen schraubte schon als Kind Radios auseinander und baute sie mit Lautsprecher und Spule nach.

Wenn sein Vertrag als Präsident 2015 ausläuft, will Menzel in seinem Privatkeller in Krefeld Bastelstunden für Kinder anbieten, um deren technische Leidenschaft zu entfachen. „Das ist mein Traum nach der Pensionierung“, sagt er. Wehmut bereitet ihm der Gedanke an die Rente aber dennoch. Sein Büro im Hochschulneubau, für den er so lange gearbeitet hat, wird er nur wenige Monate nutzen können. Nach sechsjährigem Hochschulaufbau tue das schon weh, räumt Menzel ein. „Aber ich muss damit leben.“

Frank Meßing



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