Das aktuelle Wetter NRW 14°C
Rechtsextremismus

Wie Neonazis bei Facebook, YouTube und Twitter aggressiv um Nachwuchs werben

11.07.2012 | 16:46 Uhr
Wie Neonazis bei Facebook, YouTube und Twitter aggressiv um Nachwuchs werben
Neonazis werben aggressiv bei Facebook um Nachwuchs

Berlin.   Neonazis nutzen zunehmend Facebook und YouTube für ihre Hass-Propaganda. Zudem werde mit provokanten Events wie etwa Flashmobs versucht, Jugendliche zu ködern, heißt es in dem am Mittwoch in Berlin vorgestellten Bericht „Rechtsextremismus online“ der Länder-Zentralstelle jugendschutz.net.

Sie locken Jugendliche mit Videoclips und Popmusik, sie verhöhnen Gewaltopfer und betreiben rassistische Hetze: Rechtsextremisten nutzen für ihre Propaganda immer stärker Internet-Plattformen wie Facebook und Youtube, verbreiten Botschaften über Twitter – oft mit taktischem Geschick.

Die von den Ländern ins Leben gerufene Organisation Jugendschutz.net zeigte sich gestern besorgt: „Rechtsextreme Hetze spielt sich immer stärker im Social Web ab“, sagte Extremismus-Experte Stefan Glaser bei der Vorlage einer neuen Studie. „Neonazis schaffen auf den Plattformen ein Klima der Gewalt, dagegen müssen wir etwas unternehmen.“

1671 rechtsradikale Websites

Das Internet ist bereits fester Bestandteil rechtsextremer Agitation: 1671 Websites hat Glasers Team im vergangenen Jahr dokumentiert, die meisten aus dem Umfeld neonazistischer Kameradschaften und von der NPD. Besonders aktiv im Netz seien Neonazigruppen aus Nordrhein-Westfalen, Bayern und Niedersachsen. Rund 1600 Beschwerden gingen bei Jugendschutz.net ein, in rund 200 Fällen erreichte die Organisation bei den Providern die Löschung unzulässiger Inhalte.

Applaus für die Anschläge

In der rechtsextremen Webszene fand selbst der Terror der Zwickauer Neonazizelle ein vielfach positives Echo: „Teile der Szene unterstützen die Anschläge, machen sich über die Opfer lustig“, heißt es in der Studie. Ein Versandhändler bot etwa ein T-Shirt mit dem Aufdruck „Döner-Killer Thüringer Art“ an. Sogar Terroranleitungen aus dem Umfeld amerikanischer Neonazis fanden sich im Netz.

Stefan Glaser, Leiter des Bereichs Rechtsextremismus bei jugendschutz.net, präsentiert seine alarmierende Studie. Ein Ergebnis: Die sozialen Netzwerke im Internet haben sich zum wichtigsten Nachwuchs-Werbemittel der Neonazi-Szene entwickelt.Foto: dapd

Die Jugendschutzexperten beunruhigt aber auch, dass sich Neonazis in den sozialen Netzwerken inzwischen radikaler geben und sich sicherer vor Strafverfolgung fühlten: Auf Facebook und anderen Plattformen fanden sie im vergangenen Jahr doppelt so häufig unzulässige Inhalte wie auf Websites.

Taktisch geschickt

Sorge bereite dabei aber auch das taktisch geschickte Vorgehen: Mit kontrovers diskutierten und emotionalen Beiträgen zur Finanzkrise oder zu Arbeitslosigkeit und mit Kampagnen etwa gegen sexuellen Missbrauch werden zunächst möglichst viele Nutzer angelockt, ohne dass der rechtsextreme Hintergrund gleich erkennbar ist – die angebrachten Links führen dann aber auf Seiten von Neonazis.

