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Discounter Kik zahlt nach Brandkatastrophe 1490 Euro pro Opfer

23.10.2012 | 18:48 Uhr
Discounter Kik zahlt nach Brandkatastrophe 1490 Euro pro Opfer
Schon in der Vergangenheit stand der Textildiscounter Kik häufiger in der Kritik.Foto: Sascha Schuermann/dapd

Bönen.   Bei einem Feuer in einer Textilfabrik in Pakistan starben 259 Menschen. Für die Hinterbliebenen will Kik nun eine „Soforthilfe“ in Höhe von insgesamt 500.000 Dollar zahlen – das entspricht etwa 1930 Dollar pro Opfer, umgerechnet 1490 Euro.

Nach einem verheerenden Brand in einer pakistanischen Jeansfabrik, bei dem vor rund sechs Wochen 259 Menschen starben, richten sich kritische Fragen an den Textildiscounter Kik. Denn die betroffene Fabrik hat vor allem für den deutschen Branchenriesen aus Bönen produziert. Wie Kik bestätigte, kamen zuletzt 75 Prozent der Aufträge für die Textilfabrik in Karatschi von dem deutschen Discounter.

Für die Familien der gestorbenen Arbeiter will Kik nun nach eigenen Angaben eine „Soforthilfe“ in Höhe von insgesamt 500.000 Dollar zahlen – das entspricht etwa 1930 Dollar pro Opfer, umgerechnet 1490 Euro.

Discounter
Gewerkschaften in Pakistan greifen Kik an

Bönener Unternehmen versprach Zahlungen an die Opfer. Doch diese sind bislang nicht geflossen. Die Gewerkschaften in Pakistan machen mobil.

Ob mangelnde Sicherheitsvorkehrungen zu dem Feuer in der Fabrik geführt haben, lasse sich „heute noch nicht abschließend beantworten“, gab die Firma aus Bönen an. Die betroffene Fabrik mit dem Namen Ali Enterprise hat unter dem Label „Okay“ für Kik Jeans produziert, die für 15,99 Euro bei dem deutschen Discounter angeboten wurden. Bereits in der Vergangenheit hatte es Kritik an den Arbeitsbedingungen bei Kik-Lieferanten insbesondere in Bangladesch gegeben.

„Das ist verdammt wenig“

Zusätzlich zur Soforthilfe versprach Kik „langfristig wirkende Hilfe für die betroffenen Familien“. Auch ein Programm zum „Brand- und Feuerschutz in der Textilindustrie“ werde derzeit erarbeitet, teilte Kik mit, ohne Details zu nennen. Die Gesamthöhe der Zuwendungen erreiche damit eine Million Dollar.

„Der Spiegel“ berichtete, in Pakistan sei Unmut über die Höhe der Hilfsgelder von Kik laut geworden. „Das ist verdammt wenig“, wird ein Gewerkschafter zitiert. „Außerdem wissen wir nicht, wann und über wen die Auszahlung erfolgen soll.“ Kik räumte ein, es „gestaltet sich schwierig“, die Gelder auszuzahlen.

Ulf Meinke

Kommentare
24.10.2012
08:47
Und der Deutsche ist mal wieder empört, und meidet KIK erstmal.
von Partik | #6

Es scheint vielen nicht klar zu sein, was diese Näherinen oft für ein Schicksal haben. Die Frau wird in Pakistan wie Dreck behandelt. Diese Nähjobs...
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1 Antwort
Einzelne Standorte...
von klabautermann77 | #6-1

Es geht nicht um einzelne Standorte, es geht nicht nur um höhere Löhne...

es geht um menschenwürdige !!! Arbeitsbedingungen, die von den Auftraggebern auch aus Deutschland einzufordern sind. Ohne Einhaltung dieser Standards keine Produktion. Punkt.

Von vorneherein das Scheitern zu erklären, mit Logik argumentieren, von Illusionen zu sprechen ... diese Argumentation gab es vor über 100 Jahren in Deutschland - und....

Die Jeans ist dann eben 5 Euro teurer oder mehr, das T-Shirt gibt es nicht für 2,99 Euro - na und. Wir (!!!) werden es überleben (!!!). Alles andere ist schlichtweg menschenverachtend.

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Discounter Kik zahlt nach Brandkatastrophe 1490 Euro pro Opfer
Discounter Kik zahlt nach Brandkatastrophe 1490 Euro pro Opfer
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http://www.derwesten.de/wirtschaft/discounter-kik-zahlt-nach-brandkatastrophe-1490-euro-pro-opfer-id7222951.html
2012-10-23 18:48
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