Drogeriekette Müller wehrt sich gegen Spitzel-Vorwürfe
21.04.2009 | 06:57 Uhr 2009-04-21T06:57:00+0200
Stuttgart. Der baden-württembergische Datenschutz hat sich in die Affäre um das Sammeln von Krankheitsangaben bei der Drogeriemarktkette Müller eingeschaltet. Laut Verdi bewegt sich der umstrittene Krankheits-Fragebogen am "Rande der Illegalität". Müller hat die Vorwürfe erstmals zurückgewiesen.
Der baden-württembergische Datenschutz hat sich in die Affäre um das Sammeln von Krankheitsangaben bei der Drogeriemarktkette Müller eingeschaltet. Das Unternehmen müsse einen entsprechen Fragenkatalog beantworten, sagte am Montag Walter Krämer, Referent der Aufsichtsbehörde für Datenschutz beim Stuttgarter Innenministerium. «Wir interessieren uns dafür, wie das Unternehmen mit den Mitarbeiterdaten umgeht.»
Müller mit Sitz in Ulm war am Wochenende in die Kritik geraten. Laut der Gewerkschaft ver.di müssen Mitarbeiter hier nach Fehlzeiten zusammen mit dem Vorgesetzten einen Fragebogen ausfüllen, in dem auch die Ursache der Krankheit anzugeben ist. «Das geht den Arbeitgeber nichts an», hatte Rainer Dacke vom ver.di-Bezirk Ostwürttemberg-Ulm der Nachrichtenagentur AP gesagt.
Müller weist Vorwürfe zurück
Müller selbst wies die Vorwürfe am Montagabend zurück. Die sogenannten Krankenrückkehrgespräche würden in dem Unternehmen nach einem standardisierten Verfahren durchgeführt, wenn Mitarbeiter nach einer Arbeitsunfähigkeit infolge Krankheit wieder an den Arbeitsplatz zurückkehrten. Bei den Gesprächsformularen handele es sich nicht um Geheimakten, sondern um Dokumente, die vom Vorgesetzten gemeinsam mit dem Mitarbeiter ausgefüllt und von beiden Seiten unterzeichnet würden, hieß es in der Erklärung.
Mit dem Krankenrückkehrgespräch solle der Arbeitgeber herausfinden können, ob es betriebliche Ursachen für gesundheitliche Beeinträchtigungen gebe. Den Vorwurf, man wolle Mitarbeiter mit den Gesprächen unter Druck setzen, wies das Unternehmen zurück. Weder werde das Krankheitsbild abgefragt, noch werde die Mitteilung von Einzelheiten der Arbeitsunfähigkeit erwartet. «Kein Mitarbeiter muss sich für seine Erkrankung rechtfertigen», schrieb Müller. Informationen würden ausnahmslos vertraulich behandelt.
Formular «am Rande der Illegalität»
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Nach Einschätzung des Gewerkschafters bewegt sich das Formular, das der AP vorliegt, dagegen «am Rande der Illegalität». Der Fragebogen werde bei Gesprächen verwendet, zu denen der Beschäftigte nach krankheitsbedingtem Fehlen zitiert werde. Problematisch seien offene Zeilen für Bemerkungen, in die der Arbeitgeber nach dem Gespräch eintragen könne, was er wolle. Dies sei für den Arbeitnehmer nicht nachvollziehbar, da er keinen Durchschlag von dem Papier erhalte, kritisierte Dacke. Zuletzt war vorher bekanntgeworden, dass das Mercedes-Werk in Bremen und der Discounter Lidl illegal Krankheitsdaten sammelten. (ap)

10:59
@ hartzvierer
Danke für die Info. Gut zu wissen.
10:33
Macht euch doch nichts vor und seht es mal realistisch, wir alle sind Verfügungsmasse einiger Politbonzen und Wirtschaftsführer. Selbst in der von ihnen verursachten Wirtschaftskrise bedienen sie sich schamlos an unserem Steuergeld und bürden uns ihre Schulden auf.
Da wundert es doch nicht, daß eine Unternehmensleitung in den Arbeitnehmern ausschließlich eine Kostenstelle sieht, welche auch ausschließlich als Kostenstelle verwaltet wird. So wird es heute an der Universität gelehrt.
07:59
@renegade:
Der Diagnoseschlüssel ist aus den auch im Bericht genannten datenschutzrechtlichen Gründen NICHT auf dem dem AG zu gebenden Durchschlag der AU vorhanden, sondern nur auf dem Original für die Krankenkasse...
Allerdings, und da spreche ich aus Erfahrung, kommt es häufiger vor, dass der AN die Formulare vertauscht.
Übrigens kenne ich keine Firma, die NICHT nach der Ursache einer Erkrankung fragt (nennen wir es mal positiv Fürsorge).
Andererseits ist es für die Einleitung einer krankheitsbedingten Kündigung unerheblich, was der Mitarbeiter angibt, denn dafür gibt es auf der AU die Wahlmöglichkeit des Arztes zwischen Erst- und Folgebescheinigung! Folgebescheinigung ist übrigens auch anzukreuzen, wenn der AN zwischenzeitlich mal gesund geschrieben war, aber einen Rückfall erlitten hat.
Ist mal wieder viel Lärm um nichts...
06:18
Hat der Hausjurist der Firma Müller nicht gewusst, dass man sich mit diesem Fragebogen am Rande der Illegalität befindet ? Oder wurde sein Empfinden für Recht und Legallität mit Euros überschüttet, damit das Schweigen im Walde nicht gestört wurde ? Tja, unsere demokratische Bande von Rechtsverdrehern !
00:17
am Rande der Illegalität
Was eine blödsinnige Formulierung. Entweder es ist illegal - dann ist es auch egal, ob am Rand illegal oder in der Mitte oder sonstwas, oder es ist eben legal. Dann ist es aber am Rande der Legalität.
23:47
Sollte man den Eindruck haben, die zukünftige Welt ist für den einfachen Menschen offen und derjenige könnte sich frei entwickeln?
Sind die Starken für die Schwachen da?
Sorry. Der Zug ist abgefahren.
Willkommen im Wolfsrudel.
Gute Nacht derweil.
22:33
Dann sollen die erkrankten und dann wieder gesundeten Mitarbeiter den behandelnden Arzt einfach nach der Ursache der Erkrankung fragen, das angeben und damit wäre doch der Käse gegessen.
MFG
22:05
Zumindest scheint das irgendwie das Normalste zu sein, das Firmen nach solch Informationen lechzen. Z.B. die DLG Personalservice Gmbh in Düsseldorf auch, die wollen z.B. bei Neueinstellungen für die letzten 3 Jahre Fehlzeiten von den Krankenkassen haben.
21:30
Ein Jahr schweigen, eine Anklage wegen vertuschen seitens Ver.di ist nicht verkehrt..!
21:17
wenn der Arbeitnehmer noch Human Capital waere. Leider wird in den meisten Unternehmen immernoch von Human Ressource gesprochen, was noch ein wenig abwertender klingt.