Ein rechtsextremes Musikvideo zum Thema Kindesmissbrauch etwa brachte es bei Youtube auf fast eine Million Klicks. „Die Neonazis tarnen ihre Aktivitäten, damit ihnen die User auf den Leim gehen“, sagte Glaser. „Für Rechtsextreme sind die Mitmachnetze inzwischen das wichtigste Rekrutierungsfeld.“

Die Macher setzten auf die mediale Wirkung etwa von Videoszenen und einen „virtuellen Schneeballeffekt“, heißt es in der Studie. „Was auf der Straße nur begrenzte Resonanz erlangt, erhält online eine ungleich größere Reichweite.“ Zwar werde der Großteil verbotener Inhalte nach wie vor von Plattformen im Ausland verbreitet, doch sinke inzwischen die Hemmschwelle, verfassungsfeindliche Propaganda auch auf deutschen Internet-Seiten zu veröffentlichen.

Nährboden für rechten Terror

Der Präsident der Bundeszentrale für politische Bildung, Thomas Krüger, sprach von einem „Nährboden“ für rechtsextreme Gewalt und Terrorismus. Die Gesellschaft müsse die Entwicklung kontinuierlich beobachten. Strafrechtlich relevante Verstöße müssten konsequent verfolgt werden. Aber auch die Provider und Plattformbetreiber „müssen ihrer sozialen Verantwortung gerecht werden“.

Facebook, wo auch die rechtsextreme NPD ein Profil hat, versicherte als Reaktion auf die Studie, es unterstütze Aktionen gegen Rechtsextremismus und sei „kein Ort für die Verbreitung rassistischer Ansichten“.

Christian Kerl



Aus dem Ressort
Hacker stellen Nacktfotos von Jennifer Lawrence ins Netz
Hacker-Angriff
Wieder ein Hacker-Angriff auf mehrere US-Promis: Unbekannte haben Nacktfotos ins Netz gestellt; unter anderem sollten sie angeblich "Tribute von Panem"-Star Jennifer Lawrence zeigen. "Das ist ein abscheulicher Eingriff in die Privatsphäre", sagte deren Sprecher und kündigte rechtliche Schritte an.
Netflix will später auch deutsche Serien produzieren
Streaming
Im September soll das Streaming-Portal Netflix auch in Deutschland starten. In der Online-Videothek können sich Zuschauer für ein paar Dollar im Monat unbegrenzt Filme und Serien anschauen. Für die Zukunft plant der Videodienst eigene Produktionen in Deutschland zu drehen.
Fusion von O2 und E-Plus - Mobilfunkmarkt im Umbruch
Fusion
Der deutsche Mobilfunkmarkt gerät heftig in Bewegung: Die EU hat die Fusion von O2 und E-Plus abgesegnet. Das könnte den Wettbewerb schwächen, Billigmarken drohen zu verschwinden. Dafür drängt nun der Elektronik-Riese Media-Saturn mit Macht in den Prepaid-Markt
Facebook und Browser - so spart Ihr Smartphone Datenvolumen
Smartphones
Fast jeder Smartphone-Nutzer kennt das Problem. Weit vor dem Ende des Monats neigt sich das schnelle Datenvolumen dem Ende entgegen. Doch es gibt jede Menge Möglichkeiten, das eigene High-Speed-Volumen besser auszunutzen. Wir erklären, wie sie die größten Datenfresser in den Griff bekommen.
Warum die Fernseh-Bildschirme immer noch größer werden
IFA
Noch gibt es zehn Millionen Röhrengeräte, alte Flachbildfernseher werden ausgetauscht. Zur Internationalen Funkausstellung IFA vom 5. bis 10. September in Berlin wittert die Branche ein Geschäft. Gefragt sind Fernseher mit immer größeren Monitoren und höherer Bildauflösung.
Umfrage
Die Städte in NRW fordern viele Millionen von Bund und Land, um marode Straßen zu reparieren . Wie zufrieden sind Sie mit dem Zustand der Straßen?
 
Fotos und Videos
Erinnerungen an 25 Jahre Game Boy
Bildgalerie
Spielkonsole
Merkel macht Selfies mit Schülern
Bildgalerie
Kanzlerin
Handys im Wandel der Zeit
Bildgalerie
Technik
Chaos Computer Club
Bildgalerie
30C3