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Was Kai Diekmann aus Palo Alto mitbringt

31.05.2013 | 18:35 Uhr
Was Kai Diekmann aus Palo Alto mitbringt
Bild-Chef Kai Diekmann begrüßt NRW-Ministerpräsidentin Hannelore Kraft in Palo Alto.

Palo Alto.  Auf ihrer US-Reise hat NRW-Ministerpräsidentin Hannelore Kraft Bild-Chefredakteur Kai Diekmann getroffen, der im Silicon Valley ein Jahr lang geforscht hat, wie die Zukunft der Medien aussehen könnte. Das Ergebnis: Gedrucktes Papier wird es nicht mehr geben. Per Smartphones und Tablet-PC könnten die Nutzer individualisierte Angebote erhalten.

Am Montagmorgen sitzt Bild-Chefredakteur Kai Diekmann wieder in Berlin am „Balken“, am Nachrichtentisch seiner Redaktion. Kurz bevor er nach einem Jahr Studien-Aufenthalt in Kalifornien am Donnerstagnachmittag los flog, traf ihn Nordrhein-Westfalens Ministerpräsidentin Hannelore Kraft in Palo Alto im Silicon Valley, um sich seine Erfahrungen in der Hauptstadt des Internets anzuhören. Mit dabei war Springer-Manager Christoph Keese, der Diekmanns Rolle als Leiter des Springer-Büros in Palo Alto übernehmen wird.

„Das war das schnellste Jahr meines Lebens“, bilanzierte Diekmann, der sich begeistert von der Mentalität im Valley zeigte. Die Bereitschaft, sich gegenseitig zu helfen, sei wohl an keinem Ort der Welt so ausgeprägt wie hier. Es gebe eine „Kultur des Teilens.“

Silicon Valley in Deutschland - kaum denkbar

Lässt sich Silicon Valley übertragen auf Deutschland? Eher nicht, argumentieren die Springer-Abgesandten – durchaus kritisch mit Blick auf ihr Geburtsland. Was sich nicht übertragen lässt auf Deutschland?

Zum einen die Stanford-Universität mit ihrem unglaublichen Reichtum und mit ihren, wie Diekmann sagte, „unglaublich guten Studenten“. Die ehemaligen Absolventen, die Alumni, hätten im vergangenen Jahr zum ersten Mal mit ihren Stiftungen die Grenze von einer Milliarde Dollar überschritten. Hinzu komme das Prinzip, den Studenten das Recht auf ihr geistiges Eigentum zu belassen und es nicht für die eigene Institution zu vereinnahmen.

Das zweite Alleinstellungsmerkmal im Silicon Valley sei das Unternehmertum. Eine Firma zu gründen, das sei an der Stanford-Uni eine soziale Währung. Es gebe kaum einen Studenten, der nicht bereits seine eigene Firma gegründet habe.

Hinzu komme die Risikobereitschaft der Kapitalgeber. Diekmann brachte es auf ein burschikoses Motto: „Find an new way to fuck up.“ Das persönliche Scheitern als eine Chance begreifen für das nächste Mal. In Deutschland gelte der Gescheiterte als Gescheiterter, in USA als Lernender. Daher stamme auch die Empfehlung: „Wenn du scheiterst, dann schnell.“ Damit es rasch wieder von vorne los gehen kann.

Zukunft der Zeitung - nicht mehr auf Papier

Die Zukunft sieht Diekmann, wie auch Springer-Vorstandschef Mathias Döpfner, nicht mehr in der auf Papier gedruckten Zeitung, wohl aber vor allem auf mobilen Endgeräten wie Smartphones, die zur „Fernbedienung für mein Leben“ würden. Das internetfähige Mobiltelefon „weiß, wo ich bin und was ich tue“. Darauf sollten Journalisten künftig ihre Inhalte ausspielen.

Einfach werde dieser Wandel nicht. Andere am Markt wie die Suchmaschine Google verdienten mit journalistischen Inhalten über Werbung Geld, und die Kunden hätten sich daran gewöhnt, dass Journalismus kostenlos sei.

Die Chancen lägen in den Stärken der digitalen Medien. Diekmann schwebt geolokale Berichterstattung und geolokale Werbung vor. Wenn das Smartphone wisse, wo man sich aufhalte, könnten die zum Aufenthaltsort und zur Lebenssituation des Kunden passenden Inhalte von Journalisten geliefert werden. Dann gebe es bei der “Bild“ eben nicht mehr nur eine Art, die Seite Eins aufzumachen, sondern etliche verschiedene.

Die reine Nachricht ist mittlerweile wertlos

Weil die reine Nachricht immer und überall verfügbar sei, habe sie für „Bild“, die jahrelang von Nachrichten lebten, ihren Wert verloren. Stattdessen komme es nun darauf an, wie eine Geschichte erzählt, mit Ton unterlegt und mit Bildern und Videos orchestriert werde. Und welche Haltung Journalisten dabei einnähmen (Kümmerer sein).

Diekmann will „Bild“ tiefgreifend umbauen. Die bisherigen Konferenzen dürften der Vergangenheit angehören, die bisherige Ressort-Aufteilung ebenso. Künftig werde man themenorientiert in tagesaktuellen Teams arbeiten, um die Inhalte passend auf den unterschiedlichen Kanälen auszuspielen. Diese Teams sollen nicht mehr nur aus Journalisten bestehen. Techniker, Entwickler müssten dazu kommen, die die Phantasie aufbrächten, kreativ die Themen digital auszuspielen.

Zwar könne man über die Zugriffe den Erfolg von Stories praktisch messen, dennoch aber werde nie ein Algorithmus „unsere journalistische Arbeit ersetzen“.

Hannelore Kraft wünschte viel  Glück dabei.

Ulrich Reitz



Kommentare
31.05.2013
21:37
Was Kai Diekmann aus Palo Alto mitbringt ... ist ein Kind von Philip Rösler
von creck | #1

Wenn jemand zur Erforschung der Medien-Zukunft nach Kalifornien reist, hat er bereits etwas Grundsätzliches nicht verstanden.
Für die Zukunft der BILD-Zeitung reicht im übrigen ein Sabbatjahr bei "Familien im Brennpunkt".

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