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Douglas-Chef Kreke: „Verkäufe stehen nicht auf der Agenda“

22.01.2013 | 18:37 Uhr
Douglas-Chef Kreke: „Verkäufe stehen nicht auf der Agenda“

Düsseldorf/Hagen.  Douglas-Chef Henning Kreke äußert sich im Interview zum neuen Haupteigner Advent und zu den Motiven für den Börsenrückzug.

Nach fast fünf Jahrzehnten an der Börse steht die Douglas-Gruppe vor einer Zäsur: Nach der gemeinsamen Übernahme des Handelskonzerns haben der Finanzinvestor Advent International und die Gründerfamilie Kreke den Rückzug vom Aktienmarkt eingeleitet. Über die Perspektiven mit der neuen Eigentümer-Konstellation sprachen wir mit Douglas-Vorstandschef Dr. Henning Kreke.

Frage: Herr Dr. Kreke, vor ziemlich genau einem Jahr hat Ihre Familie den Plan bekannt gegeben, Douglas gemeinsam mit einem Finanzinvestor als Partner von der Börse zu nehmen. Jetzt sind Sie auf der Zielgeraden. Welche Vorteile versprechen Sie sich von diesem Schritt?

Kreke: Es war nie primäres Ziel, die Douglas-Gruppe von der Börse zu nehmen. Vielmehr wollten wir das Unternehmen in eine stabile Eigentümerstruktur überführen und vom Auf und Ab der Kurse an der Börse sowie der zunehmend ausgeprägten Quartalsdenke unabhängig machen. Am Aktienmarkt geht es eher darum, die kurzfristigen Erwartungen von Investoren zu erfüllen, als darum, was für ein Unternehmen langfristig sinnvoll ist. Darüber hinaus wird die strategische Abstimmung einfacher und unkomplizierter werden, weil wir nun mit Advent International nur noch einen Partner und kurze Wege haben.

Mit einem Anteil von 80 Prozent hat Advent künftig das Sagen im Unternehmen. Haben Sie keine Sorge, dass Ihr neuer Partner Entscheidungen gegen Ihren Willen trifft - etwa den Verkauf von Appelrath-Cüpper oder Hussel?

Ein Verkauf von Appelrath-Cüpper oder Hussel steht derzeit nicht auf der Agenda. Beide sind gut aufgestellt und Bestandteile der Unternehmensgruppe - wenn auch keine Schwerpunkte. Wir stehen am Beginn einer Partnerschaft und sind überzeugt, dass wir den idealen Partner ausgewählt haben. Advent International ist bekannt als Investor mit gutem Verständnis für die Chancen und Risiken im Handel und für einen langen Atem. Wir sind uns über die künftige strategische Ausrichtung der Douglas-Gruppe einig, der Wachstumsfokus liegt dabei auf Douglas und Christ. Und wir stehen auch gemeinsam hinter der Neuausrichtung von Thalia.

Mit der Übernahme sind die Schulden der Gruppe deutlich gestiegen. Die Kreditzinsen wollen bedient werden, der neue Haupteigner will Geld verdienen. Gibt es künftig striktere Rendite-Vorgaben?

Nein. Rendite-Wünsche gab es bereits in der Vergangenheit und gibt es auch jetzt ebenso wie Wachstumsziele. Und die Verschuldung der Gruppe ist für eine derartige Transaktion eher konservativ. Daher hat das Unternehmen auch zukünftig Zugang zu liquiden Mitteln, um sinnvolle Investitionen zu tätigen. Wirklich neu oder strikter ist daher eigentlich nichts

Mit welchem Anlagehorizont ist Advent International im Konzern eingestiegen? Und: Gibt es schon einen Plan für die Zeit danach?

Wir waren uns von Anfang an darüber im Klaren, dass ein Finanzinvestor ein Weggefährte auf Zeit ist. Die übliche Haltedauer bei Advent International liegt bei etwa fünf bis sieben Jahren, was uns ausreichend Zeit und Flexibilität gibt. Wir konzentrieren uns darauf, die Douglas-Gruppe in diesem Zeitraum weiterzuentwickeln. Dann sehen wir weiter. Was danach kommt, bereitet mir keine schlaflosen Nächte. Das lassen wir auf uns zukommen.

Und wie sehen die längerfristigen Pläne Ihrer Familie als Anteilseigner der Douglas-Gruppe aus?

Wir bleiben Anteilseigner. Das ist unser Bestreben. Wir haben unsere Anteile auf 20 Prozent aufgestockt, um langfristig unseren Einfluss auf dieses Unternehmen zu erhöhen.

Sven Nölting


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