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Drohnen - Der Boom der unbemannten Flieger

28.09.2012 | 18:47 Uhr
Tobias Matschke von Microdrones lässt einen Flieger mit Kamera aufsteigen.Foto: Matthias Graben/WAZ Fotopool

Siegen/Dortmund.   Kleine Drohnen, wie sie die Firma Microdrones in Siegen herstellt, sollen künftig Hubschrauberflüge ersetzen und auch Rettungskräfte unterstützen. Doch bislang gestattet das Gesetz keine Flüge, die außerhalb der Sichtweite des Steuernden stattfinden.

Ein Kombi muss reichen, um das Ganze transportieren zu können. „Das macht unsere Lösung so interessant“, sagt Michael Thoss, Marketingchef der Firma Microdrones. Das Siegener Unternehmen baut unbemannte Fluggeräte (UAV). Das steht für Unmanned Aerial Vehicle. Das Wort Drohnen vermeidet Thoss ganz bewusst: „Da denken doch viele gleich an Militär und Afghanistan.“

Vier Rotoren, bis zu 1,2 Kilogramm Tragkraft, das Paket mit Steuerung gibt’s ab 20.000 Euro. Über 1100 Fluggeräte hat Microdrones bereits verkauft. Gesteuert werden sie per Laptop, können aber auch komplett unabhängig operieren. Das ist in Deutschland bislang allerdings verboten. Doch der Druck auf den Gesetzgeber, personal- und treibstoffintensive Hubschrauberflüge durch Drohnen ersetzen zu können, steigt.

Häufigere Kontrolle per Drohnen

So suchte der Thyssengas-Konzern eine preisgünstige Lösung, um sein kilometerlanges Pipeline-Netz überwachen zu können. Mit den Microdrones wäre eine viel häufigere Kontrolle möglich. Kameras sollen das Gebiet entlang der Rohrleitungen fotografieren, Tagesbaustellen ausfindig machen. Denn die stellen eine Gefahr für das Rohrleitungssystem dar. Und sind beim nächsten planmäßigen Überflug mit dem Hubschrauber oft schon wieder verschwunden. Doch die Düsseldorfer Bezirksregierung lehnte nach dem Ende der Versuchsreihe den Einsatz der Fluggeräte ab. „Wir sind über den Pilotprojekt-Status nicht hinweggekommen“, sagt Michael Thoss. Weil die Flüge laut Antrag „autonom, also außerhalb der Sichtweite des Steuerers“ stattfinden sollten und dies laut Luftverkehrsrecht aktuell nicht gestattet sei, so die Behörde.

Video
Farnborough, 12.07.12: Ein Schwerpunkt der Luftfahrtmesse in der südenglischen Stadt sind in diesem Jahr unbemannte Fluggeräte. Es gibt sogar eine eigene Drohnen-Zone, in der diese und entsprechendes Zubehör vorgeführt und getestet werden können.

Dabei sind autonome Drohnenflüge problemlos technisch möglich. „Sie können eine Route am Computer vorgeben. Die Drohne wird sie abfliegen und dann etwa wieder zu ihrem Startpunkt zurückkehren“, sagt Tobias Matschke, Projektmanager bei Microdrones. Ein GPS-Signal hilft dem Flugobjekt, sich jederzeit zurechtzufinden. Dabei sind die Mini-Flieger sehr wartungsarm. „Die Technik ist äußerst robust, ein Rotor hält Hunderte Flugstunden durch und ist schnell getauscht“, sagt Matschke. Dank moderner Akkus seien Flugzeiten von bis zu 80 Minuten möglich. In der Zeit seien die Flieger in der Lage, bis zu 40 Kilometer zurückzulegen. Gebe es Probleme, könne die Drohne notlanden.

Flugsysteme entstehen in Handarbeit

Alle Flugsysteme entstehen bei Microdrones in Handarbeit. Jedes System wird an die Anforderungen des Auftraggebers angepasst – zum Beispiel mit Kameras ausgerüstet oder mit speziellen Sensoren, die Schadstoff-Konzentrationen in der Luft messen können. Solch eine Drohne hat auch die Feuerwehr Dortmund im Einsatz. Das Programm „Airshield“ sieht vor, Brandherde und Gefahrenquellen aus der Luft zu überwachen, zu fotografieren und Giftstoffe zu messen.

Überwachung
Bundesregierung will Drohnen zur Überwachung einsetzen

Bislang dürfen ferngesteuerte Drohnen in Deutschland nur zu militärischen Zwecken eingesetzt werden. Ein Gesetzentwurf, den Verkehrsminister Peter Ramsauer heimlich ins Parlament eingebracht hat, sieht Änderungen vor: Künftig sollen Drohnen auch zivil eingesetzt werden - als Hilfsmittel der Polizei.

In Echtzeit liefert der Flieger das gesammelte Material in die Zentrale, die Einsatzleitung kann sich ein Bild von der Situation machen. „Für uns als Feuerwehr ist es wichtig, dass das so schnell wie möglich geht“, sagt Hauke Speth, Leiter des Instituts für Feuerwehr- und Rettungstechnologie in Dortmund. Dafür seien Drohnen ideal. Theoretisch sei es möglich, mehrere zu vernetzen, die miteinander kommunizieren und so völlig unabhängig ein Gebiet kartieren.

Bislang musste Polizei aushelfen

„Bislang sind wir bei solchen Einsätzen auf die Unterstützung der Polizei angewiesen, die sich mit Hubschraubern ein Bild von der Lage macht“, sagt Speth. Spätestens Anfang 2013 sollen allerdings zwei unbemannte Flieger in den Regeldienst wechseln.

Nicht nur bei der Feuerwehr werden Drohnen aufsteigen: Aus dem Rheinland und dem Ruhrgebiet „gehen zunehmend Anträge auf Erteilung einer Aufstiegserlaubnis für unbemannte Luftfahrtsysteme ein“, bestätigt die Düsseldorfer Bezirksregierung. Sie würden in der Regel genehmigt. Einzige Auflage: Menschenansammlungen dürfen nicht überflogen werden.

Sven Frohwein



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