Kommentar
Zensursula und das Dilemma mit dem Dienstweg
10.06.2009 | 17:26 Uhr 2009-06-10T17:26:00+0200
Essen. Netzsperren im Kampf gegen Kinderpornographie: Eine CDU-Politikerin hat jetzt erklärt, wie das funktionieren soll. Effektiv ist das allerdings nicht. Da hilft nur eins: Ursula von der Leyen muss am nächsten Girls' Day dringend ein Praktikum machen. Bei Leuten, die sich mit sowas auskennen.
Lang hat’s gedauert, aber jetzt habe ich endlich verstanden, warum unsere Regierung so versessen auf die Sperrung von Internetseiten ist. Die Löschung kinderpornographischer Seiten müsste viel effektiver sein als eine umgehbare Sperre, nahm ich ganz naiv an. Aber ich hatte dabei nicht die Umwege bedacht, die unsere in Schilda geschulten Behörden nehmen würden.
Frau Dr. Krogmann, Geschäftsführerin der CDU/CSU-Fraktion im Bundestag, hat das daher auf abgeordnetenwatch.de mal für Machbarkeitsgläubige wie mich erklärt: Wenn das BKA auf eine Seite aufmerksam wird, die auf einem ausländischen Server liegt, dann kontaktieren sie nicht etwa den Webhoster direkt. Nein, dazu hat man viel zu viel „Achtung vor der Souveränität der Staaten“ und wendet sich daher an die „dafür vorgesehenen internationalen Organisationen“.
So effizient wie ein berittener Bote
Dieses bürokratische Ungeheuer leitet den Hinweis dann auf unter Achtung sämtlicher Souveränitätsaspekte irgendwann an die Polizeibehörde des anderen Staates weiter. Weil das aber ungefähr so effizient ist, wie einen berittenen Boten mit einer Depesche von Oslo nach Mailand zu schicken, ist die fragliche Seite bis dahin meist schon mehrfach umgezogen.
Wenn Banken hingegen eine Seite entdecken, die Kontodaten ihrer Kunden ausspäht, dann machen sie gewaltig Dampf. Und zwar ganz direkt. Nicht bei den vorgesehenen, sondern bei den zuständigen Stellen.
Dementsprechend dauert es laut einer aktuellen Studie der Universität Cambridge im Schnitt nur vier Stunden, bis eine Phishing-Seite vom Netz genommen wird, aber ganze 30 Tage bis die Kinderpornographie verschwunden ist.
Wie wäre es also mit einem Praktikum für Ursula von der Leyen bei einer Bank? Vielleicht am nächsten Girls Day?
15:04
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16:56
liebe internetnutzer: lasst doch einfach mal eine weile die finger vom computer, schaltet eure handys ab und schreibt mal einen brief und ihr werdet sehen wie verwirrt die kontrollfreaks der regierung seien werden.
11:07
Todschlagargument:Denkt doch an die Kinder.
Das Problem ist,dass es nicht hilft Kinder zu schützen ,sondern nur ein Schleier für Täter ist der sie schütz anstatt sie zu entlarven.
00:24
Ich frage mich, warum es außer der Stoppschildstrategie keine weiteren nennenswerten Ansätze gibt, Kinderpornografie international stärker zu verfolgen, die Täter zu stellen, die Seiten vom Netz zu nehmen, es kann mir keiner erzählen, daß man in so einer Sache keine internationale Zusammenarbeit hinbekommt, wenn man es nur will.
Mit Leyenhaftem Verständnis allein kann man die gewählte Vorgehensweise, glaube ich, leider nicht erklären. Wenn die dafür vorgesehenen internationalen Organisationen nicht effektiv arbeiten, muß man das im Interesse der Kinder thematisieren, gegebenenfalls muß eben eine neue, effektive Organisation eingerichtet werden. Man bekommt den Eindruck, die Verfolgung der Täter und das wirkliche Entfernen der Seiten sind nicht vorrangig wichtig,
jedoch nur das würde den mißbrauchten Kindern helfen. Statt dessen wird auf was ich nicht sehe, das passiert auch nicht gesetzt, wobei eigentlich klar ist, daß gerade die Konsumenten von Kinderporno schnell einen Weg gefunden haben werden, die Sperren zu umgehen.
Was die Hemmschwelle zu weiteren Eingriffen betrifft, es scharren doch alle schon mit den Hufen, Bayerns Innenminister fordert Sperren für rechtsextreme Web-Seiten (die ich auch nicht befürworte, die Seiten und die Sperren), andere gegen Ballerspiele (die ich auch nicht toll finde). Hat sich das Zensursystem erst etabliert, wird es immer weiter gehen. Oh, da berichtet jemand über Merkwürdigkeiten beim Einsturz von WTC7? Das ist eine Beleidigung unserer Freunde, wie können sie es wagen. Sperren! Und Niemand kann überprüfen, was gesperrt wird. Dieser politische Blog ist gesperrt? Tut uns leid, es befindet sich eine Kinderpornoseite auf dem gleichen Server.
Bin ich paranoid? Ja! Es gibt einfach zu viele mächtige Lobbyisten u.ä. im Hintergrund, wir sehen immer nur einen Teil der Oberfläche, die Spitze des Eisbergs. Nicht das Internet muß reglementiert werden, den Politikern muß mehr auf die Finger geschaut (und notfalls auch, symbolisch, gehauen) werden.
16:05
Im Internetwissen ist Frau Leyen überfordert. Das Übel muss an der Basis bzw. Wurzel bekämpft werden. Das Internet kann das nicht. Darum wähle ich die Piratenpartei.
15:02
schon traurig, wie bei den Zensurgegnern vor lauter Besserwisserei über die Praktikabilität solcher Maßnahmen der eigentliche Skandal aus dem Blickfeld gerät: die im Internet verbreitete Kinderpornografie, im Kampf dagegen ist ( fast) jedes Mittel Recht, dass mit der Zensur hier die Hemmschwelle für weitere Eingriffe in die Meinungsfreiheit sinkt, halte ich im übrigen für reine Spekulation - apropos Freiheit, was ist eigentlich mit der Freiheit der missbrauchten Kinder?
06:17
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10:52
Danke für den Artikel, es wird Zeit, dass sich mehr Menschen um den Schutz der Demokratie kümmern. Zu viele Politiker und Interessenvertreter höhlen die Gesetze zu ihren Gunsten aus, um Profit und Macht zu erlangen.
16:38
@dasKollektiv
Es wäre hilfreich wenn Sie genauer beschreiben würden was sie meinen. Es gibt so viele Links im Internet denen man Folgen kann.
Was die Hintergrundrecherche zur geplanten Internet-Zensur betrifft, so habe ich sicherlich inzwischen an die 150 Artikel gelesen. Habe Quellen verfolgt, und mir selber recherchierte Informationen besorgt. Bisher muss ich sagen das mich Frau vdl nicht überzeugt hat, und ich der Sache mehr als skeptisch gegenüberstehe. Dem obrigen Kommentar von Frau Borchert kann ich also nur zustimmen. Aber ich habe immer noch nicht verstanden was Sie mir sagen wollen.
09:24
@20
die Erkenntnisse sind doch schon von anderen Kommentatoren in den diversen Foren hier sehr ausführlich geschrieben worden, mir scheint das niemand Lust hat auch mal Links zu lesen sondern nur das geschriebene Wort als Allheilmittel sieht,
Hinterfragen ist immer das Stichwort!!!